Ausgabe 
(8.7.1897) 38
 
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den Besuch des cbc» hier weilenden Papstes Pins VI.erhielt, der ihren kühnen Bau bewunderte und erklärte,daß sie auch in Noin eine der schönsten Kirchen wäre.(Schluß folat.)

Das Staatslexikon der Görres-Gesellschaft?)

Der fünfte und letzte Band des Staatslexikons liegtnnnmehr im Drucke vor, so daß es unsern Lesern gewißwillkommen sein wird. beim Abschlüsse dieses hervor-wissenschaftlichen Unternehmens über die Ge-e und die

ragenden. . . _ ...

schichte und die Bedeutung desselben eingehendunterrichtet zu werden.

Was zunächst die Entstehung des Staatslexikons an-langt. so wurde die Abfassung eines solchen alsbald nachGründung der Görres-Gesellschaft als eine der wichtig-sten der in Angriff zu nehmenden Arbeiten in's Augegefaßt. Schon die zweite General-Versammlung (zuMunster) nahm nach einem Vortrag von RcchtsamvaltJul. Bachern die Nothwendigkeit und Bedeutung einessolchen Unternehmens und von Professor Dr. Freiherr»von Hertling über die Möglichkeit und den Modusder Ausführung am 29. August 1977 einstimmig den An-trag des Vcrwaltungsansschusses an:Die Section fürRechts- und Socialwiffenschaft der Görres-Gesellschaftwolle die Jnangriffnalnne der Vorarbeiten zur Heraus-gabe eines den katholischen Principien entsprechendenStaatslexikons beschließen und mit der Ausführung denVerwaltungsausschuß unter Mitwirkung des Vorstandesder Sektion für Rechts- und Socialwiffenschaft beauf-tragen." Ein der Generalversammlung zu Köln ( 1878)vorgelegtes kurzes Programm bezeichnete als leitende Ge-sichtspunkte: Gegenüber den bestehenden Staatslexiciswerde das Staatslcxikon der Görres-Gesellschaftvor-wiegend einen corrigirenden und rectificirenden Charakteranzunehmen haben, indem es vor Allem den modernenIrrthümern in Staats- und Kirchenrecht. in Naturrecht,Politik und Gesellschaftswissenschaft entgegentritt". Dem-entsprechend werdedas Hauptgewicht auf die Erörterungder fundamentalen Begriffe von Religion und Moral.Recht und Gesetz, natürlichem und positivem Recht, vonStaat und Kirche, Familie und Eigenthum zu legen sein".Mit strenger Wahrung des katholischen Standpunktes seisorgfältiges Eingehen auf die besondern Bedürfnisse dermodernen Gesellschaft unter genauer Würdigung der jedes-mal einschlagenden thatsächlichen Verhältnisse zu verbinden.Die sämmtlichen Artikel seien den strengen Anforderungender heutigen Wissenschaft gemäß zu bearbeiten.

Auf der Generalversammlung zu Fulda ( 1830) wurdeLas von Professor Dr. v. Hertling verfaßte ftfftematischeProgramm angenommen. Auch die weiter» Vorarbeitenfür das Unternehmen lagen in der Hand des vorgenanntenGelehrten. Unter der Redaction des Eustos an der Uni-versitätsbibliothek zu Würzburg , vr. Bruder, erschiendann Ende 1897 das erste Heft und Ende 1889 der ersteBand. Im Frühjahr 1896 wurde vr. Bruder seinerAufgabe durch den Tod entrissen, nachdem von ihm dievier ersten Bände und die beiden ersten Hefte des fünftenBandes fertig gestellt waren. Die Redaction des fünftenBandes ist dann binnen Jahresfrist von RechtsanwaltJul. Bachern zu Ende geführt worden.

Das Staatslexikon ist das Produkt des ZusammenWirkens unserer ersten katholischen Kräfte auf öffentlich-rechtlichem Gebiete. Unter den Mitarbeitern finden wirdie Führer unserer Centrumspartei, wie die anerkanntestenVertreter der Wissenschaft auf katholischer Seite. VonProfessor vr. Frhrn. v. Hertling stammen beispielsweisedie Artikel über Absolutismus , Freiheit, Gleichheit, Mon-archie, Politik, von Professor vr. Hitze der Aufsatz überdie Arbeiterfrage, vom Kammergerichtsrath vr. Spähndie Ausführungen über Enteignung. Geh. Ober-Justizrathvr. Rintelen behandelte die Schwurgerichte. Land-gerichtsrath v. Stromb eck die Eisenbahnen, Freiherrv. Huene das Heerwesen, den Staatshaushalt und die

,*) Verlag von Herder in Freiburg . 46 Hefte (5 Bde.).Preis 69 M., geb. in Orig.-Halbfranzbd. 81 M.

Steuern, Landesrath a. D. Fritzen die Polizei, Rechts-anwalt vr. Karl Bachern den Culturkampf und dieMaigesetzgebung, Domcapitnlar vr. Schad ler das Hand-werk, Landrichter Gröber den Begriff des Kaisertbums.Von dem zeitigen Reichstagspräsidentcn Frhrn. v. Buolrühren die principiellen Auseinandersetzungen über Inter-vention und Nichtintervention her. Von Gelehrten sindebensowohl Historiker, wie Philosophen und Moralistenvertreten, da ja die staatlichen Verhältnisse aus der ge-schichtlichen Entwickelung heraus das beste Verständnißfinden, in den philosophischen Systemen aller Zeiten diegrößte Rolle spielen und an den positiven Geboten derMoral ihren unverrückbaren Maßstab finden sollen.

Zehn Jahre sind seit dem Erscheinen des ersten Heftesin's Land gegangen, eine verhältnißmäßig lange Zeit, sodaß manche Angaben, besonders statistischer Art, die natur-gemäß an vielen Stellen citirt werden müssen, also zumTheil bereits veraltet find. Im Ganzen genommen istaber das Werk wohl gelungen, ein würdiges Seitenstückzu demKirchenlexikon von Wetzcr und Welke",welches im nämlichen Verlage erschienen ist. Eine Ehren-pflicht aller Katholiken, welche im öffentlichen Leben stehenund über die nöthigen Mittel verfügen, wird es sein, dasnunmehr abgeschlossene Monnmentalwerk ihrer Bibliothekeinzuverleiben. Airs der anderen Seite wird es nunhoffentlich auch bald möglich sein, an der Hand desStaatslexikons das lange ersehntepolitische ABC-Buch für Centrumsleute" herzustellen, damit diemit weniger Glücksgütern gesegneten Anhänger unsererPartei sich rasch und zuverlässig über die Fragen desöffentlichen Lebens orientiren können. (Aus der wissen-schaftlichen Beilage derGermania ".)

Recensionen und Notizen.

Die Gesellschaft. Populäre Abhandlungen von v. Gg.Freund 0. 8s. R. Verlag der Alfonsus-Buch-handlung in Münster (Westfalen ).

; Es sind zwar im Ganzen und Großen keinerleineue Gedanken, welche v. Freund uns in diesem Büchleinbietet: aber trotzdem haben wir mit großer Befriedigungdiese Abhandlungen gelesen. Das heilige Feuer lebendigerUeberzeugung, die Frische der Sprache und Kraft desVortrages machen sie zu einer fesselnden Lektüre, die, wieschon der Titel sagt, eben keine gelehrte Vortrage, son-dern populäre Belehrungen und Mahnungen gebenwill. Die Abhandlungen erstrecken sich auf folgendeThemata: Die katholische Kirche (ein begeisterter Pane-gyrikus), der Staat (als gesettschaftl. Gebilde und in seinenBeziehungen znr Religion), Familie und Ehe, der Mann(im häuslichen und öffentlichen Leben), dasWeib" (alsGattin, Mutter, Hausfrau), die Jugend (Bescheidenheit.Pietät, Unschuld), das Gebet, die Arbeit. Eine Fülleprächtig vorgetragener Gedanken wie herzgewinnendist namentlich die Abhandlung über das Gebet! zeichnendiese populären Erörterungen aus, und wünschen wirdaher, sicher mit Recht, dem Büchlein recht große Ver-breitung und seinem Inhalt volle Beherzigung.

MuirW., Die Abfassung des Deuteronomiums.

Ins Deutsche übertragen von D. I. Metzger. 8".

32 SS. Leipzig , E. Ungleich. 1896. M. 0.50.s Die biblischen Wissenschaften werden nirgends soausgedehnt, aber auch so gründlich gepflegt, wie in Eng-land . Das kleine Werk von Muir tritt für die Echtheitdes Deuteronomium ein, was uns Katholiken freilich ganzselbstverständlich dünkt; wir dürfen aber nicht vergessen,daß die deutsche protestantische Bibelkritik ganz entgegen-gesetzter Ansicht ist. Und so freuen wir uns dankbar dereinfachen, nüchternen Worte eines englischen Protestanten,der uns seine Ansicht über das Deuteronomium vorlegtund dabei zu verstehen gibt, daß die sogen. Bibelkritik diehl. Bücher in einer Weise beurtheilt, wie man sie mchtgegen den Koran , ja gegen kein Buch der Welt anzu-wenden gewagt hat.

Veraiilw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .