Ausgabe 
(14.8.1897) 47
 
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Osterfestkreis direkt anschließen läßt, indemman bestimmt, daß der Sonntag nach Lichtmeß jedesmal die Dominion LoxtunAeoinirrs seinsolle. Durch diese Bestimmung würden nicht nurmanche Unebenheiten beseitigt, sondern auch eine Mengepositiver Vortheile erzielt. Namentlich wäre dadurch dieFrage einer Beschränkung der Beweglichkeit desOsterfestes in der allereinfachsten, natürlichsten,zweckmäßigsten und idealsten Weise gelöst. Durchdiese Bestimmung wäre erreicht, daß LoptnaZosimasimmer in die Zeit vom 3. bis 9. Februar incl. undsomit Ostern, welches stets am 10. Sonntagnach Lichtmeß zu feiern wäre, in die Zeit vom7. bis 13. April incl. fallen würde. Nur in einemSchaltjahr wäre auch der Fall denkbar, daß Ostern schonauf den 6. April treffe. Der eigentliche Hauptzweck,Ostern auf die erste Hälfte des April zu verlegen undin seiner Beweglichkeit angemessen einzuschränken, ist durchdiesen Vorschlag vollends erreicht, und zwar hält dieMobilitätszeit vom 7. bis 13. April die Mitte zwischenden beiden obengenannten Vorschlägen.

Jnsoferne aber auch die Ausgestaltung des Kirchen-jahres und die Anwendung der christlichen Zeitrechnungin Betracht kommen, ist die Gcbnrtszeit Christigewiß ein viel vorzüglicherer, würdigerer Ausgangs-punkt für die Zeitbestimmung unserer kirchlichen Feste,als der jüdisch-astronomische Frühlingsanfang oder derin einem zweifelhaften Rufe stehende 1. April. Dienaturalistische Auffassung des Osterfestes wird ganzentschieden zurückgedrängt durch das christliche Prin-cip der neuen Festrechnung. Auf die einzelnen bc-merkenswerthen Vortheile, die eine Lösung der Oster-frage gemäß unserem Vorschlage zur Folge haben würde,

wollen wir nicht weiter eingehen, sondern dieselben demforschenden Blicke und der Beurtheilung der geehrtenLeser überlassen.

Nur auf eines sei noch kurz hingewiesen. Wennmanche Kreise die Befürchtung hegen, daß eine solcheNeuerung unmöglich sei, weil sie eine große Umwälzungherbeiführen würde, so ist diese Befürchtung ganz undgar unbegründet. Denn was das bürgerliche Lebenbetrifft, so wird diese Neuerung allgemein als eine vor-theilhafte Reform gewünscht und begrüßt. In kirch-licher Beziehung bleibt so ziemlich alles beim alten.Es braucht deßhalb nicht ein einziges liturgisches Bücknothwendig abgeändert zu werden. Immerhin mag esja wünschenswerth sein, daß bei Neuauflagen kleine Ver-änderungen vorgenommen und namentlich im Brevieredie überflüssig gewordenen Feste aus den betreffendenTheilen weggelassen werden.

Bezüglich der Einführung einer solchen Neuerunggeht unsere Ansicht dahin, daß, insofern« die Ost er fei erin erster Linie eine kirchliche Angelegenheit und inzweiter Linie wohl auch für das bürgerliche Lebenvon Bedeutung ist, zunächst die kompetente kirchlicheBehörde zur Berathung der Sache berufen ist, ummit den maßgebenden staatlichen Behörden eineVerständigung herbeizuführen. Eine Verständigungist nothwendig, insoferne auch andere christliche Neli-gionsgesellschaften in Betracht kommen.

Zur besseren Orientirnng lassen wir noch eineTabelle oder übersichtliche Darstellung der beweglichenFeste folgen, wie sie die anf Grundlage des Geb u r t s-festes Christi reformirte christliche Festrechnnng be-dingen würde.

ladellg. kssstorum rnodillum rsesutior rsLorm^g..

3. Fcbr.

16. Mai,

26. Mai

6. Juni.

7. April.

27. Nov.

1. Juni.

Walther von der Vogelweide .

(Fortsetzung.)

fl. Lastn. Trotz der bitteren Erfahrung, daß dieWelt den reichen Thoren dem armen Klugen vorzieht,strebt er weiter und höher; Walther wendet sich demfeineren Frauendienste zu mit dem schönen Liede Minne-gesangs Frühling und wächst sichtlich mit feiner Auf-gabe. Voller und reicher ist dieses und die folgendenDichtungen gegen vorher. Aber trotz des Glückes, dasihm die Minne bringt, fehlt es nicht an trüben Stunden;Lügner und Verleumder treten zwischen ihn und seineHerrin. Er faßt sich rcsignirt, und er will sich auf-machen und es anderwärts versuchen. Zuvor aber rechneter in dem Gedichtlest cvil nn teilen, e lest var"mit denen ab, welche ihm seinen Frühling verdorbenhaben:

Nun will ich theilen, eh' ich zieh'.

Mein fahrend Gut und festes Land,daß niemand streite, außer die,so ich als Erben hab' erkannt.

Mein Unglück will ich jenen lassen,die gerne neiden, gerne hassen,dazu mein angebor'nes Leid;den Kummer soll der Lügner erben;der Liebe ungestümes Werbensei treulos Liebenden geweiht;

Euch Frauen aber will ich schenkender Liebe schmerzliches Gedenken.

Bis hierher reicht der erste Abschnitt in dem Sänger-leben Walthers von der Vogclweidc. Es sind vielver-sprechende Anfänge, die die Jugendlust und -Kraft desDichters ahnen lassen. Wenn man das Vorbild ausdenselben noch herausahnt, so löst er sich doch sichtlichvom Zauber des Meisters und bricht mit jugendlichemMuthe sich Bahn. Aus dem Jüngling wird der Alaun,.