Ausgabe 
(14.8.1897) 47
 
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deutschen Bischöfen, Fürsten und Gelehrten, ja vor deinganzen Volke bereitet werde; Stattlcr hätte es bei seinem ge-lehrten Rufe schon verdient, daß er nach der ConstitntionBenc-vikts XIV.Lolliaita. ao provicku" gehört worden wäre.Darum bitte er nun die Kongregation, und die gleicheBitte stellte der Fürstbischof an Papst Pins VI. in einemSchreiben vorn 8. Oktober 1780. Der Sekretär Mainacht,welcher, als Fürstbischof Raymnnd in Nom Theologiestndirte, dessen Repetitor und mit ihm befreundet war,schrieb einen Privatbricf, worin er den Bischof bei ihreralten Freundschaft ermähnte, sich von jeder Theilnahmean dieser Sache zurückzuziehen, da er die Vernrtheilungdieses Buches nicht hindern könne. Der Bischof schriebihm zurück, in seiner Bischofsstadt fei ein Dominikaner-kloster, dem er bisher viel Gutes erwiesen habe; er werdesich von unn an gegen dasselbe so verhalten, wie Mainachtin dieser Sache gegen seinen alten Freund. Auf dieseSchreiben hin ruhte die Sache bis zum Tode des Fürst-bischofes.')

Im Jahre 1781 war Stattler Rektor der Universität,und im September desselben Jahres wurden die Welt-priester und Exjesuiteu des Lehramtes enthoben, da diesäknlarisirten Jcsuitengüter zur Errichtung einer bayer-ischen Zunge des Malteser-Ritterordens verwendet wurden.Die entlassenen Professoren erhielten entweder eine Pensionvon 240 fl. oder kirchliche Benefizien, und ihre Lehr-stühle kamen an die bayerische Beuediktiner-Congregation.Stattlcr bekam die Stadtpfarrei Kemnath in der Ober-pfalz. Aus Anlaß des Mendelssohn'schen Jerusalems ,worin für volle Glaubens- und Religionsfreiheit einge-treten wird, veröffentlichte Stattler seinWahres Jeru-salem oder über religiöse Macht und Toleranz in jedemund besonders im katholischen Christenthnme". In dieserSchrift, welche 1787 mit bischöflicher Approbation zuAugsburg erschien, ist interessant, wie sich Stattler überdie Ketzerei äußert. Ein Ketzer ist nach ihm der, welcherbei wirklich guter Kenntniß der göttlichen Autorität derKirche doch einen Irrthum Wider den katholischen Glaubenmit Hartnäckigkeit behauptet; wer aber von der göttlichenAutorität der Kirche keine gewisse Kenntniß hat, kannkein Ketzer sein. Auch eine wie immer grobe Unwissen-heit entweder über die Autorität der Kirche oder über ihrewirkliche Lehre entschuldigt von der Ketzerei. Wer inUnwissenheit über die göttliche Autorität der Kirche undin rein materiellen Irrthümern von Jugend an auferzogenworden ist, mit der Zeit aber durch höheres Licht wieimmer erleuchtet die göttliche Autorität der Kirche undseine Irrthümer als solche zu erkennen anfängt, jedochaus menschlicher Furcht den katholischen Glauben öffentlichanzunehmen sich nicht getraut, ja wider die Ueberzeugungseines Herzens sich äußerlich noch ferner zur irrigen Re-ligion bekennt, ist doch deßwegen im eigentlichen Ver-stände kein Ketzer, weil keine Hartnäckigkeit in Behauptungdes Irrthums bei solchem Gemüthszustande angenommenwerden kann. Die heutigen Protestanten bleiben also,auch nachdem sie erwachsen sind, immer im Besitze desin der hl. Taufe erhaltenen Rechtes zu aller geistlichenGemeinschaft an allen geistlichen Gütern der katholischenKirche , welche zu bcnützen sie bei Fortdauer ihres Jrr-

') Die Erzäblung Schlichtegroll's (Nekrolog auf dasJahr 1797, S. 180) und Anderer, daß Stattler, nachdemer das Urtheil der Judcrcongregatiou erfahren, mit Extra-post nach Nom geeilt sei und dem Sekretär Mamachieinen Besuch gemacht habe, in Folge dessen die Publi-cation des Dekretes unterblieben fei, ist durchaus unwahr.

thums doch noch fähig sind, und nur von der Gemein-schaft jener geistlichen Güter der Kirche sind sie ausge-schlossen, welche sie entweder aus irrigen Vornrtheilenselbst nur für unächte Güter halten, oder welche sie,wenn mau sie ihnen überließe, nur zur Verletzung derRechte der katholischen Kirche mißbrauchen würden. Wenndaher ein katholischer Landesfürst Wissenschaft hat, daß.in seinen katholischen Staaten viele verborgene, ihrerReligion hartnäckig anhangende und nur äußerlich sichverstellende Protestanten vorhanden sind, welche übrigensdein Staate als nützliche Bürger wirklich dienen, sohandelt er klug und recht, wenn er diesen eine öffentlicheUebung der protestantischen Religion mit der Bedingnißgestattet, daß sie sich aller Pro'selytenmacherei und allerVerführung katholischer Mitbürger enthalten. UndStattler verweist hier auf das Beispiel des KaisersJoseph II.

(Schluß folgt.)

Lippert ein Auti-Jmissen. *)

X. 6.Um das Werk der evangelischen Kirchen-reformation zu verunglimpfen, hat der katholische Ge-schichtsschrciber Janssen in seiner Geschichte des deutschenVolkes kein Land durch Verleumdung so sehr zu Bodengetreten, als die einst 100 Jahre lang bis auf den letztenPlann evangelisch gewesene Oberpfalz ." Mit diesenWorten beginnt das neueste Werk gegen Janssen l Lippertwill beweisen, daß die Oberpfalz 100 Jahre lang bisauf den letzten Mann evangelisch gewesen sei, und außer-dem beabsichtiget erdie Schmähungen Janssens gegenunsere evangelischen Vorfahren und Fürsten in ihreGrenzen zurückzuweisen" oder wie er sich einige Zeilenspäter ausdrückt:Janssens Geschichtslügen zu wider-legen."

Untersuchen wir nun in aller Kürze die erste Thesis:Ist die Oberpfalz einst 100 Jahre laug bis auf den letztenMann evangelisch gewesen?

Lippert beschäftiget sich vor allem mit der Noth-wendigkeit der Reformation. Daß eine Verbesserung derSitten, daß eine Abschaffung vieler tief eingewurzelterMißbrauche, daß insbesondere der geistliche Stand einerdurchgreifenden Umgestaltung bedürftig war, haben nichterst Luther und Hütten ausgesprochen, sondern schon aufden Synoden von Konstanz und Basel war die Paroleeiner Reform an Haupt und Gliedern ausgegeben worden.Aber wer hat denn diese Reform der Sitten am meistenbehindert? Im Jahre 1489 ist ein Büchlein erschienenmit dem Titel: lös misoria, eurntoruna seu plsburorum,Von der Nothlagc der Pfarrer, welches späterhin alsxuroalirm ctuockeuario ponäsrs pressus herausgegebenworden ist. In diesemNothschrei" werden neun böseGeister aufgeführt, welche den Pfarrer drücken; da werdengenannt die Kircheupflcger, die Patronatsherren und auchdie Gemeinden. Ja gerade die Patronatsherreu, dieadeligen Raubritter, erniedrigten den geistlichen Standam meisten; der Priester mußte alsMeßpfaff" ihnenin alleweg zu Diensten stehen. Daß auf den Burgender Ritter, in den Schlössern der verarmten Landadcligenund an den Höfen der Fürsten nicht immer die strengstenSitten herrschten, daß Liederlichkeit, Ehebruch und Trunken-

ch Die Reformation in Kirche, Sitte undSchule der Ober-pfalz (Kur-pfalz) 15201620.Ein Auti-Jausseu aus den königlichen Archiven erholtvon Friedrich Lippert, kgl. Pfarrer- in Amberg. Rothen-burg o/Tbr. Peter'sche Buchdruckerei. 1897. 234 Seiten.