Ausgabe 
(10.7.1897) 39
 
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scheidung: und durch das Säkular-Genie Bismarck ist ja,wo sie noch nicht am Ruder war, überall die bildungs-tüchtige Mittelmäßigkeit ans Ruder gekommen: so hates neulich erst Paul Garin, trotzdem ein Würdiger Bis-marcks, in seinenDulcamara" gesagt: und Goethe istznm Idol und zum Palladium der bildungstüchtigenMittelmäßigkeit geworden: so sagt es jetzt auch der moderndenkende Scrvaesi

(Schluß folgt.)

Die St. Michaels-Hofkirche in München .Eine Studie zur 3. Säcnlarfeier der Ein-weihung der Kirche vom 27.29. Juni 1697.

Von I. M. Förster.

(Schluß.)

Kurze Beschreibung der Jubilciums-Feierlich-keiten von 169??°)

Zur würdigen Begehung hatte man schon früher denAnfang gemacht durch Restaurirung der Kirche» ihrerKapellen und des Kollegiums: Erneuerung der Orgel,Vergrößerung einzelner Fenster, Neu-Anfertigung vonacht Altären,deren zween auß köstlichem Marmel, sechsmiß Stuckador, dem Marmor ähnlich seynd." An denWänden des Collegiums und Gymnasiums waren dreiEhrenbögen" errichtet, und zwar der erste, dem HerzogWilhelm und dessen durchlauchtigster Nachkommenschaftgewidmet, von der Gesellschaft Jesu , der zweite unddritte, mit gleicher Widmung, theils von neun Bruder-schaften, theils von der studirenden Jugend aufgestellt.

Für die Dauer des Jubiläums hatte Se. Heilig-keit Papst Jnnocenz XII. einen vollkommenen Ablaßverliehen.

Die Feier selbst wurde am Vorabende, Samstagden 6. Juli, durch einstündiges Geläute mit allen Glockeneingeleitet, worauf der Regensburger Wcihbischof undBischof von Laodicea i. p. i. Albrecht Ernst Graf vonWartenberg die Vesper hielt; nachdem er vorher dasAllerheiligste in einer Monstranz,so wegen puren Gold,häuffigen Kleynodien vnd Edlgestainen allein einen Schatzmachet", zur Anbetung ausgesetzt hatte.

Am Sonntag den ?. Juli wurden früh halb 5 Uhrmit dem ersten Glockenschlage von den beiden Thürmender (damaligen) Haupt- und Stifts- (jetzt Metropolitan-)Kirche U. L. Frau zwölf kleine Stücke gelöst, denen als-dann 24 schwere Stücke auf den Wällen beim Neuhauser-thor antworteten. Um halb 8 Uhr hielt obengenanuterBischof Wartenberg das Hochamt,bey welchem sich einunzählbares Volck sehen lassen, nit allein von der StattMünchen , sonder auch auß dem übrigen Bayrland,Saltzburg , Oesterreich, Tyrol vnnd Schwaben": währenddes Hochamts hielt Abt Balduin des CistercienserklostcrsFürstenfeld die (erste) Predigt, wie auch Nachmittags inpontiüoalibua die Vesper. Zur Anbetung des den ganzenTag über ausgesetzten Allerheiligsten hatten die ver-schiedenen Bruderschaften, die studireude Jugend undandere fromme Vereinigungen der Stadt die Stundenunter sich vertheilt und zogzu jeder Stund ein andereSchaar der Bettenden mit vorgetragenen heiligen Creutzvndt Wappen - Schildten in dem vorderen Kirchen Choraufs". Die für diesen Tag projectirte Procession mußtewegen Negenwettcrs auf den Dinstag verschoben werden.

°°) Vergl. darüber:Erstes Jubeljahr oder hundert-jähriger Wcltgang von dem hochlöblichen LolloZüo derGesellschaft Jesu im Jahre 1697". S. 265-281.

Die Litanei um 8 Uhr Abends dagegen wurde im Freie»abgehalten und das Allerheiligste auf dem Ehrenbogenvor dem Gymnasium ausgesetzt.

Am Montag riefen, wie an den folgenden Tages,die Glocken schon um halb 5 Uhr früh zur Fortsetzungdes Festes. Um halb 8 Uhr hielt Abt Balduin vonFürstenfeld das Hochamt, während desselben k. LeopoldGramiller Augustinerordens (in München ) die Predigt.Um 1 Uhr begann dieComödi: der hl. Erzengel Michael ,der Erzfeldherr, der gegen Gottlosigkeit, Götzendienstund Ketzerei kämpfenden Kirche", welche an 5 Stundendauerte.

Am Dinstag hielt das Hochamt Abt Eliland vonBenediktbcuren, die Predigt k. Amadeus Hamilton ausdem Theatinerorden: um halb 11 Uhr wurden im Hofedes größeren Gymnasiums 72 alte Männer ausgespeist,von denen nach dem Essen,bey dem ihnen einer außunfern katribuo auffgewartet", jeder 1 Gulden rh. aufdie Hand bekam. Um halb 3 Uhr hielt Abt Eli.'anddie Vesper, nach derselben fand feierliche Procession statt.Dieselbe war anfänglich nur für den Umkreis der Kircheund des Collegiums beschränkt gedacht, nahm aber wegendes überaus großen Antheils, den Klerus und Volk ander Jubelfeier nahmen, und namentlich auf besondere»Wunsch des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln JosefClemens (Bruders des Kurfürsten Max Emauuel) ihrenWeg durch die Hauptstraßen der Stadt, in welcherdieehrsame Burgerschafft in dem Gewöhr (Spalier) stunde,vnd, da man bey der Kirchen 8. Mcllaelis widerumbangelangt vnnd das Ambrosianische Lobgesang angestimmet,mit dreymahligem 8alvo ein annehmlich brummende Glück-wünschuug abgelegt. Auff den Musquetten-Gruß folgten12 klainere von bayden vnser lieben Frauen Thürmenvnd viervndzwaiutzig große Stuck ab den umbligeudenWällen bey der Neuhauser Pforten." Abends 8 Uhrwar auf dem Gymnasiumsplatz, wie alle Tage währendder Festoctave, gesungene Litanei.

Am Mittwoch hielt Abt Bernhard von Tegeruseedas Pontifikalamt, k. Paschalius Stozinger Franziskaner-ordens die Predigt. Um 11 Uhr wurden 72 arme Frauenausgespeist und je mit 1 st. beschenkt. Um halb 3 Uhrwar Vesper, nach derselben theophorische Procession derCongregationen der Herren und Bürger, der Junggesellenund der Lehrjuugen, wobei Abt Bernard das Aller-heiligste trug.

Das Pontifikalamt am Donnerstag celebrirte MtQuiriu von Andechs, die Festpredigt hielt k. Claudiusvom hl. Joses Carmeliterordens; am Freitag celebrirteAbt Cölestin von Kloster Scheyern , während k. NaphaelGiuding Kapuzinerordens predigte. An diesem Tage fanddieHauptcomödi" statt, welche fast 6 Stunden dauerte,weil an deren Ende die Preisevertheiluug an die studirendeJugend stattfand. Am Samstag celebrirte der PropstValerins von Polling das Hochamt und predigte k. JohannPleyer Paulanerordeus.

Am Sonntag den 14. Juli erfolgte der feierlicheSchluß der Festoctave, wobei die Beichtstühle schon vonhalb 5 Uhr an belagert waren. Das Pontifikalamt hieltder iufulirte Propst von U. L. Frau, Josef Max EmauuelNeichsfreiherr von Ow, die Predigt k. Ferdinand Schöu-wetter 8. 3.,der Kirchen 8. Mastaalis Orlliimri Pre-diger". Nach der von genanntem Propste gehaltenenVesper war öffentliche Procession, bei welcher die hoch-adelige Nitterbruderschaft St. Georg (welche erst vor. JS.in der Hof- und CollegiatsiiMirche St. CajetaL. ihr