Ausgabe 
(11.9.1897) 53
 
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der Werth einer Waare auch dann steigen oder fallen,wenn der Werth des Geldes gefallen oder gestiegen ist,auf Seite der Waare selbst aber ein werthveränderndesMoment nicht gegeben ist. Wie ist nun dieser Irrthumbezüglich der Wcrthconstanz des Geldes zu erklären?

Wenn >vir auf einem beweglichen Gegenstände unsbefinden, also die Bewegung dieses Gegenstandes mit-machen, wenn wir also beispielsweise auf einem in Be-wegung sich befindenden Schiffe weilen, so nehmen wirdie Bewegung nur wahr, wenn wir einen festen, ruhen-de» oder anders bewegten Punkt außerhalb des Schiffesins Auge fassen, nicht wenn wir unseren Gesichtskreisauf das Schiff allein beschränken. Oder wenn wir unsin einem Eisenbahuznge befinden, der sich allmühlig inBewegung setzt, so glauben wir nur zu häufig, ein da-neben stillestehender Zug bewege sich, während der Zug,in dem wir sitzen, fülle stehe. Trotzdem aber befindetsich das Schiff, der Zug, in dem wir uns befinden, inBewegung; nur die Wahrnehmung dieser thatsächlichenBewegung ist erschwert. Ganz ähnlich verhält es sichmit den für das Wirthschaftslcbcn so wichtigen Gcld-werthändernngcn. Nehmen wir unsere Goldwährung an.Hier ist der Werth des Geldes unzertrennlich mit demWerthe des Goldes verknüpft. Das Geld macht dieVeränderungen des Werthes des Goldes mit. Das Goldhat scheinbar immer einen festen Preis, das Kilo Goldkostet immer 2790 Mark. Allein dies heißt nichtsanderes, als daß aus 1 ÜA Gold stets 2790 Mark ge-prägt werden und 1 Mark immer der 2790. Theil einesKilo Goldes ist. lieber den Werth des Goldes ist damitgar nichts gesagt. Dieser kann nicht an unserm Geldegemessen werden; denn das hieße Gold mit sich selbstmessen. Den Werth des Goldes, die Kaufkraft desGeldes nehmen wir erst wahr, wenn wir denselben mitdem eines andern Gutes vergleichen, dessen Werth wirallerdings dann momentan als ruhend ansetzen müssen.Allein auch der Werth dieses Gutes ist thatsächlich imFlusse; es gibt überhaupt kein Gut, das unabänderlichenWerth besitzt, daher fehlt es geradezu an einem absolutsicheren Maßstab. Hieraus ergibt sich, wie schwer esist, die Gcldwcrthverändernngen tvahrzunehincn. DieSchwierigkeit der Feststellung ändert jedoch nichts anihrer Existenz.

Wie kann man nun trotzdem eine Beobachtung dieserAenderung in den Erscheinungen ermöglichen?

Man hat insbesondere drei Mittel, durch deren gleich-zeitige Anwendung, bezw. drei Einzelerscheinungen, durchderen gleichzeitiges Zusammentreffen man mit einer ge-wissen Sicherheit auf die Aenderungen des Geldwerthcsschließen kann, nämlich die Höhe der Waarenprcise, desArbeitslohnes und des Discontsatzes.

(Schluß folgt.)

Recensionen und Notizen.

Altfränkische Bilder mit erläuterndem Text vonDr. Theodor Henner. Herausgegeben und gedrucktin der kgl. Universitätsdruckercl von H. Stürtz inWürzburg, 1897 (mit einem Kalender für das Jahr1897).

A1VL. Es mag als ein Anachronismus erscheinen,einen Kalender für das Jahr 1897 anzuzeigen, nachdemschon mehr als die Hälfte des Jahres in das Meer derEwigkeit hinabgesunken ist. Doch dieses Kalendarinmgehört nicht zu jenen Tages- und Monatsanzeigern, diemit der fortschreitenden Zeit immer mehr von ihremWerthe verlieren und am Ende des Jahres in daZ Feuergeworfen werden: durch die innige Beziehung, in welche

die fliehende Zeit mit den bleibenden Denkmälern derKunst gebracht wurde, sind diese Blätter selbst vor derGefahr des Unterganges wirksam bewahrt. Es ist inWirklichkeit ein sinniger Gedanke, der nun zum drittenmalverwirklicht wird. diese Verbindung von Gegenwartnnd Vergangenheit, dieser täglich vorgeführte Eontrastzwischen der wirren Flucht der Erscheinungen und dermajestätischen Ruhe. in welcher die Denkmäler frühererJahrhunderte daran erinnern, daß nicht alles vergäng-lich ist, sondern das bestehen bleibt, rvas in den Dienstirgend einer hohen, unvergänglichen Idee gestellt wurde,zugleich aber eindringlich und ernst daran mahnen, daßauch wir unseren Vatern gleich die flüchtige Zeit zurSchaffung unvergänglicher Werke benähe». Wer m dieseredlen Weise einen neuen Ansporn gibt zu tüchtigem Thun.verdient den Daist der Besten, lind darum ist es nochehrenvoller für die Nachkommen der alten Franken, alsfür deil Leiter dieses Unternehmens selbst, daß dieInitiative des um Frankens historische und künstlerischeVergangenheit so hochverdienten Universitäts -ProfefforsDr. Heun er in den weitesten Kreisen seines engerenVaterlandes ein so entgegenkommendes Verständniß fand.Das Titelblatt dieses 3. Jahrganges ist womöglich nochglänzender ausgestattet als früher; das ganze Heft aberreiht sich den früheren in Allen, auf das würdevollste all.In bunter Reihenfolge ziehen diesmal vornehmlich kleinerefränkische Städte und selbst Dörfer, Steinbach bei Lohr ,Miltenberg, Wertheim, Karlstadt, Arnstein , die ehemaligeAbtei Oberzell, sodann die großen Metropolen Würzburg und Bamberg, nicht zuletzt Aschaffenburg . unsere Auf»merksamkeit auf sich, und Stadt, Städtchen und Dorf.alle spenden das eine oder andere Denkmal aus dergrößeren oder geringeren Fülle ihrer Kunstschätze, ver-schieden an Werth, mannigfaltig in ihrer künstlerischenErscheinung, bald der jüngsten Kunstperiode des 18. Jahr-',lmnderts «»gehörig, bald weit hinausragend in die frühereReihe der Jahrhunderte, alle Zweige der Kunst darstellend;von der würdigen Architektur des 11. Jahrhunderts biszu dem prunkhaften Palaststil des 18., von demernsten Grabdenkmal bis zu den Musengruppen desHofgartens in Veitshöchhcim, die am Mangel des Ernstesnichts zu wünschen übrig lassen, von den kirchlichen Ge-rüchen bis zu den Erzeugnissen der frciesten profanenKunst. Alle aber verdienen Beachtung und verständuiß-volle Würdigung, denn alle sind Zeugen des Strebcnsnach dem Ideal wahrer Kunstthätigkeit, alle sprechen vonder historischen Bedeutung der fränkischen Lande, allesingen, jedes nach seiner Weise, das Lob Frankens. AlsInterpret fränkischer Geschichte und fränkischer Kunst be-gleitet dei, Wanderer der liebenswürdige »Hwtorlvusttonnsr uostor", der jedes Denkmal in seinen historischenRahmen hineinzustellen, jedem den in ihm liegenden Zauberzu entlocken weiß. Mag darum auch der Herbst mit großenSchritten hcraneilen und des müden Wanderers Schrittezurücklenken an die Stätte seiner täglichen Arbeit, aufden Höhen, die der Kunst geweiht sind, gibt es keinenHcrbstnebel noch Winterfrost, sondern lauter Sonnen-schein. Möge jeder, der diese Bilder mit sinnigem Augebetrachtet, diesen Sonnenstrahl hineinleuchten lassen mdas tägliche Getriebe seiner Lebensthätigkeit, möge er sichbegeistern für die wahren Ideale des Lebens und seineStrophe hinzufügen dem großen Gesänge, den Geschichteund Kunst, Vergangenheit und Gegenwart, Mensch undMenschheit. Jahr und Jahrhunderte demjenigen zu singenbestimmt sind, von dessen unendlicher Schönheitsfülle diemenschliche Kunst ein Abbild zu sein und eine 'Ahnungzu geben bestimmt ist!

Meringer Rud., Indogermanische Sprachwissenschaft.12". 136 SS. Leipzig, G. I- Göschen 1897. Preis80 Pfg. gebunden.

^Brugmann in der Westentasche" könnte man diesestreffliche Büchlein nennen, wollte man es mit dem Namendes Meisters der neueren indogermanischen Sprachwissen-schaft bezeichnen; enthält es doch in nnoo, übersichtlich ge-ordnet. die gesicherten Ergebnisse indogermanischer Sprach-vergleichung in einer wohlverständlicheu nnd doch strengwissenschaftlichen Darstellung. Es betritt damit das59. Bündchen der gediegenenSammlung Göschen" einWissensgebiet, das. auf die engsten Fachkreise beschränkt,der Popularifirung nicht geringe Schwierigkeiten entgegen»