Ausgabe 
(11.8.1897) 46
 
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der iviedcrerwacheilde» Natur betrachten möchte, einiger-maßen der Baden in's Schwanken gebracht, indem zwischendem Frühlingsanfang und dem Osterfeste kein äußererZusammenhang mehr besteht.

(Schluß folgt.)

Generalversammlung der Leo-Gesellschaft.

Der Empfangsabend in Klagenfurt am 26. Juliverlief glänzend. Se. Excellenz Graf Hoyos begrüßtemärmstens die Erschienenen. Prälat Schindler antworteteund constatirte, daß das erwähnte Bangen des Local-comitös und Präsidiums gehoben, der Erfolg des Tagesgesichert sei. Namens der Wiener sprach, begeistert auf-genommen, der Abgeordnete Weißkirchner, und besondersschwungvoll auch Professor Dr. Haun, Mitglied des Ge-fchichtsvereines, hervorhebend, daß Alle, welche die Wahr-heit suchen, die nur eine ist und sein kann (LebhafterBeifall) zusammengehören. Professor Dr. Neumann ausWien erwiderte mit herzlichen Wünschen auf das Ge-deihen aller wissenschaftlichen Vereine Klagenfurts. Kaiser-licher Rath Dr. Truxa toastirte auf die Damen. ProfessorDr. Keck begrüßte die Generalversammlung Namens derfloveuischen Leo-Gesellschaft, welche bereits 200 Mitgliederzählt. Alle Völker mögen vereint katholische Wissenschaftbetreiben. Eine Regimentscapelle concertirte.

Nach einer Pontificalmesse, die vom hochw- HerrnFürstbischof Dr. Kahn am 27. Juli gelesen wurde, hieltVormittags die.Philosophisch -theologische Sec-tion im Sitzungssaale des Landhauses eine Sitzung.Professor Dr. Cigoi hielt einen Vertrag über denApostel Paulus und wies nach, daß die Apostelgeschichtein genauer Uebereinstimmung stehe mit den zeitgenössischenProfanschriftstcllern. Professor Dr. Müller empfahl,bei dem katcchetischen Unterricht in den Mittelschulenderlei Uebereinstimmungen und innere Gründe für dieAuthenticität der Kirche heranzuziehen, als für die Jugendbesonders anziehend. Professor Swoboda zeigte Gyps-abgüsic von den ältesten Darstellungen der Apostelfürsten,abgenommen von einer vatikanischen Bronzeplatte ausdem zweiten Jahrhundert und einem Reliquiar aus Pola(früher Aguileja), welche Porträttrcue ausweisen, währenddie Darstellungen aus der Rcnaissancczeit nicht au-thentisch sind.

Den zweiten Vortrag hielt Professor Heg gen 8. ,1.überDas aristotelisch-thomistischc Moralprincip unddessen neueste Gegner". Nicht das eigene Wohl oder dasWohl des Nächsten sei das letzte Ziel der Sittlichkeit,sondern Gott . Mit dieser Anerkennung erst lösen sichdie Probleine der Moral. Der bloßen ethischen Cultur-anschauung gelingt dies nicht, der kategorische ImperativKant's ist nicht die zureichende Grundlage der Moral.Redner kennzeichnete die unabhängige Moral der neuerenPhilosophie bis zu Hartmann, welcher , in widerlicherWeise gegen diePfaffenmoral" hetzt. Auf diesem Wegewerde die Hebung und Erhaltung der Sittlichkeit nichtgelingen. Die katholische Wissenschaft müsse den wahr-haften Fortschritt auch in der Ethik anstreben und hierTriumphe feiern, wie solche gefeiert wurden in der Bibel-forschung, in der Bekämpfung des Materialismus, in Ver-theidigung der Gottheit Christi, in der Geschichtsforschungund Socialpolitik.

Der eingeschaltete, sehr anregende Vortrag des Pro-fessors Dr. Nößler:Ueber die Aufgaben der Theologiein der Gegenwart" nöthigte die Rechts- und Social-Section, nur den angekündigten Vortrag des ProfessorsDr. Joseph Bieder lackUeber die Strafrechtstheorie"zuzulassen, welcher sich über die Besscrungs- und Ab-schreckungszwcckc der gerichtlichen Strafe und über denCharakter derselben ein Mittel für Verwirklichung desStaatswohles verbreitete. Prälat Schindler ver-wies auf die Wichtigkeit, Ordnung zu bringen in dasChaos der strafrechtlichen Theorie: nur auf dem Wege,welchen der Vortragende angegeben, sei dies möglich.

Baron Mandorff's vorbereitete AbhandlungUeberdie Sonntagsruhe und deren gesetzliche Regelung" wirdim Jahrbuche der Leo-Gesellschaft, gleichwie die obigenVortrüge, veröffentlicht werden.

Nächmittags sprach in der Section für Literaturund Kunst der k. k. Cvnservator Dechant Grösser von

Guttaring über die dortigen Kunstdeukmäler als Spiegel-bild der kuustgeschichtlichen Entwicklung im Kleinen.Redner gab ein anschauliches Bild derselben in seinemForschungsgebiete von der Römerzeit und Ehriftianisirnugs-epoche an durch die verschiedenen Epochen des Mittel-alters bis in die neuere und neueste Zeit. Die liebevollenDetailschilderungen des kunstfreundlichen Seelsorgers weck-ten lebhaftes Interesse.

Der Vortrag des Dr. Richard v. KralikUeberEntstehung und Tendenz des sophokleischen Ocdipns aufKolonos" mußte wegen vorgerückter Zeit entfallen. Aufallgemeines Verlangen sprach jedoch Dr. v. Kralik kurzüber die Grundgedanken des beabsichtigten Vortrages, dieeigenthümlich conservative Parteitendenz des altgriechischenTheaters in jener Zeit einer oligarchischen Verschwörungund die darauffolgenden politischen Processe. Redner-schloß die leider sehr abgekürzten Ausführungen mit demHinweise auf die Bestrebungen der Leo-Gesellschaft fürdie Verchristlichnng des Theaters.

Professor Dr. Alois Hart! aus Ried in Oberöster-reich empfahl die Förderung der Herausgabe der kirchcn-musikalischen Werke Joh. Ev. Habert's; Dr. Klinisch(Klagenfurt ) bat um mittelbare Unterstützung der Bücher-bruderschaft in Klagenfurt durch die Leo-Gesellschaft unddie anwesenden Schriftsteller. Diese Anregung wurdebeifälligst angenommen, und der Vorsitzende sagt diegegenseitige Einvernahme in dieser Sache bereitwillig zu.

Der ersten der vorgenannten Sectioncn präsidirtcPrälat Schindler, der zweiten . Abg. Dr. Weis-kirchner, der dritten Professor Dr. Gitlbauer.Letzterer ermunterte besonders zur Mitarbeit an derLiteratur- und Kunstsection unter Hinweis auf derenbisherige Thätigkeit, insbesondere die Aufführung derAuto in Wien und ncucstens die Bücherei, welche dieLeo-Gesellschaft veranstaltet.

Die Theilnchmerlisten wiesen 70 bis 80 Besucher aus.Der Ausflug aus dem Wörthersee in der zu der Rund-fahrt gemietheten kleinen DampfbarcasseLoretto" warvom Wetter sehr begünstigt.

Nach der Pontisical-Neguiemmesse sprach am 28. Juliin der Sitzung der Section für Geschichtswisse n-schaften der Archivar Dr. Albert Starzer über dieOrganisation der innerösterreichischcn Ländcrvcrwaltnugnach der Theilung vom Jahre 1564 und die seitherigenWandlungen bald im Sinne des Centralismus , bald derständischen Autonomie.

Professor Dr. Hann regte au, die Leo-Gesellschaftsolle die Alterthumsforschung in Kärnten fördern: er-bittet Se. Excellenz den Vorsitzenden Frhrn. v. Hclfcrtals Präsident der Ceutralcommission für Erhaltung derKunst- und historischen Denkmale, unter Anderem auchdahin Einfluß zu nehmen, es möge bei Bestallung derphilologischen Lehrstellen der hiesigen Mittelschulen aufPersönlichkeiten Bedacht genommen werden, welche inFerialcursen auf Staatskosten etwa für Schulung einesguten Nachwuchses für historische Forschung wirkenkönnten. Frhr. v. Helfert dankte für die sehr frucht-bare Anregung, er werde im Sinne derselben Einflußzu nehmen versuchen, in seiner doppelten Eigenschaftals Präsident der Central - Commission und der Leo-Gesellschaft.

Dr. Alfred Schnerich lenkte in einem anziehendenVortrage die Aufmerksamkeit der morgigen Ausflüglernach Gurk auf die dortigen Werke der Renaissance.

Es folgte die geschlossene Generalversammlung. Inder geschlossenen Generalversammlung erstattetePrälat Schindler den Geschäftsbericht und verwiesauf die Veröffentlichung desselben und der Rechnungenim Jahrbuch. Es sind bei 1700 Mitglieder, wovon 509in Wien , während die übrigen sich auf die Kronländervertheilen: 12 sind in Rom, einzelne auch im weiterenAuslande, sogar in Amerika -und Japan . Der Bericht-erstatter hob die Wichtigkeit der Diöcesancomitös und desLiteraturblattes hervor.

Professor Gitlbauer empfiehlt nochmals die neuesteUnternehmung der Gesellschaft, die Büchereien. DieHerausgabe von Lehrbüchern (Erziehungskunde, philo-sophische Propädeutik und andere) ist gleichfalls in An-griff genommen. An der Discussion betheiligten sichMsgr. Nagl, Professor Dr. Hammer, RealschnlkatechetHnber. Professor Neu m ann. Professor Swoboda,