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ausgedrückt in Einheiten einer der beiden verglichenenMünzen, nennt man Parität. Länder, welche beide dieGoldwährung oder beide die Silberwährnng haben, be-sitzen einen nnverändcrlichcn Gleichungspunkt, eine sogen,feste Parität. Z. B. Deutschland und Frankreich habengegenwärtig Goldwährung; in beiden Staaten ist alsoder Werth des Geldes mit dein Werthe des Goldes ver-knüpft. Der Werth des Goldes ist aber in beidenLändern derselbe, da er durch den Weltmarkt bestimmtwird. Der verschiedene Werth der deutschen und fran-zösischen Goldmünzen beruht daher lediglich aus der Ver-schiedenheit der Eintheilnng. Nach dem deutschen Münz -gesctze werden aus einem Kilogramm Feingold 2790 M.geprägt, nach dem französischen Gesetze aus 1 Goldvon Feinheit 3100 Franken ausgebracht. Darausergibt sich, das; Frankreich aus 1 stss .Feingold3100 X '°/g — Franken gewinnt. Sonach sind2790 Mark ---- rrooo^ Franken (denn beide enthalten1 Ic§ Feingold), und hieraus folgt, daß 100 Frankenjederzeit — 81 Mark sind. Wer also 100 Franken inGold eiuschmelzen lind in Mark ausprägen läßt, bekommtgenau 81 Mark. Er verliert nur den Betrag derPrägekosten oder tvas an der Münze allenfalls durch Ab-nutzung verloren gegangen ist. Bei Ländern mit gleicherWährung ist deßhalb lediglich eine Rechnnugsoperativ»vorzunehmen; eine weitere Schwierigkeit oder gar eine'Gefahr für den Verkehr besteht nicht. ^
Ganz anders verhält sich die Sache bei Ländernmit verschiedener Währung; wenn also beispielsweise daseine Land Goldwährung, das andere Silberwährung be-sitzt. Im Goldwährungslande folgt der Werth des Geldesdem des Goldes, im Silberwährnngsland dem des Silbers.Hier fehlt der feste Gleichnngspunkt. Man kann ledig-lich ausrechnen, wieviel aus einem Pfunde Gold indem einen Lande und wieviel aus einem PfundSilber im andern Lande ausgeprägt wird. In welchemVerhältniß jedoch Gold zum Silber steht, das bestimmtsich jeweils nach dem Weltmarkt. Wir haben hier alsokeine feste, sondern eine schwankende Parität. Mit jederVeränderung der Wcrthrclntiou zwischen Gold und Silberändert sich demnach auch der Werth der Valuten zwischenden Gold- und Silberländcrn. Diese Valutaschwanknngenbringen es mit sich, daß der Handel zwischen Ländernmit verschiedener Währung auf einer schwankenden Basisberuht, er ist stets zugleich mit einer Speculation ver-bunden, da keiner der Contraheuten bei Abschluß desGeschäftes weiß, wieviel er bei Erfüllung im heimischenGelde ausgedrückt bekommt. Dadurch ist der Handelzwischen solchen Ländern, weil mit einem gewissen Risicoverbunden, schon wegen der Währuugsverschiedenheit er-schwert. Noch viel mehr ist der Verkehr mit Ländernmit Papierwährung mit Gefahr verbunden, da Hiebei jedefeste Grundlage mangelt.
Das Barometer, an welchem die Valntaschwank-nngcn wahrgenommen werden können, bilden dieWechselkurse.
Der Ausgleich der gegenseitigen Zahlungsverpflicht-ungen im internationalen Verkehr geschieht nicht in Geld,sondern in Waaren. Das Mittel, durch welches dieserAusgleich der Transactioncn bethätigt wird, ist derWechsel, welcher an die Stelle von Baargeldsendnngenzwei inländische Zahlungen treten läßt. Hicdurch wirdeine Reihe wirthschaftlicher Vortheile erzielt, auf die hiernicht näher eingegangen werden kann. Lediglich ein Mehr
der Verpflichtungen des einen Staates gegenüber demandern Staate muß in Geld ergänzt werden.
Während in dem Falle, daß die gegenseitigen Ver-pflichtungen sich ungefähr das Gleichgewicht halten, derWechselkurs zwischen Ländern mit gleicher Währungder Parität entspricht, bei Schwankungen zwischen Gold-und Silberländcrn den Schwankungen der Wcrthrelationfolgt, kommt dann, wenn die Verpflichtungen zweierStaaten sich nicht ausgleichen, ein weiteres Momenthiezu, das den Preis der Wechsel beeinflußt. Anf Seitedes Staates nämlich, der mehr Verpflichtungen zu er-,füllen hat, entsteht eine erhöhte Nachfrage nach Wechselnjenes Landes, dem er sie zu erfüllen hat. Hicdurch wirdnach den Gesetzen der Preisbewegung eine Abweichungvon: Parikurs hervorgerufen, die aber eine ganz be-stimmte Grenze nach oben und nuten besitzt. Die obersteGrenze, bis zu welcher der Kurs steigt, ist bestimmtdurch die Kosten der Baargeldsendnug, der Umwechselung,allenfalls der Umprägnng und des Zinsverlnstes; sobaldnämlich der Preis des Wechsels so hoch über Pari ge-stiegen ist, als die oben erwähnten Aufwendungen aus-machen, wird ein weiteres Steigen dadurch verhindert,daß nunmehr nicht mehr Wechsel, sondern Baargelder insAusland geschickt werden. Diese obere Grenze nenntman den obern Goldpnnkt.
In ähnlicher Weife geht es dann, wenn ein Landan das andere ein Mehr von Forderungen hat. Indiesem Falle ergibt sich im ersten Lande ein Mehrangebotvon Wechseln auf das andere Land. Der Preis dieserWechsel fällt daher unter Pari. Sobald aber diese Dif-ferenz so groß wird, daß es für den Gläubiger rentabelwird, statt eines Wechsels Baargeld aus dem Auslandezu beziehen, ist die unterste Grenze oder der untere Gold-punkt erreicht. Die beiden Goldpunkte sind gleichwettvom Parikurse entfernt. Der ausländische Wechselverkehrwird naturgemäß durch die Banken vermittelt.
Ist dieser Wechselverkehr und damit der Handelschon zwischen Ländern mit gleicher Währung einiger-maßen complicirt, so kommt vollends in den Verkehrzwischen Ländern mit verschiedener Währung, insbesonderein den Verkehr mit Ländern mit sinkender Valuta ein derartspekulatives Moment, daß dadurch die schwierigsten Krisenheraufbeschworen werden können.
Aus dem Dargestellten geht bereits zur Klarheithervor, welch' große Bedeutung die WährungSfrage fürdas ganze Erwerbs- und Wirthschaftsleben besitzt. DerEinfluß dieser Frage wird als ein noch bedeutenderererachtet werben, wenn wir noch Folgendes berück-sichtigen:
Es ist eine weitverbreitete, aber nichtsdestowenigerirrige Anschauung, daß der Werth des Geldes etwasUnveränderliches ist. Man ist eben gewohnt, das Geldals die feste Elle zu betrachten, an welcher alles gemessenwird. Allein das Geld ist ein Gut und unterliegt derPreisbestimmung, wie jedes wirthschaftliche Gut, d. h.es ist in seinem Werthe veränderlich. Sobald eineWaare im Preise steigt oder sinkt, pflegt man die Ur-sache dieser Erscheinung auf Seite der Waare zu suchen,während doch die gleiche Veränderung dadurch hervor-gerufen werden kann, daß das Maß, an welchem derWechsel der Erscheinung gemessen wurde, in der entgegen-gesetzten Richtung sich verändert hat. So gut wie ausdem gleichen Quantum eines Stoffes mehr oder wenigerEinheiten gemacht werden können, je nachdem diese Ein-heit selbst kleiner oder größer gewählt wird, ebenso wird