372
fetzt. Der Verfasser, ein namhafter Sprachforscher, hatferne Aufgabe in musterhafter Weise gelöst. Es ist er-staunlich, wie reichhaltig dieses kleine Büchlein ist, welcheFülle von Beispielen das Kapitel „Die Lautlehre derindogermanischen Grundsprache" bietet. Meringer gibtuns einen zuverlässigen Führer für den ersten Gang inein hochinteressantes Gebiet, das, durch den Scharfsinnhervorragender Linguisten erst in neuerer Zeit erschlossen,doch schon eine große Ausdehnung und Vertiefung ge-wonnen hat und mit Riesenschritten täglich zunimmt,mag es auch noch viele Räthsel bergen. Der Einblick inden Wunderbau indogermanischer Sprachverzweigungfördert in dem denkenden Leser immer mehr die Einsicht,daß »richt Willkür, sondern Gesetzmäßigkeit im Leben derSprache herrscht. Ist die Sprachwissenschaft auch weitentfernt, alle Sprachen (nach dem biblischen Bericht) aufeine einzige Ursprache zurückführen zu können, und wird siedies Ziel wyhl auch nie erreichen, so kann sie doch gegendie Möglichkeit einer Ursprache (vgl. S. 42) keine wissen-schaftlichen Gründe geltend machen: im Gegentheil, dieForschung zieht die Kreise der Sprachverwandtschaft immerweiter: ist die junge Wissenschaft jetzt schon im Stande,die große Zahl indogermanischer Sprachen auf einen ur-indogermanischen Stamm in sicher erschlossenen Formenzurückzuführen, so darf man ihr auch nicht die Fähigkeitabsprechen, in Zukunft einmal Svrachstämme zu ver-gleichen, die jetzt noch für unverwandt gelten: Versuchedazu haben wir bereits. Vorzüglich ist die Ausstattungdes Büchleins: man fragt sich, wie es bei der den Druckerschwerenden und vertheuernden. Mit Hilfe der vielendiakritischen Zeichen wissenschaftlich durchgeführten Um-schrift möglich ist, ein solches Buch, das sich feiner Naturnach an keinen großen Leserkreis wendet, um M Pfennige-zu bieten! Gymnasialschüler dürften sich beglückwünschen,eil» so handliches und vortreffliches Büchlein zu besitzen,das ihnen Anleitung gibt, dre sprachlichen Studien derSchule, die dem Kreise des indogermanischen Stammeszugchören, mit mehr Sinn und Verstand zu betreiben,als es gewöhnlich geschieht. Leider haben freilich auchsogenannte „Philologen" sehr oft keine blasse Ahnung vonSprachgeschichte und Sprachvergleichung.
Hecker Osk., Die italienische Umgangssprache in siiste-matischer Anordnung und mit Äussprachehilfen.8°. XII -st 312 SS. Braunschweig, G. Wettermann,1897. Preis 4 Mk. geb.
r Nach dem Vorbild der ausgezeichneten „deutsch-französischen Phraseologie" von Bernh. Schwitz (Berlin ,Langenscheidt. 11. Aufl. 1895. VIII -j- 180 SS. Preis8 Mk. gebd.), nur eingehender und umfangreicher, ist vor-liegendes Buch bearbeitet worden. Es hat vor den zahl-reichen ähnlichen Arbeiten ganz erhebliche Vorzüge undbringt einen überaus reichen Schatz wirklicher Umgangs-sprache, alltäglicher und doch in Lehr- und Wörterbüchernso oft vergeblich gesuchter Redewendungen in übersicht-licher Anordnung. Jede Seite des Buches, welches dasreinste Toskanisch in seiner vollen Mannigfaltigkeit undl-bendigen Schönheit widerspiegelt, gibt Zeugniß vomjahrelangen, redlichen Bemühen des Verfassers, eine wirk-lich viel beklagte Lücke in den Lehrmitteln des Italienischen auszufüllen. Größte Sorgfalt ist auf die Aussprache-bezeichnung verwendet worden, welche die üblichen Hand-bücher fast durchgehends vernachlässigen; so sind dieoffenen und geschlossenen v und o (an denen sich der Aus-länder in Italien sofort verräth), sowie die harten undweichen s und durch eigene Zeichen unterschieden, auchder Wortton ist genau bezeichnet. Man kann dem werth-vollen Buche nur ein uneingeschränktes Lob spenden; esird dem lernbegierigen Leser ein mächtiger Anspornsein. sich in der schönsten aller modernen Sprachen immermehr zu vervollkommnen.
Friese C., Die Rückenmarkskrankheiten undihre Behandlung. 8°, 72 SS. Berlin, HugoSteinig 1897 (II). M. 1.50.
Das vorliegende Buch. zu dessen Erscheinen eineneue Behandlungsmethode der Rückcnmarksleiden dieäußere Veranlassung geboten hat, ist in der neuen Auf-lage vom Verfasser so ausgedehnt und erweitert worden,daß es vollständig ein Bild der verschiedenen hieher-
gehörenden Erkrankungsformen bietet, ihr Wesen undihren Verlauf erörtert, und neben der neuen auch diealten Behandlungsmethoden schildert und einer eingehen-den Kritik ihres Werthes, ihrer Bedeutung und ihrer Er-folge unterwirft. Der Leser, der Belehrung sticht, findetin der Abhandlung alles, was ihn interessiren kann, undzwar in einer Darstellung, die an das Verständniß desÄaienpublikums keine besonderen Anforderungen stellt.Ganz besonders muß das Buch den Leidenden selbst em-pfohlen werden, weil sie hier sich schnell, bequem undausgiebig über das orientiren können, was irgend eineHeilmethode zu leisten vermag, und auf welchem Wegesie am raschesten zu einer definitiven Heilung oder ge-gebenenfalls zu einer wesentlichen Besserung chrer Be-schwerden und ihres Leidens gelangen.
Gihr Nik., Das heilige Meßopfer dogmatisch, liturgischund ascetisch erklärt. 8». XVI -st 734 SS. Frei-burg i. Br., Herder. 1897. (VI.) Preis 7 Mk.
» Zum sechsten Male erscheint Gibr's klassischesWerk über das Meßopfer, ein Beweis für den Werthund das Ansehen, das es unter dem Klerus genießt.Man kann in der That dieses herrliche Buch, eine reicheQuelle der Belehrung und Betrachtung, immer wiedervon neuem lesen, ohne dessen überdrüssig zu werden. DasWerk gehört zum unentbehrlichen Rüstzeug auch be-scheidener theologischer Bibliotheken, lind findet, wie diestarken Auflagen zeigen, meistens wohl auch darin denverdienten Ehrenplatz. Möchte man nur auch allenthalbenden Nutzen daraus ziehen, dem erhabenen Opfer, das esbehandelt, seine Bedeutung im Mittelpunkt alles Cultuszu wahren, damit dieselbe nicht durch die Unmasse der„beliebten" Volksaudachten in den Hintergrund gerathe!
Gruber, Pater H., 8. 3., Aberglaube und Un-glaube bei den Anhängern des lutherischen bezw.reformirtcn Bekenntnisses. Einige Glossen zurkirchen-politischen Ausschlachtung des Vaughan-Schwindels durch den Superintendenten Gallwitz.45 Seiten. Preis 50 Pfg. Verlag der Germania ,Berlin .
Unter diesenr Titel liegt nun aus der Feder des inder letzten Zeit vielgenannten k. Gruber 8. 3. ebenfallsein höchst schätzenswertster Beitrag vor. Man sieht esdenr Verfasser an, daß er nur mit Widerstreben in wissen-schaftlichen Kreisen längst bekannte Dinge von Neuem be-handelt. deren ausführliche Darlegung natürlich obendreinvielen Protestanten nicht einmal angenehm sein wird.Allein er wurde dazu durch die Haltung der protestant-ischen Presse und insbesondere eines evangelischen Super-intendenten, des Herrn Gallwitz in Sigmaringen , daeinige allgemein gehaltene schonende Hinweise und Richtig-stellungen hartnäckig ignorirt wurden, förmlich gezwungen.Die Abfertigung, welche insbesondere Herrn Gallwitz zuTheil wird, »st zwar scharf, aber in vollem Maße ver-dient. Jeder billig denkende Leser wird die Schrift mitvielem Genuß und mit reicher Belehrung zur Kenntnißnehmen. Namentlich sei auch auf den Abschnitt derselbenverwiesen, in welchem die erstaunlichsten Dinge überfrüheren und zeitgenössischen Aberglauben bei An-hängern des reförmirten Bekenntnisses mitge-theilt werden. __
Erinnerungen aus schwerer Zeit. Zugleich einBeitrag zur Entwickelung der Schulfrage in Preußen von Theodor Palatiuus. Münster i. Wests. Verlagder Älphonsus-Buchhandlung. Preis 40 Pf.
Das auf dem Boden gewissenhaftesten Studiums deseinschlägigen Quellenmaterials beruhende Werkchen führtuns ein Stück Eulturkampfgeschichte. und zwareines der allerbeklagenswerthesten, in überaus fesselnderDarstellungsweise vor Augen. Die Entchristlichung derSchule, wie sie vom Fürsten Bismarck in rücksichtslosesterWeise eingeleitet wurde, zeitigt bereits heutigen Tages dietraurigsten Früchte, und heute ebenso wie vor 20 Jahrenbesteht die Hauptaufgabe aller auf christlich-conservativemBoden stehenden Politiker in dem Kampf um die Zurück-eroberung der Schule für das Christenthum. Wer indiesen» Kampfe sich bethätigen will — und Niemand solltesich davon ausschließen — dem wird die vorliegendeBroschüre eine Fülle schätzenswerthen Materials bieten.