keit. Sie entrollen ein lebhaftes Bild aller Vorkomm-lüsse, zeugen von stauuenswerther Thätigkeit des Cardinalsfür die katholische Kirche und das deutsche Vaterland,und bekunden seinen Einfluß auf Papst, Kaiser undFürsten . Die Ansichten und Urtheile der Correspondenten,namentlich Otto's, über religiöse und politische Zeitfragenveroffenbaren ebenso warme Vaterlandsliebe, als sie einenSchatz politischer Weisheit enthalten, wie sie auch durchdie Erfahrung meistens als die richtigen sich bewährten"(S. 124). Wimincr aber bemerkt: „Dieser (Otto) schrieb,und zwar ausnahmslos „rund wie es ihm nius Herzist", meist gleichsam mit Leib und Seele, den unmittel-baren Eindrücken des Augenblicks hingegeben, und fast injeder Zeile seiner Briefe spiegelt sich wieder sein heißes,leicht erregbares, cholerisches Temperament" (S. 19).
Im vorigen Jahrhundert hat unter andern einegroße Anzahl von Briefen (etwa 100) veröffentlicht derberühmte Latinist Lagomarfini 8. öl. in den von ihmherausgegebenen Briefen des Ginlio Poggiano. Die-selben sind an die verschiedensten Persönlichkeiten gerichtetund von höchstem Werthe. (Vgl. Histor. Jahrbuch B. 7S. 187.) Poggiano, gleichfalls ein ausgezeichneterLatinist, stand längere Zeit in den Diensten des Car-dinals Otto. Er war wegen der vielen Briefe, die erfür den Cardinal zu schreiben hatte, sehr ungehalten(Histor. Jahrb. B. 7 S. 187), und das war wohl einHauptgrund, warum er nicht länger bei Otto aushielt.
Die Briefe au den Cardinal Hos ins, Bischof vonErmcland, aus den Jahren 1560—1561 gab neuestensgesondert und mit Anmerkungen heraus Pros. Weberin Negensbnrg/') und zwar aus einem bisher noch nichtbenutzten Codex im bischöflichen Archiv zu Augsburg .
Auch von Trüffel hat eine Anzahl von BriesenOtto's oder an Otto veröffentlicht, besonders im 1. und2. Bande der „Briefe und Akten znr Geschichte des 16.Jahrhunderts". Ich habe im ganzen 11 gezählt, sie sindtheils ausziiglich, theils wörtlich wiedergegeben. DieAdressaten sind Kaiser Karl V. , Kurfürst Moriz vonSachsen, Kurfürst Friedrich von der Pfalz , Eck undandere. Der Inhalt der Briefe bezieht sich großentheilsauf die religiöse Bewegung und den schmalkaldischenKrieg.
Auch andere haben gelegentlich Briefe Otto's be-kannt gegeben, wie Dnhr in dem angeführten Artikelzeigt. Es ist indeß kein Zweifel, daß noch eine ganzeReihe von Briefen Otto's im Staub der Archive ruht.Erst wenn die Corrcspondcnz vollständig veröffentlicht ist,wird es möglich sein, eine nach allen Seiten hin er-schöpfende Biographie zu schreiben. Jw der That sollensich zwei Forscher, Giefel-Stnttgart und Schwarz-Berlin,Mit der Herausgabe der Corrcspondenz befassen.
Nach diesen etwas trockenen, aber immerhin nichtuninteressanten Vorbemerkungen gehe ich zur Darstellungdes Lebens und Wirkens unseres Cardinals über. Na-türlich beschränke ich mich auf das Wichtigste. „Zu-maßen", um mit der Pappenhcim'scheu Chronik zu reden,„wenn man alles mit seinen Umständen beschreiben wollte,hiezu ein eigenes Buch erfordert würde" (I, 104).
. Otto entstammte dem oberschwäbischen, früher reichs-unmittclbarcn, in der Nähe von Navensbnrg ansässigenGeschlechte der Wald bürg, dessen Ursprung ins 12.Jahrhundert hinaufführt. Er wurde geboren auf demSchlosse Scheer bei Sigmaringen den 26. Febr. 1514
*) Icktsras » Pruebsssso ack Ao8ium cmnis 1560 st i1561 äatas . , . eälckit . , . X, IVaber. Ilatisbonas 1892. >
als der Sühn Wilhelms des Acltcren und seiner GemahlinSibylla, einer geborenen Gräfin von Sonnenberg.
Otto, welcher schon in der frühesten Jugend Neigungzum geistlichen Stand verrieth, wurde von seinen Elternzum Studium bestimmt. Wir treffen ihn im Alter von10 Jahren an der Akademie zu Tübingen . Es währtenicht lange, da bekam er, noch unmündig, durch den Ein-fluß seines Vaters, die Einkünfte der Pfarrkirche zuTachcnhansen bei Nürtingen in Württemberg (Histor.Jahrb. B. 7 S. 179) und ein Kanonikat in Speher.Damals herrschte eben die Sitte oder Unsitte, daß dienachgeborcncn Söhne von Adeligen durch Zuweisung vonPfründen und beziehungsweise deren Einkünften versorgtwurden. Otto begab sich nun auf die Hohe Schule zuDole in Burgund , wo er sich hauptsächlich mit der Er-lernung des Französischen beschäftigte. Von Frankreich ging er nach Italien und studirte an den Universitätenzu Padua, Pavia und Bologna. In Pavia wurde erzum Rcctor gewählt. Die oberitalicnischen Universitätennahmen bekanntlich bei ihrer demokratischen Organisationden Rector aus der Zahl der Schüler. Das Nectoratbrachte ihm zwar viel Ehre, nahm aber seine finanziellenMittel sehr in Anspruch. Die Zimmer'schc Chronik sagt,er sei dabei „etliche tausend Gulden ohne geworden"(Histor. Jahrb. B. 7 S. 179). In Bologna hörte erdie Vorlesungen des gelehrten Hugo Boncampagni, welcherspäter unter dem Namen Gregor XIII. Papst wurde.Zn seinen Mitschülern Zählte er angesehene Männer,unter anderen Alexander Farnesius , Christoph Madruccius,Stanislans Hosins, welche später mit dem römischen Purpurgeschmückt wurden. In Bologna wurde er mit dem höchstenakademischen Grade, dem Doktorate, ausgezeichnet.
Da Otto entschlossen war, sich dem geistlichen Standezu widmen, so verzichtete er schon im Jahre 1552 zuGunsten seiner Brüder auf alle väterlichen lind Familicn-gütcr. Zehn Jahre daraus bestimmte ihm sein Vaterein jährliches Leibgeding von 600 Gulden, dessen er sichaber zu Lebzeiten des Vaters begab.
Einem Manne von der Abstammung und BefähigungOtto's konnte es an Beförderung nicht fehlen.
Karl V. , welcher die Treue und Anhänglichkeit derWaldburg an den Kaiser, das Reich und das HausOesterreich Wohl würdigte, ernannte Otto 1541 zu seinemRath und Vertrauten und ertheilte ihm die mit dieserWürde verbundenen Rechte und Privilegien. Im gleichenJahre oder im Jahre darauf wurde Otto in das Dom-capitel zu Augsburg ausgenommen, nachdem er vorherauch Dekan der Domkirche in Trient geworden war.
Um diese Zeit reiste Otto nach Nom, wo er durchseine Geistesgabcn und sein gesetztes Auftreten das Ver-trauen des Papstes Paul III. gewann, der ihn zu seinemKämmerer ernannte und in einer wichtigen Angelegenheitals Jnternuntins an den König von Polen, Sigmnnd,schickte. Auf dem Rückwege kam ihm ein päpstlicherKämmerer entgegen, welcher ihm den Auftrag des Papstesvermittelte, als Abgesandter zu dem von dem römischenKönige Ferdinand auf das Jahr 1543 ausgeschriebenenReichstag nach Nürnberg sich zu begeben und die An-kündigung des in Trient abzuhaltenden Concils dorthinzu überbringen.
Während des Reichstags zu Nürnberg , den 14.April 1543, starb der Bischof von Augsburg , ChristophStadion. Otto mußte nun als Domherr von Augs-burg znr Wahl eines neuen Bischofs abreisen. DieWahl fand in Dillingcn statt, wo das Domcapitel um