Ausgabe 
(25.8.1897) 49
 
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verhcirathct, und der Fürst gewährte selten eine Ver-besserung; Noth und Arbeit (auch aus dem Felde) mögenwohl in den meisten Pfarrhäusern zu finden gewesen sein."^Wozn also dieses Echauffcment gegen Wittmann undLausten?

Mit Pharisäcrmine (wohl Pharisäermiene zu lesen)weist Jausten (Bd. IV, xag. 41), da er doch die Ver-breitung des Concnbinats unter dem katholischen Kleruskennen mußte, auf die Klagen der VIsitatoren überUn-zucht" hin.

Dieser Vorwurf Lippcrts (S. 83) ist ganz unzu-treffend, da Jausten einfach in ruhigem Tone erzählt,was die Visitatoren berichten, ohne sich in ein apologet-isches Verfahren einzulassen.

Eigenartig ist Lippcrts Logik angesichts der Klagenaus dem Munde der calvinischen Visitatoren unterFriedrich III. (1559 1576):Ihr Bericht verdientkeine Beachtung und wir müssen es uns verbitten, daßWittmann-Jansten es zum Maßstab des ganzen kirch-lichen Zustandes nehmen wollen" (S. 120). Auch dieSchilderungen der Zustände in den Gemeinden (1583 bis1620) gefallen Lippert nicht; darum sind ihm die Klagender Calvinistennatürlich übertrieben" (S. 201 A.4)?)Einen Beweis für diese Annahme bringt Lippert jedochnicht bei; die Schattenseiten der lutherischen Zuständewerden von ihm entschuldiget (S. 137). Die fort-währenden Aenderungen zwischen lutherischen und calvin-ischcn Katechismen haben das Volk ganz verwirrt gemacht,so daß ganz unpassende Antworten herauskamen.Dasist doch zu erwägen, ehe man das Maul aufreißt, wieJausten, über die Ignoranz jener Zeit. Es war keineZeit der Ignoranz, sondern der großartigsten Schul-fuchserei, die je ein Stamm durchgemacht hat, wie jeneevangelische ganze Zeit über lauter theologischer Dispu-tation gar nicht die papistische politische Macht heran-rücken sah" (S. 199).

Ueber die Wendung:Jausten als Maulaufreißer"sparen wir bester die Tinte.

Ueber Janssens Unwissenheit,der die Zustände derOberpfalz nur aus den Verleumdungen Wittmanns kenne"(Lippert S. 204 A. 3), macht sich der feinfühlende Anti-Jansscn lustig, wenn er schreibt (S. 197 A. 1):Holl-weck, Jansscn-Wittmann (pag. 108) hätten bester überdie eigene Ignoranz gespottet, wenn sie von einemMonatsverhör mit 158 Wissenden bei 4000 Einwohnern(Ambergs ) sprechen." Bei Jansten konnte ich keine Be-zugnahme auf diesen Bericht finden, den Hollweck (Ge-schichte des Volksschulwesens in der Oberpfalz , Negcns-burg 1895 S. 49) in das Jahr 1600 verlegt, währender nach Lippert dem Jahre 1602 angehört.

Mit welcher Leichtfertigkeit Lippert arbeitet, erhelltunzweideutig aus der Bemerkung zu der SchulordnungOtthcinrichs aus dem Jahre 1556:Hollweck (Geschichtedes Oberpf. Schulwesens 1895) weiß nichts von dieserHochbcdcutsamen Schulordnung Otthcinrichs nnd ihrerDurchführung in der Obcrpfalz." (S. 224 A. 1.)

°) S.209 sagt dagegen Lippert:Man darf nur nichtwie Wittmann-Janssen einzelne von calvinischen Kirchcn-rätlien verfaßte Berichte, in welchen sie die Nnmoralitätabsichtlich gerade so übertrieben hinstellten, als oben mitUnrecht die Unwissenheit des Volkes, um eben ihr cal-vinischcs Licht leuchten zu lassen, als Maßstab für dasganze Land gelten lassen. Es ist nicht nachweisbar, daßdie Oberpfalz in besondere Widerlichkeit in dieser calvin-jschcn Periode (15831620) hinabgesunken sei; wer warmehr für Kirchcnzucht als Calvin?"

Nun aber verbreitet sich Hollweck, Lehrer in Regens-bnrg, S. 44 seines Buches ziemlich ausführlich über dieSchulordnung des Jahres 1556, und S. 177182 inder zweiten Beilage findet sich ein Auszug aus dem Visi-tationsprotokolle des Jahres 1557, soweit es die Schulenbetrifft. Dieses alles hat Lippert übersehen! Ein solchesVerfahren richtet sich selbst.

Aus den bisherigen Darlegungen dürfte sich ergebenhaben, daß Lippert der Nachweis nicht gelungen ist, dieOberpfalz für die Periode von 15201620 als Zu-gehör der evangelischen Confession beanspruchen zu können,noch auch JanssensGeschichtslügen" widerlegt zu haben.Zu einem Anti-Jansten fehlen dem Pfarrer von Amberg, der auf streng lutherischem Standpunkte steht, die Ruheund Sachlichkeit des Kritikers und des Forschers.

Schönfeld. Ad. Hirschmann.

Walther vo» der Vogelweide.

(Fortsetzung.)

ü. Lastn. Uebrigms haben wir ganz klare und un-umstößliche Zeugnisse über Walthcrs Gläubigkeit, nämlichseine religiösen Gedichte. Unter diesen nimmt der be-rühmteLeich" die erste Stelle ein. Es ist dieses einüberaus kunstvoll, symmetrisch, in schwierigen Strophengebautes, durchcvmponirtes Stück. Es ist eine Dar-stellung wichtiger, obschon nicht aller wichtigen Glaubens-thatsachen nnd Glaubenslehren, geordnet in der Weiseeines Gebets, zum großen Theile beinahe, als wenn dieGedankenfolge des Vaterunsers dabei vorgeschwebt hätte.Das Gedicht beginnt mit dem Bekenntniß der Trinität,deren Personen wie im Symbolum des hl. Athanasiuserörtert werden. Nun bittet er Gott um seine starkeHilfe im Kampfe gegen den Teufel und die Sünde,durch welche wir von Gott entfernt wurden. Dann gehter über zum Preise der jungfräulichen Gottesmutter, derKönigin des Himmels, und bittet sie, daß sie für unsbitte und uns Trost vom Himmel sende. Nur die Reuekann das sündenwunde Herz heilen; Gott möge sie unssenden durch seinen heiligen Geist, der die wahre Reuegibt. Wir bedürfen des rechten Glaubens, aber auch derrechten Werke, zu beiden möge uns Gott verhelfen.Darauf wird Maria, die Rose ohne Dorn, die auf Erdennnd im Himmel von allen Zungen Gepriesene, um ihreVermittlung bei Gott angerufen. Wenn ihr Gebet vordem Ursprung der Barmherzigkeit erklingt, dann dürfenwir hoffen, daß die Schuld erleichtert werde mit welcherwir uns belastet haben. Das Bad unserer Reinigungwird die Rene sein, welche außer Gott und Marianiemand zu spenden vermag. Es ist übrigens ganzunmöglich, von der reinen Poesie, von der lauterenFrömmigkeit dieses Stückes durch einen Auszug dierichtige Vorstellung zu geben. In einem anderen Ge-dichte preist Walther die Macht Gottes, von der er dentiefsten Eindruck empfangen. Dann wieder bekennt erseine Sündhaftigkeit, lehrt, wie gefahrvoll der Weg znmHimmel ist. Wie die rechte Liebe sich bethätigt, zeigtder Dichter in dem schönen Spruch:Wer ohne Furcht,o Herr und Gott, will sprechen deine zehn Gebot' nndbricht sie doch, dem fehlt die rechte Minne. Es ruftdichVater" früh und spät gar mancher; der als Brudermich verschmäht, der spricht die schönen Worte dann mitschwachem Sinne. Wir alle sind aus gleichem Talg ge-gossen; es nährt uns Speise, die, sobald wir sie ge-nossen, verliert, den sie zuvor besaß, den Werth. Wer