Ausgabe 
(3.9.1897) 51
 
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durch einseitige Verquickung mit heterogenen Elementenerst recht verdunkelt. Als politisches Schlagwort wirddie Frage unter die Massen geschleudert und damitum so mehr Aufsehen und Beifall erregt, je wenigersie von der Allgemeinheit verstanden wird. Dievielen bereits vorhandenen Abhandlungen sind nurzum geringsten Theile geeignet, dem gemeinen Ver-ständnisse einige Klarheit über unsre Frage zu ver-schaffen, da dieselben sich entweder von vornherein nuran speciell geschulte Kreise wenden oder zwar derAllgemeinheit dienen wollen, trotzdem jedoch häufig mitziemlich weitgehenden Vorkenntnissen des Lesers rechnen,die derselbe aber meistens doch nicht besitzt. Man magnun allerdings einwenden, die Währungsfrage sei über-haupt eine Frage, die gewissermaßen nur von Fachleutenbehandelt werden könne und dürfe und deren Verständnißdeßhalb niemals zum Gemeingute aller werden könne.Diesem Einwände kann eine gewisse Berechtigung viel-leicht auf den ersten Blick nicht abgesprochen werden.Allein, sei dem wie ihm wolle, soviel ist feststehend, daßunsre Frage ganz sicherlich das Interesse Aller berührtund daß sie insbesondere thatsächlich nicht bloß innerhalbbeschränkter Personenkreise behandelt wird, sondern auchvor der Allgemeinheit mehr und mehr angezogen, inöffentlichen Versammlungen diskutirt und in das Pro-gramm wenn nicht gerade ganzer Parteien, so doch ge-wisser Richtungen und Vereinigungen aufgenommen wird.Unter diesen Umständen hat die Allgemeinheit auch einRecht darauf, daß sie über eine Frage, für oder gegenwelche sie sich vielleicht über kurz oder lang entscheidensoll, entsprechend belehrt und aufgeklärt werde. Es istdies um so nothwendiger, als gerade die Behandlungunseres Problems eine Reihe von Vorkenntnissen undgrundlegenden Gesichtspunkten voraussetzt, die unbedingtzum Verständnisse des Ganzen nöthig erscheinen.

Ich will daher im Folgenden keineswegs in denKampf der Parteien hinabsteigen, sondern lediglich ver-suchen, in voraussetzungsloser, gemeinverständlicher Weiseeine Reihe einzelner Begriffe und Gesichtspunkte hervor-zuheben, von welchen jeder, gleichviel welchen Standpunkter einnehmen will, ausgehen muß und über die im Allge-meinen auch eine gewisse Uebereinstimmung herrscht.

Es ist nun einleuchtend, daß in erster Linie derBegriff der Währung näher bestimmt und beschriebenwerden muß.

Mit dem Begriffe der Währung hängt ein andererauf das engste zusammen, so zwar, daß man das Wesender Währung nicht verstehen kann, ohne zugleich dasWesen desselben zu kennen, der Begriff des Geldes.Die beiden Begriffe werden im gewöhnlichen Leben nurzu häufig durcheinandergebracht; sie müssen jedoch strengeauseinander gehalten werden, da hievon bereits ein guterTheil des Verständnisses der ganzen Frage abhängt.

Wenn wir von Geld sprechen, so sind wir gewohnt,darunter Geldstücke, gemünztes Geld, also Münzen ausEdelmetall geprägt, zu verstehen. Hierin liegt bereits, ein großer Irrthum. Unter Geld hat man vielmehr imallgemeinen nichts anders zu verstehen, als ein wirth-schaftliches Gut, das bestimmte Aufgaben im Verkehrs-lebeu zu erfüllen hat. Ueber die Beschaffenheit diesesGutes ist dabei noch gar nichts gesagt. Es kann viel-mehr eigentlich begrifflich jedes Gut als Geld dienen,soferne nur der Verkehr oder ein Machtausspruch ihmwirksam die Funktionen des Geldes überträgt. Bei demBegriffe des Geldes darf mau daher noch an gar kein

wirkliches Gut, an gar keinen bestimmten Stoff, sondernlediglich an die Summe der dem Gelde zugedachten Auf-gaben denken. Erst die Bestimmung desjenigen Stoffes,welchem im einzelnen Falle die Funktionen des Geldeszukommen sollen, führt zum Begriffe der Währung.Unter Währung versteht man daher, zum Unterschiede vomGelde, einen ganz bestimmten concreten Stoff als Grund-lage des Geldes, des Münzwesens. Daher ist z. B. beider Goldwährung das Gold als Stoff betrachtet, ohneRücksicht auf eine bestimmte Form und Größe, Trägerder Geldfunktion. Dadurch, daß dem Golde eine gewisseAufgabe im Verkehre übertragen wird, wird es zumGelde. Der Begriff der Währung setzt also den Begriffdes Geldes voraus; jedoch nicht umgekehrt; denn mankann recht wohl über das Wesen des Geldes Reflexionenanstellen, ohne dabei einen bestimmten Stoff der Körper-welt im Auge zu haben.

Welches sind nun die Aufgaben, welche das Geldim Verkehrsleben erfüllen muß und die deßhalb dasWesen des Geldes ausmachen?

Diese Funksionen sind im einzelnen folgende:

1. Das Geld ist allgemeines Tauschmittel,d. h. eine Waare, gegen welche man jederzeitandere Waaren eintauschen kann, also ein Gut,welches jederzeit von jedem angenommen wird.

2. Das Geld ist allgemeiner Werthmaßstab,d. h. ein Gut, an welchem der Werth der übrigenGüter gemessen wird, in welchem der Werth derübrigen Güter ziffermäßig festgestellt und aus-gedrückt wird.

3. Das Geld ist allgemeines Zahlungsmittel,d. h. ein Gut, durch dessen Hingabe mau sich ingesetzlicher Weise von seinen gesetzlichen oder ver-tragsmäßigen ökonomischen Verpflichtungen be-freien kann.

4. Das Geld ist allgemeines Werthanfbe-wahrungsmittel, d. h. ein Gut, welches dazudient, Werthe dauernd zu erhalten und von derGegenwart auf die Zukunft zu übertragen.

Diese vier Aufgaben werden dem Gelde gemeiniglichzugeschrieben, und es gehört zum Wesen des Geldes dasgleichzeitige Zusammentreffen sämmtlicher vier Funktionen.Fehlt die eine oder andere Aufgabe in einem gegebenenFalle, so spricht man nicht mehr von Geld, sonder»Geldsnrrogat.

Es liegt nun auf der Hand, daß nicht alle Güterin gleichem Maße geeignet sind, als Träger der ge-nannten Funktionen angesehen zu werden. Aufgabe derWährungspolitik ist es vielmehr, denjenigen Stoff aus-zuwählen, welcher in hervorragendster Weise die aufge-stellten Aufgaben zu erfüllen vermag. Dies führt nundazu, daß thatsächlich eine Reihe von Gütern, ja diemeisten Güter, zwar nicht als begrifflich unfähig, wohlaber als thatsächlich weniger geeignet und deßhalb nichtverwendbar angesehen werden müssen, als Geldstoff zudienen. Die meisten haben thatsächlich auch niemals alsGeldstoff gedient, andere sind im Laufe der Zeit ganzoder znm Theile untauglich geworden. Jeder weiß, daßin den frühesten Zeiten der Durchschnittswerts) einesStückes Vieh als Geldeinheit diente, worauf der Zu-sammenhang der Wörter xomm und xeounia hindeutet.

Desgleichen ist bekannt, daß es heute noch Völkergibt, welche Muscheln oder Schmnckgegenstände als Geldbenutzen. Wenn von alledcm in unserem modernen Ver-