276
400jähriges Jubiläum gehalten), die kurfürstl. Erzbruder-schaft der Abgestorbenen im Alten Hof (jetzt Allerseelen-bruderschaft, ebenfalls bei St. Cajetan) und die dreiStudentencongregationen das Allerheiligste geleiteten. Nachdem Einzüge in der Michaelskirche war 1?6 Donna, andessen Ende „die kleinern Stuck von den unser liebenFrauen Thürmen vnnd daraufs 24 von den Wällen ge-löset wurden". — Am Montag und Erchtag wurde die„Com'ödt" noch zweimal aufgeführt und wohnte derletzten Aufführung auch der Kurprinz an.
Während der Festoctave empfingen allein in derSt. Michaelskirche 24,000 Personen die hl. Communionund wurden über 1200 hl. Messen gelesen.
»
Die heurige dreihundertjährige Jubelfeier bewegtesich in bescheideneren Grenzen, umsomehr, als die Jesuiten ,welche damals die freundlichen Hausherren waren, infolgeder bekannten Verhältnisse nicht einmal als Gäste erscheinenkonnten. Das Jubiläum nahm die Tage vom 27. mit29. Juni in Anspruch.
» »
»
DieHeilthümer und der (frühere)Kirchenschatzder Michaelskirche.
Der Reichthum der Michaelskirche an Reliquien waraußerordentlich groß: ihre Zahl betrug über 500 Einzel-stücke von zusammen 266 Heiligen und heiligen Orten, zuderen Aufbewahrung 17 Tabernakel, 31 Schädelkisfen,24 Reliqmenkästchen, 34 Monstranzen und Osteusorien,sowie 12 Crucifixe dienten. Die hauptsächlichsten dieserReliquien sind: ein großer und einige kleine Kreuzpartikel:ein großer Dorn von der Krone Christi mit Blutstropfen,etwas von den Kleidern, dem Schleier und den Haarender hl. Maria; letztere, welche Bischof Benno von Osna-brück aus Jerusalem gebracht hatte, schenkte der spätereBesitzer. Albrecht Ernst Graf von Wartenberg, Dompropstzu Köln und Weihbischof von Regensburg . ,.J. 1678 anden damaligen Rector des Collegiums, Wilhelm Gumppen-berg; je 2 Partikel der beiden Apostelfürsten; ein Zahndes hl. Jgnatius und ein Stückchen Fleisch vom Leibe deshl. Franz Xaver, an den Büsten der Heiligen auf derenAltären; endlich fast die ganzen Leiber der hl. Mär-tyrer Cosmas und Damian. Die Leiber hatte ErzbischofÄdaldag von Bremen 965 von einer Romfahrt dorthinge-bracht, wo sie jahrhundertelang in gebührender Weiseverehrt wurden. Als aber die Reformation dort eindrang,wurden sie sammt dem kunstvollen Schranke, der sie um-schloß (und aus dem Jahre 1400 stammte) in einer Truhein einen finstern Winkel des Domes gesteckt, wo mauihrer ganz vergaß. Kurfürst Max I. aber erinnerte sichihrer, bewarb sich um sie, erhielt sie von deni Verwahrerder Reliquien in Norddeutschland, dem Bischof FranzWilhelm zu Osnabrück, Münster . Werden nud Regens-bnrg, und ließ sie, nachdem ihre Echtheit coustatirt wordenwar. nach München verbringen, wo sie im Frühjahre 1649ankamen. Hier erfolgte nun die Vereinigung der heiligenLeiber mit den Häuptern, welche Kaiser Heinrich II. beiseiner Krönung von Papst Benedikt VIII . zum Geschenkeerhalten und seinerseits wieder der Domkirche zu Bam-bcrg geschenkt hatte. Als nun der dortige Bischof JohannGottfried von seinen protestantischen Unterthanen starkbedrängt wurde, brachte ihm Herzog Wilhelm V. Schutzund Hilfe, und zum Tanke hiefür verehrte ihm der Bischofdie Häupter der Heiligen Cosmas und Damian, welchenun 1649 mit den Leibern wieder vereint wurden. Am26. September 1649 wurden die sorgfältig geordneten Re-liquien in ihrem kunstvollen Schreine aus der Residenz-(jcht alten) Kapelle in die Kirche des (jetzt dcmolirten,au, dein jetzigen Maximiliansplatze befindlich gewesene'.:)KapuzinertEsters verbracht, wo die ehrm. Vater die Nachtüber Ehrenwache hielten. Am Eediichtnisstage der Heiligenfeinst erfolgte dann in feierlicher Weife die Ucbertragungch'.cr Reliquien in die Michaelskirche, wo sie auf den hl.Kren a!wr ni'-dexgcse.ck wurden und ausgesetzt blieben bisWW.JMe 1V19 . m welchem Jahre derselbe, welcher sich
unten an den Chorstufen befunden hatte, entfernt wurde,was die Transserirnng der Reliquien auf den Peter-Paul-Altar — der oft irrthümlich auch Cosmas-Damian-Altar genannt wird — zur Folge hatte.
Was den eigentlichen Kirchenschatz betrifft, dertheils bei Aufhebung der Jesuiten, hauptsächlich aber zuAnfang dieses Jahrhunderts — in die Münze wanderte,so kann man sich daraus einen Begriff machen, daß zurZeit der Säcularisation derselbe auf nicht weniger als37 Pfund reines Gold und 62 Centner Silber geschätztwurde, der Edelsteine und anderer Kostbarkeiten ungerechnet. Galt doch die Monstranze. welche die KurfürstwMaria Anna im Jahre 1665 in die Kirche stiftete, wegen«puren Goldes, häufiger Kleinodien und Edelgesteine alleinfür einen Schatz" und wurde damals auf 16,000 fl. (min-destens 150,000 Mark) bewerthet. Ein Verzeichniß derKirchengerätbe aus dem Anfange des 17. Jahrhundertszählt an Silber 26 Kelche mit Patenen, 30 Kännchen,7 Platten und Schüsseln. 5 Hostienbüchsen, 44 Leuchter,2 Crucifixe, 5 Rauchfässer rc. rc. auf. — Dazu kamen danndie Geschenke im 17. und 18. Jahrhundert, die kostbaren,von den Landesherren, ihren Gemahlinnen und Ver-wandten. Adeligen und reichen Bürgern gestifteten kunst-reichen und werthvollen Ornate, so daß die Diöcesan-beschreibung von 1738 «von dem ungeheuren Schatze derKirche an Gold nnd Silber und dem großen Werthe derin reichlichem Maße (adunäanter) vorhandenen werth-vollen Statuen. Paramente" u. A. spricht.
Die ehemalige Stiftskirche zum heiligen Geistund die LibliotLsea Platina in Heidelberg.
Von Frz. Jac. Schmitt. Architekt in München.
Die heute noch bestehende Kirche zum heiligen Geistin Heidelberg ist mit der ursprünglichen Bestimmung er-richtet, die Universitäts-Bibliothek aufzunehmen, und dürftedadurch wohl das älteste der Aufstellung einer öffent-lichen Bibliothek gewidmete Bauwerk in Deutschland bilden. Wohl reichen die Kloster-Bibliotheken sehr weitin unserer Zeitrechnung zurück, doch waren diese ebenkeine öffentlichen» und dadurch fiel auch für die Mönchedie Nothwendigkeit weg, eigens dafür bestimmte Bautenherzustellen.
Im Jahre 1239 geschieht die erste urkundliche Er-wähnung der Kirche zum heiligen Geist in Heidelberg beim nahen Cisterzienser-Kloster zu Sauet Maria ii>Schönau; damals war sie noch eine Tochterkirche derHeidelberger St. Peters-Pfarrkirche. Höchst wahrscheinlich ifies, daß die Heidelberger erste Heiliggeist-Kirche in Verbind-ung mit einem Hospitale stand, wie dies für Mainz seit1145, Bingen seit 1167, Pfnlleiidorf in Baden seit 1220,Oppenheim am Rhein seit 1280, Villingcn im Schwarz-walde seit 1280, Frankfurt am Main, Pforzheim inBaden, Freiburg im Breisgau, Waldshnt am Rhein ,sowie München nnd Landshut an der Jsar urkundlichfeststeht.
Zu Ende des 12. Jahrhunderts stiftete Guido vonMontpellier einen klösterlichen Convent für Männer undFrauen unter der Regel des heiligen Alignstiims, zurPflege der Kranken nnd zur Ehre des heiligen Geistes.Papst Jnnocenz III. bestätigte nicht nur 1198 dieseStiftung, sondern ließ auch in Rom die Kirche undGebäude bei Santa Maria in Sassia zu einem solchenHospitale einrichten und berief dahin den Stifter unddessen Bruder von Montpellier . Diese Art Hospitälerverbreitete sich bald in Deutschland, das zu Rom bliebaber das Mutterhaus. In diesen Hospitälern war nichtallein für die leibliche, sondern auch für die Seelenpflegegesorgt, indem mit diesen Anstalten Kapellen und selbstKirchen, deren Altäre von einer entsprechenden Zahl vonGeistlichen versorgt wurden, verbunden waren. Sehr wohl