Ausgabe 
(3.9.1897) 51
 
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keinen Beifall. So war er kein Freund des auf demReichstag zu Augsburg 1548 erlassenen Interims, d. i.der Vorordnung, wie es bis zur Entscheidung des all-gemeinen Concils in den streitigen Religionsangelegen-heiten gehalten werden sollte. Otto widerstrebte es vonHaus aus, daß der Kaiser in kirchlich-religiösen DingenBestimmungen traf. Da er indeß die kaiserliche For-derung nicht gut ablehnen konnte und das Interim immer-hin gewisse Vortheile bot, so ließ er es, wenn auch inmodifizirter Fassung, in seiner Diöcese verkünden. Sosollte der Kelch nur gestattet werden nach Abgabe einerErklärung vor einem katholischen Priester, daß Christusauch unter einer Gestalt ganz gegenwärtig sei und darumdas Sakrament auch unter einer Gestalt giltig empfangenwerden könne. (Vgl. Allg. deutsche Biographie B. 24S. 636.)

Schwere Leiden kamen über Otto und das HochstiftAugsburg 1552 durch die Truppen des Kurfürsten Morizvon Sachsen, der aus einem Freunde ein Feind desKaisers wurde und gegen Süddentschland marschirte.Otto begab sich von Dillingen , wo er sich eben aufhielt,nach Innsbruck zum Kaiser und dann nach Salzburg .Von hier eilte er nach Rom ,wo er seinen Unterhaltals Cardinal zu haben hoffte," wie er selbst in einemvon Druffel (II, 513) mitgetheilten Briefe an den Kur-fürsten Friedrich von der Pfalz bemerkt. Diese Hoffnunghat ihn in der That nicht getäuscht. Er fand großeUnterstützung namentlich an dem Cardinal Pole . Dieser,so schreibt Otto später an seinen Vater von Dillingen aus, habe ihm durch seinen Hofmeister und Kaplan einenSack mit 1000 Goldkronen auf den Tisch geschüttelt undversichert, er wolle ihm dieselbe Summe jährlich geben,so lange er (Otto) von Land und Leuten vertrieben sei(Hist. Jahrb. B. 7 S. 194). Nach Abschluß des PassanerVertrages, der noch im August desselben Jahres erfolgte,konnte übrigens Otto wieder in sein Stift zurückkehren.

Eine sehr prononcirte Stellung nahm Otto 1555auf dem Reichstage zu Augsburg ein. Auf diesemsollten gemäß der im Passaner Vertrag getroffenenVereinbarung endlich einmal die religiösen Angelegen-heiten beglichen werden. Als man in den vorbereitendenVersammlungen schließlich sich dahin geeinigt hatte, daß,wenn auch in der Religion selbst keine Vergleichung zustände kommen sollte, zwischen den getrennten Confessionen nämlich der katholischen und der Augsburger Kon-fession, die Calvinisten wurden bekanntlich in den Angs -burger Religionsfrieden nicht eingeschlossen wenigstenseine rechtlich-politische Einheit fortbestehen sollte, da erhobsich als entschiedener Gegner dieses Beschlusses der Cardinal-bischof Otto von Augsburg. Er erklärte keinem Ab-kommen zustimmen zu können, welches die Spaltung derNation in zwei getrennte confessionelle Lager zu verewigendrohte. Er wollte immer noch die Hoffnung nicht aus-geben, daß durch ein allgemeines Concil die religiöseEinheit noch hergestellt werden könnte (Janssen, Geschichtedes deutschen Volkes B. 3 S. 724). Am 23. Dezemberreichte Otto bei den Ständen einen förmlichen Protestein. Er wartete indeß den Ausgang der Angelegenheitnicht ab, sondern reiste, da während der gepflogenenDebatten Papst Julius III. gestorben war, nach Rom zur Papstwayl.

Es ist begreiflich, daß das Verhalten Otto's gegen-über der Vermittlungspolitik des Kaisers und seinesBruders Ferdinand, sowie der ihnen beistimmendenFürsten , wie diese Politik im Interim und im Religions-

fricden zum Ausdruck kam, auf Seite der Gegner übelaufgenommen wurde. Diese üble Stimmung verdichtetesich in allerlei Gerüchten, wie z. B. daß Otto zwischenPapst und Kaiser ein Bündnis; unterhandle, durch welchesder Rcligionsfriede umgestoßen und ein neuer Krieg widerdie protestantischen Stände angezettelt werden sollte. DieseGerüchte fanden um so leichter Verbreitung, als Otto vonDeutschland abwesend war. Er hatte sich, wie wir ebenvernommen, nach Rom begeben. Bei seiner Ankunft da-selbst fand er übrigens den päpstlichen Stuhl von Mar-cell II. bereits wieder besetzt. Da jedoch dieser Papstschon nach einigen Wochen das Zeitliche segnete, so wohnteOtto der Wahl seines Nachfolgers, Pauls IV. , bet undgab Hiebei nach dem Berichte Pallavicino's (Ilwt. 6ono. ,Iriä. 1. 13 c. 11 Z 2) durch sein großes Ansehen denAüsschlag. Auch nach der Wahl blieb er noch längereZeit in Rom , da sich der neue Papst seiner Einsicht undseines Rathes bedienen wollte (Braun B. 3 S. 437).Erst im Jahre 1556 kehrte er in die Heimath zurück.Eine seiner ersten Thaten war, daß er zur Widerlegung ^der in seiner Abwesenheit entstandenen Gerüchte eineApologie im Drucke erscheinen ließ. Dieselbe ist mit"edlem Freimuth abgefaßt und macht offenbar den Ein-druck, daß ihm Unrecht widerfahren ist (Braun B. 3S. 440 ff.).

Einige Jahre später hatte sich Otto wieder gegeneine höchst verletzende Verleumdung zu vertheidigen. Eshandelte sich um die Absendung einer Gesandtschaft anden König Heinrich II. von Frankreich , um von ihm dieZurückgabe der dem Reiche entrissenen Bisthümer Metz,Toul und Verdun zu erwirken. Als Gesandte waren aus-ersehen Cardinal Otto und der Herzog Christoph vonWürttemberg . Letzterer weigerte sich aber, mit Otto zureisen. Es wurde nämlich von einer höchst angesehenenPersönlichkeit, einem französischen Cardinal, dem Herzogdurch einen Brief die Meinung beigebracht, er würde,da er ein entschiedener Lutheraner sei, auf AnrathenOtto's und mit dem Einverständnisse des Papstes ver-giftet werden. Die Unwahrheit eines solchen Planeskam dadurch klar zu Tage, daß später der Verleumderselbst seine Verleumdung zugestand und Otto um Ver-zeihung bat.

Es wäre noch manches über die kirchlich-politischeThätigkeit Otto's in der späteren Zeit seines Lebens zusagen. Nur folgendes sei noch erwähnt. Otto betheiligtesich 1566 an dem Reichstag zu Augsburg unter Maxi-milian II. und unterstützte dabei aus's kräftigste undstandhafteste den päpstlichen Legaten Commendone . Drei-mal nahm er theil an der Wahl eines neuen Papstes, nämlichPius' IV. (1559), Pins' V. (1566) und Gregors XIII .(1572), seines ehemaligen Lehres in Bologna . Nach derWahl Pius' IV. verweilte er zwei Jahre in Rom , währendwelcher Zeit er von dieser Stadt für sich wie für dasTruchseß'sche Geschlecht das römische Bürgerrecht erhielt.Mit den Herzögen von Bayern, besonders mit Albrecht V. ,stand Otto in freundschaftlichem Verhältniß und genoßderen volles Vertrauen. Von Albrecht wurde er bei allenwichtigeren Familienfesten, Taufen und Trauungen, bei-gezogen; er vertrat bei mehreren Kindern desselben Pathen-stelle. Im öffentlichen Leben ging beider Männer Strebenauf die Erhaltung der alten Religion. In der Wahl derMittel stimmten sie freilich nicht immer mit einanderüberein. Das hatte seinen Grund wohl hauptsächlich inder Verschiedenheit der Charaktere. Albrecht V. glaubtedas Ziel durch Milde und weitestes Entgegenkommen zu^