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widerhallte der Donner des auf den Bastionen vor dem ,Neuhauser- und U. Herru-Thor") aufgeführten schwerenGeschützes. Eine unzählbare Menge Volkes versammeltesich auf den Straßen und Plätzen und vor den Thorender Kirche; die Bürgerwehr rückte aus und hielt Ord-nung. Um halb 8 Uhr fuhren die herzogliche Familieund ihre Gäste in Prnnkwägen und feierlichem Zugeunter Vortritt der Hofdienerschaft nach der Kirche, ander sie beim Eintritt unter Trompeten- und Paukenschallvom Rector des Collegiums und allen anwesenden Jesuiten empfangen und zu den mit rothem Sammt bedecktenStühlen im Chöre geleitet wurden, wo sich auch die aus-wärtigen Kirchenfürsten und Fürstäbte befanden, währenddie bayerischen Aebte und Prälaten in xcmtiöoLlibuodem Weihbischof Bartholomäus Scholl von Freising«Wirten und so die heilige Handlung verherrlichten.Die herzogliche Hofkapclle und die Tonkünstler der Jesuiten bildeten fünf Orchester, wovon sich das erste auf demMusikchor, die übrigen aber auf den Kapellen-Emporenbefanden; die ganze Kirchenmusik leitete der herzoglicheKapellmeister Ferdinand di Lasso, der Sohn des 1594verstorbenen weltberühmten Orlando di Lasso . — Alsder Einweihungsakt nach dem koittiüonis koumnulnbeendet war, hielt der Weihbischof das Hochamt bis zumCredo, worauf der Cardinal-Fürstbischof Philipp dieKanzel bestieg und mit großer Beredsamkeit die Gründeentwickelte, 1) warum die katholische Kirche Gott , demallmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde, der Mutterdes Herrn und allen feinen Heiligen Tempel erbaut undweiht, und zu welchem Zwecke sich in denselben das christ-liche Volk versammelt; 2) daß, wenn man solche Tempelbaut, dieselben auch in Gott würdiger Weise aufzuführenseien und daß sich das Haus Gottes im Innern undAeußern durch Pracht und Anstand auszeichnen müsse.Nach der Predigt setzte der Weihbischof das Hochamtfort, nach dessen Beendigung er auch die Kanzel bestiegund den vom Papste verliehenen Ablaß verkündete.Nachdem die Einweihungsfeierlichkeit zu Ende war, lasenPrälaten und Jesuiten auf allen Altären hl. Messen, zuwelchen dem Volke ungehinderter Zutritt gestattet wurde.Der Herzog aber begab sich mit seiner Familie und allenGeladenen durch die Sakristei in das Collegium, dessenWände und Gänge mit entsprechenden deutschen, latein-ischen und griechischen Versen, Emblenien, Symbolen rc. rc.geziert waren, und nahm daselbst das Mittagsmahl. Ander ersten Tafel saßen der Herzog und die übrigen fürst-lichen Persönlichkeiten; an den übrigen, in verschiedeneSäle und Zimmer vertheilten Tafeln saßen die übrigenGäste — 1070 an der Zahl.
Nach der Tafel übergab der Herzog dem Nector desCollegiums eine Urkunde, der gemäß er die Kirchen undKollegien zu Jngolstadt und München dem Orden alsrechtes Eigenthum schenkte und sich nur in der Michaels-kirche das Begräbniß und einen Jahrtag vorbehielt. Zum
des Thurmes unter Kurfürst Max I., weßhalb sich derRector des Collegiums in einer bittlichen Vorstellung vom8. Mai 1662 an den Kurfürsten Ferdinand Maria wandte:Herzog Wilhelm habe seinem Sohne Maximilian testa-mentarisch die Auflage gemacht, den unvollendeten Thurmausbauen zu lassen; da das während des 30jährigenKrieges nicht habe geschehen können, so habe KurfürstMaxiniilian in gleicher Weise die nachfolgenden Fürsten
Das „U. Herrn Thor" befand sich nördlich derjetzigen Feldherrnhcille.
Danke für diese Schankung überreichten ihm die Jesuiten eine eigens für diesen Zweck gefertigte Gelegenheitsschriftund führten — da Regenwetter eine frühere Aufführungverbot — am 10. Juli das Singspiel „Der Triumphdes hl. Erzengels Michael " auf, an welchem über900 Akteure betheiligt waren.
Schon fünf Jahre später nahm die Fürstengruft dieHerzogin Renata auf, welcher nach 24 Jahren der Stifterder Kirche folgte, welcher in der Kleidung eines Marian-ischen Sodalen beigesetzt wurde. — Im Todesjahre desHerzogs (1626) errichteten die Jesuiten die noch heutebestehende Bruderschaft vom guten Tode, welcheim Jahre 1629 von Papst Benedikt XIII. mit der röm-ischen Hauptbruderschaft und 1642 mit der seit 1620in Forstenried bestehenden „Hl. Kreuz-Bruderschaft umeinen guten Tod" vereinigt, 1872 oberhirtlich erneuertund 1873 mit neuen Ablässen begnadigt wurde.
Vier Jahre vorher hatte Herzog Maximilian Re-liquien des heilig gesprochenen Jgnatius von Loyola,sowie des hl. Franziskus Laverius erhalten, denen zuEhren dann rechts und links von den Chorstufen Altäreerrichtet wurden, an deren Stelle vorher je 2 aus Metallgegossene Löwen gestanden haben sollen, welche jetzt vordem älteren Theile der Residenz stehen.
Im Jahre 1632 besuchte König Gustav Adolfwährend der schwedischen Invasion auch die Michaelskircheund das Jesuitencollegium, welches für die „MünchnerGeiselschaft" sechs Püttes abgeben mußte, nämlich:Andreas Brunner, Christoph Clezlin, Joachim Gotthard,Johann Lang, Adam Schiffer und Christophor Widmann.— Außerdem gab das Kollegium zu der von denSchweden der Stadt auferlegten Brandschatzung von300,000 Reichsthalern einen ansehnlichen Theil desKirchenschatzeS, der im Jahre 1649 durch die Ueber-führung der Reliquien der HHl. Cosmas und Damian")
") Vgl. darüber „Jahrbuch f. Münchener Geschichte".M. Band. S. 83-85.
") Die HHl. Cosmas und Damian waren ausArabien gebürtige «ermögliche Bruder, welche die in Syrien erlernte Ärzneikunde in Aegäa in Cilicien unentgeltlichausübten und dem Christenthums, welchem sie von Jugendauf angehörten, unter den Heiden immer mehr Bekennerzu gewinnen suchten, weßhalb sie nach dem Ausbrucheder diokletiamschen Christenverfolgung, da die Aufforder-ung zum Abfalle vom Christenthum an ihnen wirkungs-los verhallte, gemartert und enthauptet wurden. IhreGebeine kamen von Rom durch Erzbischof Adaldagusvon Bremen im Jahre 1000 in dessen Kathedrale, woErzbischöf Burkart die fast vergessenen Reliquien 1335feierlich erheben ließ, für welche dann im Jahre 1400 derkunstvolle Schrein gefertigt wurde, in welchem sie heutenoch auf dem St. Peter- und Pauls-Mtar stehen. Kur-fürst Max I. hatte nämlich in Erfahrung gebracht, daßdie Reliquien in Folge der zu Bremen eingeführten Re-formation mißachtet in eine Truhe geworfen und in einEck gestellt worden seien, weßhalb er sie 1648 um 2000Thaler von dem von Papst Jnnocenz X. zum Wächterder Reliquien im protestantischen Norddeutschland be-stellten Bischof von Osnabrück erwarb, im Dezember des-selben Jahres nach Osnabrück überführen ließ, wo denReliquien die bis dahin in Bamberg befindlich gewesenenHäupter beigefügt wurden; im Jahre 1649 erfolgte ihreUeberführuna nach München, wo die Reliquien bis zuihrer Aufstellung in der Michaelskirche in der Kirche desdamaligen Kapuzinerklosters (auf den: jetzigen Maximilians-platze) aufbewahrt wurden. Am 27. September, dem Ge-dächtnißtage der hl. Brüder, erfolgte in feierlichster Weiseihre Uebersührung in die St. Michaelskirche , wo sie aufdem hl. Kreuzaltar vor dem Choraufgang niedergesetztwurden, bis im Jahre 1819 bei Beseitigung des Altaresihre Transserirung an ihre jetzige Stätte erfolgte.