Ausgabe 
(3.9.1897) 51
 
Einzelbild herunterladen

358

kehrsleben auch keine Rede mehr sein kann, so ist dieseThatsache doch in so fern von Bedeutung, als sie unszeigt, daß die Edelmetalle keineswegs und ausschließlichzum Geldstoffe sozusagen prädestinirt sind. Der heutzu-tage bestehende, fast ausschließliche Gebrauch von Edel-metallen als Träger der Geldsanktion beruht vielmehrauf dem besondern Maße und der besondern Art, inwelcher sie die Funktionen des Geldes zu erfüllenvermögen, die sie hiezu derart qualifiziren, daß that-sächlich sie allein in Betracht kommen. Es zeigt sichdies am deutlichsten, wenn wir kurz die Anforderungenins Auge fassen, welche wir heutzutage an einen Trägerder Geldidce zu stellen gewohnt sind bezw. im Interessedes Verkehrs stellen müssen. Alle diese Anforderungenstellen sich dar als ein unmittelbarer oder mittelbarerAusfluß der im einzelnen bereits hervorgehobenen Auf-gaben des Geldes sowie des Verkehrsbedürfnisses, welcheseine möglichst vollkommene Verwirklichung der einzelnenAusgaben dringend verlangt. Im einzelnen ist Folgendesvon Bedeutung. '

Der Geldstoff muß selbst Werth haben, d. h. umeiner selbst willen geschätzt und begehrt sein., DiesesPostulat ergibt sich einerseits aus dem Wesen des Gutesals Mittel zur Bedürfnißbefriedigung, andererseits ausder Eigenschaft des Geldes, allgemeiner Werthinaßstabzu sein. Wie soll an einem Gegenstände der Werth. eines andern Gegenstandes gemessen werden, wenn dieser, erstere selbst keinen Werth besitzt? Daraus ergibt sich^ von selbst die Unrichtigkeit der Anschauung, welche meint,der Staat hätte es in der Hand, jederzeit die Geldmitteldurch Ausgabe von Noten beliebig zu vermehren. DerStaat kann keine Werthe schaffen, sondern nur vor-handene Werthe anerkennen, beglaubigen. Und würde ersich beikommcn lassen, etwas als Werth zu bezeichnen,was in Wirklichkeit nicht Werth ist, der Verkehr ließesich hiedurch nicht beirren, er würde die so in Umlaufgesetzten Mittel alsbald durch ein entsprechendes Disagiobrandmarken und den usurpirten Werth wieder benehmen.Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß nicht der Staatinnerhalb der Grenzen seiner Creditfähigkeit unterwerthigesGeld oder Zeichengeld auf einem höhern Werthe durchVerleihung eines Zwangskurses erhalten kann. Näheres. hierüber soll an späterer Stelle hervorgehoben werden.

Der Geldstoff muß im Verhältniß zu den zu be-wältigenden Umsätzen und deren Werth ein Gut sein,das selbst hohen Werth bei bequem zu handhabendemVolumen besitzt. Sind die Umsätze im allgemeinen ge-ring, so genügt ein geringerwerthiger Stoff; sobald jedochmit Zunahme des Reichthums und des Verkehrs dieTranSaction von Werthen gleichfalls wächst, bedarf derVerkehr eines entsprechend höherwerthigen Stoffes.Hierauf beruht ohne Zweifel die Thatsache des all-mähligen Ueberganges der Culturländer von der Silber-währung zur Goldwährung. Es ist gewiß kein Zufall,sondern eine eklatante Bestätigung des eben Gesagten,daß England mit seinem ausgedehnten Handelsverkehrzuerst zur Goldwährung überging und bis zur Stundeunentwegt an ihr festhält.

Wir verlangen ferner von einem guten Geldstoffe,daß er Dauerhaftigkeit, chemische und mechanische Wider-standsfähigkeit besitze, daß er in hohem Maße theilbarsei, und zwar so, daß der einzelne Theil einen seinemAntheil am Ganzen entsprechenden Werth besitze. ErsteresErfordernd erscheint als ein naturgemäßer Ausfluß derWerthaufbewahrungsfunktion, letzteres als ein Gebot des

Verkehrs, welcher für die kleinsten wie für große Um-sätze eine entsprechende Münze verlangt.

Neben diesen mehr natürlichen Eigenschaften ist daSWichtigste wirthschaftliche Erforderniß die Werthbeständig-keit des Geldstoffes. Ein Stoff kann, um von anderemabzusehen, nur dann geeignet sein, Werthe der Gegen-wart der Zukunft zu übermitteln, wenn der Werth diesesStoffes selbst möglichst beständig, constant ist. JedeSchwankung des Werthes des Geldes bringt Unsicherheitin den Verkehr und hat Speculationen mit all denschlimmen Wirkungen znr Folge.

Die Zahl der Merkmale eines guten Geldstoffeskönnte wohl noch vermehrt werden, indeß mag es'mitHervorhebung dieser wenigen, die immerhin die wichtigstensind, sein Bewenden haben. Sie genügen, um erkennenzu lassen, daß die Eigenschaften eines guten Geldstoffesam besten bei den Edelmetallen und hier wieder betGold und Silber ausgeprägt sind. Hierin ist die Herr-schaft dieser beiden Metalle als Währnngsgrundlage be-gründet. Indeß schon ist auch ein Kampf dieser beidenMetalle um die Vorherrschaft entbrannt, und es ist keinZweifel, daß das Gold vor dem Silber manchesvoraus hat.

Das Gold ist chemisch widerstandsfähiger als dasSilber, es oxydirt nicht, Gold besitzt ein höheres spezif-isches Gewicht und im Verhältnisse zu einem gleichenVolumen Silber einen bedeutend höheren Werth; dazukommt, daß das Gold in seinem Werthe heutzutage ge-ringeren Schwankungen unterworfen ist, als das Silber.Im Mittelaltcr verhielt sich der Werth eines QuantumsSilbers zu einem gleichen Quantum Gold etwa wie1:11,z5>: bereits zu Anfang des 18. Jahrhundertshatte sich das Verhältniß zu Nngnnsten des Silbersin 1: 15^ geändert. Seit dieser Zeit bis etwa 1870ist der Werth ziemlich stabil geblieben und zeigte nurgeringe Abweichungen von der sogen, klassischen Werth-relation 1:15'/z. Seit 1870 ist der Werth des Silbersrapid gesunken, und heute hat sich das Verhältniß bereitsin 1:30 und noch ungünstiger gestaltet. Seit etwa 20Jahren hat also das Silber die Hälfte seines Werthesverloren. Es ist dies gewiß keine erfreuliche Erscheinung;der Grund derselben muß hier ununtersucht bleiben, dahierüber bereits die Meinungen auseinandergehen, eineErörterung derselben deßhalb dazu führen müßte, zu demStreite der Parteien Stellung zu nehmen. Es mag dieBemerkung genügen, daß die Gegner der bestehendenWährnngsverhältnisse diese Wcrthveränderung des Silbersnicht Silberentwerthung, sondern Goldvertheuerung nennen.Thatsache ist jedenfalls, daß das Werthverhältniß in derangegebenen Weise etwa sich geändert hat und daß hierausder Schluß gezogen werden muß, daß in rein technischerBeziehung das Silber dem Golde bezüglich seiner Be-fähigung, Träger der Geldfunktion zu sein, nachsteht, dagerade unsere Zeit mit kolossalen Umsatzziffern rechnetund demgemäß eine hochwerthige Geldgrnndlage ver-langt. Die Thatsachen der Gegenwart, insbesondere dieunleugbare größere Beliebtheit des Goldes im Verkehre,stehen damit in vollem Einklänge.

Das Ausgeführte mag genügen, um über dasWesen des Geldes und den Begriff der Währung zueiner klaren Vorstellung zu gelangen.

(Fortsetzung folgt.)