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rixg-riensös, die an der Teufelsinnuer und an derDonau fest angesiedelten, ackerbauenden Soldaten, denenes nicht nur oblag, den limoo zu vertheidigen, sondernauch die Grenzländer zu bebauen. Die Leute erhieltenAckergnt angewiesen, das sich von: Vater aus den Sohnvererbte, wenn der letztere wieder Soldat wurde, dasaber niemals verkauft werden oder in Privathände über-gehen durfte, also bei Nichterfüllung dieser Bedingungenoder bei Kinderlosigkeit des Nutznießers wieder dem Staateanheimfiel. Diese Besitzungen waren demnach förmlicheLehen . Man hat die limitanoi mit unseren Bahn-wärtern verglichen. Aber noch zutreffender wäre derVergleich dieser Institution mit der ehemaligen, dem un-garischen Ausgleich zum Opfer gefallenen Einrichtung derösterreichischen Militärgrenze gewesen, insofcrne wenigstens,als der Dienst in Betracht kommt.
Hinter dem starken Schilde des Heeres gediehen inNätien die Segnungen des Friedens zu hoher Blüthe,denn nicht ununterbrochen „hing unser Herrgott denKriegsmantel herunter". Das ganze Land wurde ro.manisirt, und dies geschah zu einem nicht geringen Theiledurch die directe Einwirkung seiner Besatzung. Dieselbeäußert sich in zweifacher Weise: erstens durch die Leist-ungen des Heeres für das öffentliche Leben, und zweitensdurch die Nachwirkungen, welche die eigenartigen Hceres-einrichtungen besonders auf die Bevölkerungsverhältnisseausübten.
Nicht bloß Schwert und Lanze trug nämlich derrömische Soldat unter seinen Feldzeichen hinaus in dieLande des Imperiums, er brachte auch Axt, Meißel undKelle mit sich, und ihm folgte der Pflug und das Saum-thier des Händlers. Seine Arme wurden nicht bloß fürrein militärischen Dienst in Anspruch genommen, sondernrecht vielfach auch für friedliche Zwecke. Lag letztererAnordnung zwar allerdings und selbstverständlich vorAllem die Förderung militärischer Interessen zu Grunde,so brachte es doch der Gang der Dinge mit sich, daßder Soldat in Ausführung der ihm zugewiesenen Werkeznm Träger cnltureller Mission wurde; im Dienste desgroßen Staates war er der Pionier höherer Gesittung,just so wie die Truppen der europäischen Mächte in denColonien als Träger ihrer heimathlichen Cultur zu geltenberechtigt sind.
In erster Reihe nahm in der Garnison der Dienstden Mann in Anspruch. Allein diese Beschäftigungkonnte bei der langen Dienstzeit der Soldaten (20 Jahrein der Legion und 25 Jahre in den Anxiliartrnppen)wegen ihrer Eintönigkeit und Einförmigkeit nur erschlaffendund abspannend auf den Geist der Mannschaften einwirken,die Neigung zu Excessen fördern und die Disciplin schädigen.Zn dieser Beziehung darf ich wohl an die schlimmenSeiten erinnern, welche unserem früheren Einsteherwesenneben seinen gewiß auch vorhanden gewesenen guten an-klebten, und ich darf den Umstand streifen, daß vormehreren Jahren bei der Erörterung der Frage der drei-oder zweijährigen Dienstzeit der dritte unter der Fahnestehende Jahrgang allgemein als jener bezeichnet wurde,bei welchem die meisten Verfehlungen gegen die Disciplinzur Ahndung kamen.
In kluger Anwendung des Sprichwortes „variatioLolaotat" wurde der römische Soldat daher auch zuanderen, nicht streng militärischen Arbeiten herangezogen.
Hieher gehören vor Allem die militärischen Bauten,die Befestigungen an den Grenzen, worunter für unszunächst der rätische liwss, die Tenfclsmaner, mit seinen
Castellen in Betracht kommt; den gewaltigen Greuzwalkhaben die Soldaten des hixoroitua Ikaatiouo über Thalund Höhen geführt. Selbstverständlich erforderte die Ein-richtung und Instandhaltung der Waffenplätze im Landeeine fortdauernde Thätigkeit der Besatzung. Die Festungs-werke, die militärischen Gebäude, die Kasernen wurdenvon den Soldaten selbst unter Leitung von militärischenIngenieuren hergestellt und das Material von ihnen selbstbeschafft. Neberall wo Ziegel zu den Bauten verwendetwurden, findet man daher noch die Stempel der Truppen-teile, welche sie verfertigten.
Nicht minder wichtig als die Befestigungen warendie Straßen, die Zügel am Zauiuzeuge der römischenHerrschaft, denen in jenen Zeiten die gleiche strategischeBedeutung innewohnte, wie in der Gegenwart denEisenbahnen. Wiewohl wir für Nätien des urkundlichenNachweises über den Antheil seiner Besatzung an denStraßenbauten entbehren, so ist derselbe doch schon ausdem Grunde vollständig gesichert, weil für den Entwurfdes hochentwickelten rätischen Straßennetzes einzig strateg-ische Grundsätze maßgebend waren, während bei den mo-dernen Straßen und Eisenbahnen nur zu häufig Kirchthurm-interessen den Ausschlag gaben.
Das römische Straßennetz blieb auch für das ganzeMittelalter von höchster Bedeutung. Denn da unserebiederen Vorfahren, die Alainannen und Bajuwaren »sowie in den Nheinlanden die Franken, der Kunst desStraßenbaues unkundig oder in ihrer Bärenhäutigkeitunlustig waren, so bewegte sich der ganze Verkehr jenerJahrhunderte auf den alten Nömerstraßen fort oder nebendenselben her, wenn der ursprüngliche Straßenkörper durchden starken Gebrauch und die Unterlassung von Aus-besserungen zur unpassirbaren Ruine geworden war.Zeuge dessen sind die mittelalterlichen Salzstraßen, dieentweder mit den römischen Heerwegen zusammenfallenoder ihrem Zuge folgen. Auch die ersten Ansiedelungender germanischen Einwanderer schließen sich den römischenStraßen an, und nicht minder die Etappen der Glaubens-boten, welche die Lehre des Heils verkündeten; denn wirfinden unsere ältesten Niederlassungen, insbesondere dieOrtschaften auf —iug und im Schwabenlaude auf —ingen,sowie die heidnischen Friedhöfe mit den Neihengräber-bestattungen, ferner die christlichen Gotteshäuser mit denin die älteste Zeit zurückreichenden Patronen, endlich dieals Missionsstationen gekennzeichneten Ortsnamen auf—zcll und —miinster (in Münchens unmittelbarer Nähez. B. die Einöde Zell bei Schöngeising sd. i. acl ^rndrajund das Dorf Zcll bei Schästtarn), sämmtlich in sehrgroßer Anzahl entlang den Römerstraßen oder unweitderselben.
Auch die Bewegungen der mittelalterlichen Heeres-züge vollzogen sich auf den von den Nömern gebahntenPfaden. Die Heere des fränkischen Maiordomus Pipin und des Bayernherzogs Odilo begegneten sich im Jahre743 an der Nömerstraße von Augsburg nach Salzburg in einer heute noch durch Schanzenrcste erkennbarenStellung auf den Uferhöhen der Paar zwischen Mering und Friedberg; als Karl der Große im Jahre 787 vondrei Seiten her den Herzog Thasstlo angriff, nahte daseine Heer unter König Pipin im Süden auf der Via,Olanciia von Trient gegen Bozen ; die Hnnptarmee unterKarl selbst rückte auf den vom Rheins nach Augsburg führenden Straßen heran, und der anstrasische Heerbannnebst dein Aufgebot der Thüringer und Sachsen marschirteauf der großen Limes-straße der Pcntinger-Tafel an die