Ausgabe 
(3.9.1897) 51
 
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erreichen. Otto war vermöge seiner Naturanlage undseiner streng kirchlichen Gesinnung ein Gegner dieserschüchternen, zaghaften Politik. Er gab auch seiner Un-zufriedenheit über die von den höchsten Spitzen der welt-lichen Gewalt hinsichtlich der religiösen Angelegenheit ein-geschlagenen Wege brieflich wiederholt Ausdruck. Ermeinte, durch fortwährendesConstituiren, Conniviren,Lavircn und Temporisiren" sei nichts zu erreichen(Wimmer a. a. O. S. 88; vgl. Baader S. 173, 177).

Ich muß nun von der eigentlich kirchlichenoder, um es genauer auszudrücken, von der re-formatorischen Thätigkeit Otto's sprechen. Car-dinalbischof Otto war ein Reformator im wahren Sinnedes Wortes. Die Uebel, an welchen die Kirche des 16.Jahrhunderts krankte, waren ihm wohl bekannt, und mitder ganzen Kraft seines energischen Charakters suchte eran deren Heilung zu arbeiten. Nicht das katholischeDogma, die katholische Lehre, sondern das kirchlicheLeben, die kirchliche Disciplin sollte reformirt werden.Darauf war sein Wirken gerichtet. Ich rechne dazu seineStellung zum Concil von Trient und seine Bemühungzur Hebung der Kirchenzucht in der eigenen Diöcese.

Otto hielt die Abhaltung eines allgemeinen Concilszur Beilegung der religiösen Wirren und zur Verbesserungdes kirchlichen Lebens für dringend nothwendig. Als danndas wirklich zu stände gekommene Concil 1552 wegender von Moriz von Sachsen demselben drohenden Gefahrsuspendirt werden mußte, trat Otto schriftlich und münd-lich immer wieder für die Fortsetzung desselben ein. Anden Herzog Albrecht V. von Bayern schrieb er im Jahre1560:Zu stillung aller schwebender gefahr ist he kainsicherer oder gewisser rsivoäium dann das Oovoilinrv"(Archiv für die Geschichte des Bisthums Augsburg B. 2S. 166). In diesem Sinne wirkte er durch den Herzogauch auf den Kaiser ein (Baader S. 169 ff. 185).Dieser hatte nämlich ebenso wie sein Bruder Ferdinandgroße Bedenken gegen die Wiederaufnahme des Concils.Sie meinten, es würden dadurch die Gemüther der Pro-testanten, welche durch mehrere ihrer Stände ein ent-schiedenes Eintreten gegen die Wiedereröffnung des Con-cils verlangten (Janssen a. a. O. B. 4 S. 145), nurauf's neue aufgeregt, und es könnte die Sache der Re-ligion und des Vaterlandes Schaden leiden. In dieserBeziehung schrieb Otto an Herzog Albrecht:-Es ist nn-bezwcifelt, daß Ihre Majestät die Sache gut meine, aberes ist nicht ein klein Mitleid mit Ihrer Majestät zuhaben, daß sie die Religionssachen mehr auf menschlicheKlugheit denn göttliche Fürsehnng setzen und hoffen,durch Zögern und Conniviren viel zu gewinnen, so dochdas Gegentheil unvermeidlich daraus entstehen möchte".Ein anderes Mal sagt er:?rc>vicionclo ot von inr-pikor covvivovcio 8tahiIiovckiro 8vvt ros" (BaaderS. 88).

So eifrig indeß Otto mich für das Concil vonTrient eintrat, so wohnte er demselben doch nicht an.Der Kirchcngeschichischrciber Flenry behauptet zwar dasGegentheil, aber das ist ohne Zweifel ein Irrthum (vgl.Chronik ll, 91). Otto sandte übrigens gleich zum Be-ginn des in Trient eröffneten Concils den DomcapitnlarAndreas Rhein und seinen Theologen Claudius Jains(I,o ckaz-) und bestellte zum Prokurator bei demselbenden Franz Piccolomini, Bischof Montnlcinensis (BraunB. 3 S. 377).

Warum Otto an dem Concil nicht persönlich thcil-.'.ahm, scheint mir noch nicht vollständig klar gelegt zu

sein. In einem Briefe an Kaiser Karl vom Jahre 1551sagt er, sein Gesundheitszustand und Stiftsgeschäftehinderten ihn an der Theilnahme; überdies habe ihn derPapst wissen lassen, daß er ihn zur rechten Zeit berufenwürde, was aber bis damals nicht geschehen sei (DruffelI, 801). Diese Gründe mögen für den damaligen Mo-ment und für die erste Periode des Concils überhaupt(15451552) zutreffend gewesen sein. Warum sich aberOtto nicht zu dem im Jahre 1562 wieder eröffnetenConcil begeben, dafür haben wir keine sicheren Nach-richten, wohl aber Vermuthungen, die sich aus der da-maligen Zeitlage ergeben. Es ist nämlich Thatsache, daßdie Bischöfe, welche zugleich Reichsfürsten waren, ausFurcht vor den protestantischen Ständen nicht in eigenerPerson auf dem Concil zu erscheinen wagten. Die Erz-bischöfe von Trier, Salzburg und Mainz erklärten aus-drücklich: Würden sie ihre Diöcesen verlassen, so könneleicht der Untergang derselben erfolgen (Janssen IV, 145).Ob nun Otto von den gleichen Motiven sich leiten ließ,kann man vermuthen, aber es ist nicht eigentlich zu be-weisen. Vielleicht haben die nicht unbedeutenden Geld-verlegenheiten, in welchen Otto, wie wir noch sehen werden,sich befand, auch mit eingewirkt. Denn als Reichsfürstkonnte er nicht so einfach auftreten, wie irgend einanderer Bischof.

(Schluß folgt.)

Grundlegende Gesichtspunkte für Beurtheilungder Währungsfrage.

Von vr. Schw.

Die Währungssrage, wie sie seit geraumer Zeit inden verschiedensten Ländern in Fluß gekommen ist, ge-hört bis zur Stunde zn denjenigen Fragen, welche fort-während das Interesse der Allgemeinheit beschäftigen,über welche jedoch eine Einigung nicht zu Stande zukommen scheint. Immer mehrt sich die Zahl der Bro-schüren und Abhandlungen, welche die Frage von diesemoder jenem Standpunkte aus behandeln, ohne daß imwesentlichen viel Neues zn Tage gefördert würde. ZweiParteien stehen sich gegenüber, die sich energisch befehden,und die Argumente sowohl der einen wie der andernAnschauung sind im wesentlichen immer die gleichen, sodaß neue Bearbeitungen, abgesehen allenfalls von einerVerwerthung neuen statistischen Materials, eigentlich nureine Beitrittserklärung zn der einen oder andern Richtungbedeuten, da die beiderseitigen Grundsätze und Argumentesozusagen bereits als codificirt erscheinen. Wenn mannun diesen Kampf der Anschauungen, der zugleich einJntcressenkampf ist, von außen betrachtet, so drängt sichdem ruhigen, vornrthcilsfreien Beobachter unwillkürlichder Gedanke auf, wie so es denn kommt, daß eine Frage,die doch keine politische, sondern zum großen Theile einewissenschaftliche Frage ist, trotz der eifrigsten und der scharf-sinnigsten Behandlung doch um keinen Schritt ihrer Lösungnäher gebracht wird. Es will uns fast scheinen, als obder Grund darin zn erblicken sei, daß das. Währungs-problem geradezu in seinem eigensten Wesen verkannt,mehr und mehr zu einer Parteifrage gestempelt wurde.Daher ist es nur zn begreiflich, daß vielfach mehr mitLeidenschaft als mit Sachgründen vorgegangen wird.Dadurch, daß man die Währungssrage in den Diensteiner sonst guten Sache zu stellen versucht, wird ihreBedeutung, wenn nicht überschätzt, so doch einseitig be-urtheilt und dadurch ein an sich schwieriges Problem