jene Zeit, aus Augsburg vom dortigen Rathe vertrieben,sich aufhielt. Auf Empfehlung Ferdinands und andererhoher Persönlichkeiten wie der bayerischen Herzöge Wilhelmund Ludwig, des in Nürnberg anwesenden CardinalsGranvella wurde Otto, obwohl im Domcapitel sich einigesehr würdige Männer befanden, zum Bischof gewählt.Dies geschah am 10. Mai 1543, und bereits am 1. Juniwurde die Wahl von Paul III. bestätigt. Der Papstdispensirte den neuen Bischof wegen mangelnden Alters(er war noch nicht 30 Jahre alt) und ertheilte ihm zu-gleich die Erlaubniß, die bisher innegehabten Benefizienzu behalten. Dieselben sind bereits genannt worden.Dazu kamen später noch andere. So wurde Otto 1553Propst des Stiftes Ellwaugen und 1558 Propst zuFreising . Als Otto zum Bischof gewählt wurde, warer noch nicht Priester, sondern bloß Diakon. Er ließsich nun alsbald zum Priester und dann znm Bischofweihen, was ihm in Anbetracht der damaligen Gewohn-heiten als Beweis seiner streng kirchlichen Gesinnungausgelegt wurde. Die Consecration fand in Dillingen unter großer Feierlichkeit statt.
Otto, der schon bisher verschiedene Würden besaß,wie wir gesehen, wurde als Bischof von Papst undKaiser noch weiter ausgezeichnet. Vom Papste wurde erauf Benennung des römischen Königs im Jahre 1544zum Cardinal ernannt. Wenn die „Allgemeine deutscheBiographie" (B. 24 S. 635) bemerkt, daß man zudieser Erhebung einstweilen die direkte Veranlassung nichteinzusehen vermöge, so scheint dies doch nicht richtig zusein, denn Otto hatte eben kurz vorher eine zwischen dempäpstlichen Stuhle und dem kaiserlichen Hofe entstandeneZwistigkeit glücklich beigelegt (Chronik I, 105; Braun III,368). Ein anderer Papst, Pins IV., übertrug ihmspäter den Vorsitz bei der geistlichen Jnquisirion und er-nannte ihn durch eine Bulle vom 5. Juli 1560 znmlöFatns a lators in der Angsburgischen Kirche und inden Besitzungen der Trnchsesse von Waldbnrg, womitunter andcrm das Recht verbunden war, gewisse päpst-liche Nescrvatrechte auszuüben. — Nicht weniger wardOtto vom Kaiser und seinem Bruder geehrt. Karl V. ernannte ihn zu seinem Rath, und der römische KönigFerdinand machte ihn znm Protektor der deutschenNation in Rom. Ein anderer Kaiser, Maximilian II. ,betraute ihn 1563 bei seiner Rückreise aus Italien mitdem ehrenvollen Auftrage, seine zwei Söhne, die Erz-herzoge Rudolf nnd Ernst, auf ihrer Reise nach Spanien zu begleiten nnd dem König Philipp II. vorzustellen.
(Fortsetzung folgt.)
(Schleiß.)
3. Lastn. Dies war der letzte leidenschaftliche AuSbrnchdes Dichtcrfeners. Mit dem Alter war der Kampfesmuthgewichen, die Leidenschaften waren milder geworden. Eineeinzige große nnd erhabene Idee erfüllte ihn in den letztenLebensjahren, und rastlos ist er bemüht, das Scinigczur Ausführung beizutragen: zur Befreiung des heiligenLandes aus den Händen der Ungläubigen. Er dichteteeines seiner schönsten Lieder als Aufforderung zur Kreuz-fahrt, die er selbst nicht mehr wagen durfte. Das Un-heil war jedoch nicht aufzuhalten. Der Kaiser schifftesich wirklich am 8. September 1227 mit dein LandgrafenLudwig von Thüringen in Brindisi ein, kehrte aber, nachdem Tode des letzteren, angeblich selbst schwer krank, nach
drei Tagen wieder zurück. Papst Gregor IX. , der in-zwischen auf Honorius gefolgt war, erklärte die Krank-heit als Verstellung nnd verhängte am 29. Scpt. 1227den Bann über Friedrich. Den siegreichen Feldzng, dender gebannte Kaiser im folgenden Jahre nun mit Ernstunternahm, hat Walther nicht mehr erlebt. AndereSorgen forderten den Sänger für sich: der junge KönigHeinrich begann in seiner hochmüthigen Weise die Re-gicrungsgeschäfte zu leiten, da richtet Walther einenscharfen Spruch wider ihn, nennt ihn ein selbstgcwachscnesKind, das krumm geworden sei, da man es nicht habegerade biegen können. Zn groß sei er leider schon fürdie Ruthe, zn klein für das Schwert. Er möge ruhigbleiben nnd schlafen. Endlich prophezeit er ihm einübles Ende. So sehen wir Walther bis in seine letztenTage für das Interesse des deutschen Reiches thätig.
In seinen letzten Jahren dichtete Walther manchenkunstvollen Spruch voll Weltkenntniß nnd Lebensweisheit;manche können auch dazu dienen, der PersönlichkeitWalthcrs etwas näher zu kommen. Ein Mahngcdichthebt an: Niemand könne mit Ruthen allein den KindernZucht beibringe»; auf ein feines Gemüth wirke schon einWort des Tadels wie ein Schlag. — Der Weise gäbeeher sein Leben, Hab nnd Gut verloren, als daß er aufGottes Huld und Ehre verzichtete. — Wer sich mäßighält, dem fällt alles Gute zn. Es schickt sich nicht füreinen ehrbaren Mann, daß ihm die Zunge vom Weinehinke. Viele Sprüche Walthcrs zielen auf die Ver-theidigung seines eigenen Ichs ab, was sich leicht be-greift; denn die Zeitgenossen waren keineswegs bereit-willig, den Dichter in ihm anzuerkennen nnd auszu-zeichnen; er mußte sich seine Stellung erst machen, mußtesich als Künstler legitimsten und beweisen, daß er nichtwegwerfend beurtheilt werden dürfe, daß er nicht einfahrender Mann sei wie die Gaukler, Ncifspringcr undPossenreißer. Sodann erklärt sich mancher seiner Sprüche,wie oben schon angeführt, aus seiner Reizbarkeit, wo-durch ihm schnell ein scharfes und verletzendes Wort aufdie Lippen trat, das dann nicht wieder zurückgenommenwerden konnte. Im übrigen war Walther Sanguinikernnd in seinen späteren Jahren das, was wir „nervös"nennen. Von diesen Voraussetzungen erweisen sich etlicheSprüche Walthcrs wcrthvoll. Frauen mag man schönnennen, für Männer ist das abgeschmackt nnd unpassend.Kühn, offen mit Herz und Hand, fest soll er sein, diesedrei Dinge schicken sich Wohl zusammen. Das giltjedoch »nr für den innern Menschen, den manprüfen muß, denn es wäre unwürdig, auf dasAenßere hin zn urtheilen. Mancher Mohr magein weißes Herz haben. Des Mannes Sinn muß festsein wie ein Stein, schlicht nnd gleichmäßig wie ein ge-glätteter Stab aus einem Stück. Wer sich hochmüthigüber estum treuen Freund erhebt und ihn gering schätzt,den Fremden hingegen ehrt und vorzieht, der wird eserfahren, daß auch er von einem Höheren verletzt wird,daß die Bnsenfreundschaft sich löst, sobald Gut nnd Ehreauf dem Spiele stehen. Alle sind über das Sprichworteinig, daß ein sicherer Freund nnd ein tüchtiges Schwerterst die Noth kennen lehre. Ein großes Wunder habeich gesehen; lebte es im Meere, dann hielte man es fürein fabelhaftes Thier; meine Freude ist darüber er-schrocken, mein Schmerz erwacht: das ist ein schlechterMann. Er beißt, ohne zuvor geknurrt zu haben. Seinebeiden Zungen blasen aus einem Rachen kalt und warm.Ein giftiger Stachel liegt in seinem Lachen versteckt, und