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-Donauwörth und Dillingen und in den württembergischenOberämtern Neresheim, Heidenhcim, Ulm und Aalen an-gesessen war. Die Stammburg scheint Wittislingen ge-wesen zu sein, denn dort sind die Eltern des hl. Ulrichbestattet, und es ist kein gewagter Schluß, wenn man dieFelscngrüfte bei Wittislingen , denen die prachtvollen, jetzteine Zierde des Münchener Natioilalmuscums bildendenSchnmctsachcn aus dein 7. oder 8. Jahrhundert ent-stammen, für die Begräbnißstätten von Ahnen des Dil-lingcr Grafenhauses hält.
Die ältesten uns bekannten Stammcltcrn sind Hupald(gestorben 909 oder 910), der als Seliger verehrt wurde,und seine Gattin Dictbirg, eine Schwester des HerzogsBürthart I. von Schwaben . Bon ihren Kindern sindhervorzuheben: Graf Dietpald, welcher in der Ungarn -schlacht auf dem Lechfcldc (10. August 955) den Helden-tod fand, der hl. Ulrich — der größte unter den BischöfenAugsburgs (923—973), rastlos und thatkräftig in Aus-übung des bischöflichen Amtes, ein pricsterlicher Heldbei Abwehr der Ungarn -Horden vor seiner Stadt, welt-verläugnend wie ein Mönch in seiner Klosterzelle, einfrommer Beter am Altare Gottes, eine Zier und Leuchteseiner Zeit und seiner Kirche - , ferner die Tochter Lust-,garde, die Gattin eines oberschwäbischen Grafen Pcierund Mutter von drei Söhnen: Rcginbald, welcher in dergleichen Schlacht mit seinem Oheim fiel, - Adalbero, derLiebling und Coadjntor seines Oheims, des hl. Ulrich,und Mangold, der durch seine Tochter Bcrtha der Ur-großvater des.vortrefflichen Geschichtschreibers Hermannsdes Lahmen, Grafen von Beringen und Mönches in derReichen»!!, wurde.
Hierauf legt sich Dunkelheit über die Geschichte desHauses, und man weiß auch nicht mit Sicherheit, ob dem-selben wirklich die zwei Brüder und Bischöfe von Kon-stanz Warmann (1026 bis 1034) und Eberhard (1034bis 1046) beigezählt werden dürfen, wie es gewöhnlichgeschieht. Erst von 1070 an treten wieder Persönlich-keiten auf, die ihm mit Bestimmtheit angehören: Pfalz-graf Mangold, Hupald (-f 1074) und dessen Sohn GrafHartmann I. Der Letztere erbte durch seine Mutter dieGrafschaft im alten Fliuagan und durch seine GemahlinAdelheid den reichen Besitz des Winterthur 'schen Hauses,eines Zweiges von dem uralten, vornehmen und reich-begüterten Geschlechte der Udalrichinger. Als ein erbitterterGegner Kaiser Heinrichs IV. stand er in dessen' Kampfmit dem Gegcniönige Rudolf von Schwaben auf derSeite des letzteren, gründete mit seiner Gemahlin nndseinen Söhnen (darunter Ulrich, in der Folge Bischof vonKonstanz, 1111 —1127) im Jahre 1095 das später zuhoher Blüthe gedieheuc Kloster Neresheim und starb alsMönch dortselbst 1121. Sein Ur-Urenkel Hartmann IV.,der Sohn Adalberts III. und einer Tochter Heilika desersten wittclsbachischen Herzogs Otto von Bayern , wurdeder Ncnbegrüuder, des Klosters Söflingcn nnd befand sichim Besitze des Marschallamtes des Herzogthnms Schwabenals staufischen Lehens. Außer mehreren Töchtern über-lebte ihn nur ein Sohn, Graf 'Hartmann V., welcher dengeistlichen Stand erwählt hatte und 1249 — 1286 alsNachfolger seines großen Ahnen, des hl. Ulrich, auf deinbischöflichen Stuhle von Augsburg saß.
Beim Tode Hartmanns IV- (1258) fielen die. vomReiche oder vom schwäbischen. Herzogthnme zu Lehen gehenden Rechte des.Hauses zurück, so. daß Konradin mitdem genannten Marschallamte, der Grafschaft im Flinagauund der dazu gehörigen Vogtci über Ulm den Grafen
Ulrich von Württemberg belehnte; manches Erbe kam an dieSchiviegersöhne des Grafen Hartmann IV.,'so das Grafen-amt im Albgau an das helfensteinische Haus; den Rest deseinst so reichen Besitzes übergab Graf Hartmann V. seinerbischöflichen Kirche. Zu diesen Gütern gehörten insbe-sondere Burg und Stadt Dillingen , die Kirchen-Patronate,Vogteien und alles Eigenthum zwischen der Donau undder Nics-Halde, zwischen den Dörfern Laugenan bei Uln-nnd Blindheim, der ganze Dienstadel (mit Ausnahme von6 Ministerialen nnd den Eigenlenten zu Ulm , die er erstbei seincml Tode an dieselbe Kirche schenkte), alle Bauernund Eigenlcutc. Einiges scheint auch Herzog Ludwig vonBayern an sich gezogen zu haben. So war die alte,reiche Grafschaft Dillingen zertheilt und zerbröckelt worden;ihr Kern jedoch, Stadt und Burg Dillingen mit demaltchrwürdigen Wittislingen , wuchs nnd gedieh unter derPflege der Bischöfe von Augsburg und blieb ein theueresKleinod des fürstlichen Hochstiftes, so lange dieses selbstbestand. (Fortsetzung folgt.)
Cardinal Otto Trmhscß von Waldbnrg, Bischofvon Augsburg (1543—1573).
Bon vi-. Thomas Specht.
(Fortsetzung.)
Doch durch Aufzählung dieser Ehrungen sind wirbereits in eine spätere Periode des Lebens Otto's einge-treten. Wenden wir uns wieder zurück.
Als Otto Bischof von Augsburg geworden war,hatte die Lehre Luthers wie im übrigen Deutschland, soauch im Bisthnin Augsburg nnd in dieser Stadt selbstgroße Fortschritte gemacht. Otto hing mit ganzer Seelean der alten katholischen Religion nnd trat im innigenBnnde mit dem Kaiser und den bayerischen Herzögenfür dieselbe ein. An den wiederholten Versuchen, diereligiöse Einheit in Deutschland wieder herzustellen, nahmer den regsten Antheil. Den Reichstagen und anderenVersammlungen, welche Karl V. zur gütlichen Aus-gleichung der beiden Hauptpartcicn veranstaltete, wohnteer nicht bloß persönlich an, sondern versah dabei mehr-mals die Stelle eines kaiserlichen Commissärs. Ichkomme damit zur kirchlich-politischen ThätigkeitOtto's. Im allgemeinen ist dieselbe in dem eben Ge-sagten bereits gekennzeichnet. Doch gehen wir auf daseinzelne genauer ein.
Drei Jahre, nachdem Otto die bischöfliche Würbeangenommen hatte, entstand der schmalkaldische. Krieg(1546), in welchem sich Otto auf Seite des Kaisers undseiner Partei stellte, während die Stadt Augsburg selbst,die schon 1537 die Ausübung der. katholischen Religioninnerhalb ihrer Mauern verboten nnd die gesammte Geist-lichkeit, mit dem Bischof an der Spitze, zur Auswanderunggezwungen hatte, sich den Gegnern des Kaisers anschloß.Otto stellte einen Hänfen von 200 gerüsteten Pferdennnd 4 Fähnlein Landsknechte. Nach dem glücklichen Aus-gang des Krieges für die kaiserliche nnd katholische Parteikehrte Otto mit seinem Domcapitel von Dittingen wiedernach Augsburg zurück. Auch die Geistlichkeit zog wiederein. Nunmehr konnte auch der katholische Gottesdienstnach lOjähriger Unterbrechung wieder gefeiert werden.
So freundlich sich bisher das Verhältniß Otto'szu. Karl V. gezeigt, hatte, so trat doch. bald eine gewisseVerstimmung ein. Denn die vom Kaiser znr Versöhnungder Protestanten eingeschlagene Vermittlnngspolitik fandbei Otto, der überall ganze Arbeit gethan wissen wollte,