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schwinden des Deutschen aus Jstrien, Kram und Trient nicht zn erklären. Auch kann man sich freuen, in demWerkchen hervorgehoben zu sehen, welch großen Antheilan diesem Culturwerke unsere bayerischen Klöster hatten,die das mit den Waffen gewonnene Land erst derCultur erschlossen, wenn gleich, wie der Verfasser mitRecht hervorhebt, die Slaven durchaus nicht auf einerniederen Cultur standen. Insbesondere wird man aufFreising stolz sein, das seine Besitzungen in Oberkrain biszur Säkularisation inne hatte und deutsches Wesen dortverbreitete, welches jetzt dort wieder ini Schwinden ist.So darf das Werkchen als interessante Studie bezeichnetwerden, umso mehr in diesem Zeitpunkte, wo die bayerisch-deutsche Ostmark erhebliche sprachliche Verluste erleidet.Möge sie als Weckruf dienen für die schlummerndenKräfte des Volksstammes! Dr. Gaill.
Jahrbücher der christlichen Kirche unter demKaiser Theodosius dem Großen. Versucheiner Erneuerung der ^.uvalss Lee1ssia>8tiei desBaronius für die Jahre 378—395 von GerhardRauschen, Doctor der Theologie und Philosophie,Ober- und Rcligionslehrer am kgl. Gymnasium zuBonn. gr. 8°. (XVllI u. 610 S.) Freibnrg, Herder,1897. Preis 12 Mark.
r. Ein großes Unternehmen ist es, das sich der Ver-fasser gestellt hat — nichts Geringeres strcbi er an, alseine kritische Neubearbeitung der kirchlichen Annalen desBaronius für die Jahre 373—395. In diese Jahrefällt die Regierung jenes Mannes, dem es beschieden war,das weltbewegende Ringen um Leben oder Tod, wie esdas Christenthum mit täglich wachsendem Erfolge mitdem Heidenthum aufgenommen hatte, zu Gunsten desChristengottes dauernd zu beendigen, zugleich aber auchdie junge Kirche durch Niederwerfung der die erhabenstenGeheimnisse des Christenthums und damit dieses selbstgefährdenden Lehren der Arianer und Pneumato-mchchen innerlich zu stärken und zu kräftigen; dieseJahre umspannen zugleich die klassische Zeit der großenKirchenväter, in welcher das kirchliche Leben so lebendigpulsirte und in einer Fülle von Synoden. Gesetzen undSchriftwerken seinen Ausdruck fand. Im Unterschiedvon Baronius und Tillemont ordnet Rauschendas Quellenmaterial wie die Forschungsergebnisse fürjedes einzelne Jahr nach folgenden Gesichtspunkten: Kaiser,höhere römische Beamte, Religionsgesetze, Cultnrgesetze,Concilien, Kirchenväter, hervorragende Bischöfe undMönche, Häretiker und Heiden. Hieran reihen sich nichtweniger als 26 Excurse über wichtige Fragen der christ-lichen Literatur-, Kirchen- und Prosangeschichte, endlichals Anhang zwei Untersuchungen über die schriftstellerischeThätigkeit des Ambr osius vor und nach der Regierungs-zeit des Theodosius I. und des Johannes Chry-sostomus vor seinem öffentlichen Auftreten als Predigerzu Antiochia . Das Buch ist mit voller Beherrschungdes Quellenmaterials wie der einschlägigen Literatur,mit emsiger Sorgfalt und peinlicher Genauigkeit gearbeitet,bietet eine Fülle neuer Ergebnisse und Berichtigungen fürdie Kirchen- wie Reichsgeschichte und verdient vollauf dasreichliche Lob, das ihm von berufenster Seite zu Theilwurde. Wir können dem Verfasser unsere ganz besondereAnerkennung nicht versagen, daß er trotz der vielen Ar-beit, die das so Verantwortungsreiche Amt des Religions-lehrers an einer Mittelschule auferlegt, noch Zeit,Lust und Kraft erübrigt hat, sich einer so mühevollenwissenschaftlichen Aufgabe zu unterziehen und sie so be-friedigend zu lösen, und würden es freudigst begrüßen,wenn nicht bloß er selbst seine Forschungen fortsetzen,sondern mit seiner Thatkraft auch andere zu ähnlichemEifer anregen und ermuntern könnte!
Jos. Raph. Kröll, Jmmortellenkränze undEpheuranken. Grabreden». Allerseelenpredigten.Mit bischöflicher Genehmigung. Paderborn , Esser.I, 1895. II, 1896. 319 und 183 Seiten, zusammen4 M. 80 Pfg.
O Stadtpfarrer Kröll in Lanchheim, Diöcese Rotten-burg, gibt uns hier aus der reichen Fülle einer bald40jährigen Seelsorge eine Sammlung von 91 Grab-reden („Jmmortellenkränze" I. Bd.) und von 24Aller-
scelenpredigten („Epheuranken" II. Band). Die 91Grabreden sind in 4 Klassen eingetheilt. Es sindTrauer-Ansprachen über eine große religiöse Wahrheitoder über die Stände (Priester, Bauer, Handwerker,Arzt rc.) oder über die Zeit des Kirchenjahrs oder überden betreffenden Namenspatron. Hier kann jeder Homiletlernen, wie mau am Grabe mit Nutzen predigen kannund soll: der große Grundgedanke wirkt durch sichselbst, die speciellen Umstände des einzelnen Falles unddie lobenswertheu Charakter-Eigenschaften des Verstorbenenwerden kurz und sehr geschickt an passender Stelle ein-geflochten. Texte, Themata, Eintheilungen, klarer Ausbauund übersichtliche Durchführung — alles verdient An-erkennung, vor allem auch hier wieder die schöne, edle,volksthümliche Form, die liebliche Kraft und salbungs-volle Milde, welche über allen Predigten liegt. AmGrabe eines Selbstmörders, eines im Streite Getödteten,eines Verstockten zu reden, ist immer eine schwere Auf-gabe. Wie man sie lösen soll, kann man von Kröll lernen.— Die 24 Allerseelen-Predigten sind ebenso zuloben, nach Inhalt und Form. „Todtenklagen, Todten-trost, Todtenleben", so betitelt der Verfasser selbst derendrei Klassen. Beispiele aus Kirchengeschichte und Legendesind wiederum reichlich am passenden Orte eingestreutnebst ergreifenden Erzählungen aus dem Leben. Dasgibt den Predigten Krölls überhaupt einen eigenen Reizund besonderen Werth. Wie beliebt sind nicht Erzähl-ungen bei den Zuhörern in Stadt und Land! Das haftetoft tief und lange. — Zum Schluß möge der Wunsch aus-gesprochen sein: Um schnell sich zu orientiren über das.was in einem mehrbändigen Predigtwerk sich findet, istfür den Seelsorgepriester ein alphabetisches Register un-entbehrlich. Wie oft drängt die Zeit! Für eine Predigtoder zu' einer Leichenrede sollte man Tex,t und Themahaben. Wie froh ist man da, wenn man em Heftlein von16 Druckseiten hat, in welchen: man durch einen einzigenBlick überschauen kann, welche und wie viele gute Vor-bilder und welche erprobte Muster mau für den vor-liegenden Fall in der um gutes Geld gekauften Predigt-sammlung besitzt, und wo die oft in mehreren Bändenzerstreuten Themata über einen und denselben Gegenstandstehen. Oder man will schnell ein Beispiel, das man beiKröll schon gelesen hat, wieder nachschlagen: wie schnellorientiren da Stichworte wie „Arche, Rosenkranz, Maria.Lichtmeß , Ostern" rc., während man sonst vielleicht ver-gebens alle einzelnen Bände durchblättert. Ein kurzesalphabetisches Register und eine Uebersicht aller Thematawürde den Kanzelreden Krölls noch mehr Beliebtheit undleichte Verwendbarkeit verschaffen, als sie bisher schonbesitzen.
Haßl Guido, Kaplan: „Machen die Kirchenwände denChristen?" Ein Büchlein fürs Volk zur Lehrund Wehr. Dorn'schcr Verlag. Ravensbnrg. VIII,105 Seiten.
In ansprechender Dialogform behandelt obiges Schrift-chen mit seinem vielleicht nicht gerade glücklich gewähltenTitel eine Frage, die umschrieben lautet: „Genügt dierein innere, die sogen. „Herzensreligion", oder muß sichdie Religion auch sichtbar kundgeben in Wort und That,muß zur Religion auch eine Consession treten?" In seinenüberaus logischen Ausführungen legt der Verfasser dieUnhaltbarkeit und Verderblichkeit des Jndifferentismus,der modernen religösen Anschauungen dar. Auf höchstpopuläre Weise wird die Frage: „Was ist,Religion'?"beantwortet. Das trostlose Brld, das uns von der „reininnern, konfessionslosen Religion" entworfen wird, mußvöllig als aus dem praktischen Leben entnommenerkannt werden. Der sattsam bekannte Ausspruch:„Religion ist Privatsache", wird auf Grund gut gewählterCitate aus demokratischen und socialdemokratischenSchriften als das gekennzeichnet, was er ist. Im letztenKapitel wird der katholischen Männerwelt mit eindring-lichen Worten das ans Herz gelegt, was in religiöser undpolitischer Hinsicht ihre Pflicht ist. Möge das vortreff-liche Büchlein, das sich nach Inhalt und Ausstattung(Preis 35 Pfg.) den Werken des bekannten Volksschrift-stellers Dekans Wetzel würdig anreiht, die verdiente Be-achtung und entsprechende Verbreitung finden! v. Fugger.