Ausgabe 
(11.9.1897) 53
 
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felsen eingehauen, und von ihnen laufen zwei unter-irdische Gänge aus, von einer solchen Höhe, daß einMann bequem aufrecht gehen kann, und von einer Breite,die meiner Erinnerung nach mehr als 3 Meter beträgt.Die gangbare Länge mag sich auf ein PaarhundertSchritte bemessen, die Ueberlieferung weiß aber, daß sieeinst bis zu den Burgen von Tengling und Trostberg führten, also auf Entfernungen von 10, bezw. 5 Kilo-meter. Da das Kapitel der unterirdischen Gänge zuden interessantesten der Burgenkunde gehört und geradehierüber noch sehr wenig exakte Forschungen vorliegen,würde der Historische Verein von Dillingen sich ein an-sehnliches Verdienst erwerben, wenn er dort bei der Burgin die Tiefe steigen, messen, zeichnen, graben und dieErgebnisse zu Tage bringen würde, welche die Gruben-lampe eine Laterne thut es übrigens auch be-leuchtet hat.

Wir können vom Schlosse nicht scheiden, ohne denheiligen Thurm" des Cardinals Otto (Truchseß vonWaldburg, Bischof 1543 1573) und die Schloßkapellebetrachtet zu haben. Den alten Rundthnrm an derSüdweftecke wandelte der fromme Kirchenfürst zu einemreligiösen, mit den kostbarsten Kunstschätzen geschmücktenHeiligthum um, die 5 Stockwerke waren zu Oratorien,Aufbewahrungsräumen für Kirchengeräthe und Reliquienkmd einer Kapelle eingerichtet. Von der alten Herrlich-keit ist keine Spur mehr vorhanden, und der obere Theildes Thurmes ist jetzt abgetragen.

Auch die dem heiligen Evangelisten Johannes ge-weihte Kapelle ist profanirt, hat indessen insoferne einglückliches Loos gezogen, da sie seit mehreren Jahrendem Historischen Vereine als Museum eingeräumt wordenist, nachdem sie zuletzt als Magazin des königlichen Bau-amtes gedient hatte. Obwohl dieser Verein noch nichtlange besteht und nur über bescheidene Mittel verfügt,hat er durch seine Rührigkeit, Thätigkeit und Umsicht undunter der Leitung vortrefflicher Vorstände des verewigtenLyccalprofcssors Daisenberger, des GymnasialprofessorsDr. Englert, des Lycealprofcssors Dr. Schlecht sowieDank dem sachkundigen, unermüdlichen Wirken des bis-herigen, Konservators Professor Harbaner es verstanden,Alterthümer aus der Umgebung von Dillingen zu einerSammlrmg zu vereinigen, die in Bezug auf prähistorischeund römische Gegenstände und im Hinblicke aus die kurzeZeit seit ihrer, Gründung wohl von keiner anderen der-artigen, Lokaleinrichtung übcrrroffen wird; allerdings trugdie rühmenswerthe Opscrwilligkeit einzelner Personenwesentlich zur Mehrung der antiquarischen Schätze bei.Ein Gutsbesitzer im nahen Dorfe Aislingen überließ z. B.gleich bei Gründung des Vereins demselben die Fruchtund das Ergebniß jahrelanger Mühen, nämlich nichtweniger als 16 große Kisten römischer Alterthümer, welcheaus dem umfangreichen Römcrcastcll bei diesem Dorfe(vielleicht Da-rroärmum) und aus der vor dessen Wällenauf dem Zi'cgclfclde gelegenen bürgerlichen Niederlassungherrühren. Außer diesen sehr zahlreichen Funden vonAislingen , ist die Nömcrzeit noch vertreten durch vieleFunde vou Faimingcn (wo der wackere Lehrer Schellerunermüdlich an der Aufdeckung des Castells Uouwua ar-beitet); recht, viel Dinge von wissenschaftlichem Werthelieferten ferner die Ausgrabungen des Vereins im Grab-felde an, Zicgeistadcl, (ältere Bronzezeit), an den Hügel-gräbern, im Donauried, bei Aislingen, Zöschingen , dlick-lingen (Bronze-, Hallstatt- und La Töne-Zeit) und denalamannischen Neihengräbern bei Gnndelsingcn, Wittis-

lingen und Schretzheim , bei welch letzterem Orte bis jetztbereits 189 Neihengräber, theilweise mit einem außer-ordentlich reichen Bestattnngsinventar, geöffnet wurden;hier hat sich aaoä. vaoä. vat. Kirchmann hervorragendeVerdienste erworben. Im Rahmen dieses Aufsatzes istes nicht möglich, auch nur einzelne Gegenstände durchBenennung hervorzuheben; ich kann bloß sagen, daß derVerein inib begründetem Stolze auf seine Leistungenblicken kann, die außerordentlich Vieles zur Aufklärungder Geschichte des oberen Donauthales und damit derGeschichte unseres Vaterlandes beitragen. Nicht in letzterLinie ist ferner auch die Sorgfalt zu erwähnen, die erden alten Funden zuwendet; alle Gegenstände, welcheeiner Reinigung oder Nestaurirnng bedürfen, schickt eran das Römisch-Germanische Centralmuseum in Mainz ,um sie, von L. Lindenschmit's kundiger Hand in bestenStand versetzt, als wirkliche und höchst werthvolle Zierdenin seiner Schatzkammer der Wissenschaft und der Allgemein-heit zugänglich zu machen.

Endlich müssen wir nochmals auf den oben bereitserwähnten Hofthurm zu sprechen kommen. Derselbe istals der Hauptthurm der Burg, als der sogen. Bergfried,zu betrachten. Zur größeren Hälfte besteht er ausBnckelquader-Mauerwerk, wie bereits erwähnt wurde;über diesem Unterbau ließ Bischof Marquard von Berg einen Achteckaufsatz aufführen, der 3 Glocken in sich faßtund mit einer kupferbedeckten Kuppel schließt. Die Ge-sammthöhe des Thurmes beträgt 175 alte daher. Fuß;hoch überragt er alle Gebäude, gibt der Silhouette derStadt ein Charakteristikum und ist weit im Donauthalesichtbar.

(Fortsetzung folgt.)

Grundlegende Gesichtspunkte für Beurtheilungder Wührungsfrage.

Von Dr. Schw.

(Fortsetzung.)

Die Schwankungen des Geldwerthes bei dein einenund andern System sind bestimmt durch die Schwank-ungen des jeweils der Währung zu Grunde liegendenMetalls; bei der Papierwährung fehlt ein solcher An-haltspunkt; die Schwankungen sind daher möglicherweiserapiden Aenderungen unterworfen.

Wie bereits betont wurde, ist die Währuugsfragenicht so fast eine nationale, als vielmehr eine inter-nationale Frage. Handel und Verkehr ist heute nichtmehr ein localer, auch nicht bloß nationaler, son-dern ein internationaler, ein Weltverkehr. Für diesenVerkehr wäre es von der größten Bedeutung, wenndie einzelnen Staaten, welche miteinander in Handels-beziehungen stehen, die gleiche Grundlage des Geld-wesens besäßen. Thatsächlich ist dies jedoch nicht derFall. Wir haben in der Wirklichkeit nicht bloß miteiner Verschiedenheit der Eiutheilnug innerhalb gleicherWährungssysteine, sondern auch mit ganz verschiedenenWährungssystemcn zu rechnen. Insbesondere letztererUmstand übt äußerst einschneidende Wirkungen auf denVerkehr aus, die-sich in den sogen. Valntaschwauknngcnausdrücken.

Unter Valuta versteht- man den Werth des Geldeseines Staates ausgedrückt im Gelde eines andernStaates. Won Valuta spricht man daher lediglich iminternationalen Verkehre. Die Gleichung des Edelmetall-werthes zweier Währuugsmnuzcu verschiedener Länder..