Die Aussprüche Jesu von Behnesa.
Im vergangenen Winter nahncen die EngländerGrenfell und Hunt im Auftrage des Egypt ExplorationFund bei dem Dörfchen Behnesa, das am Rande derlibyschen Wüste auf den Ruinen des alten Oxyrhynchus,der Hauptstadt des 19. NomoL des alten Aegypten, liegt,Ausgrabungen in größerm Stile vor. Die Ausbeuteübertraf alle Erwartungen. Man fand 150 meist com-plete Papyrusrollen und 280 Kistchcn Papyrus-Frag-mente. Die erster» gingen in das Eigenthum der ägypt-ischen Regierung über. Sie sollen durch den Egypt Ex-ploration Fund publieirt werden. Die letztem sind nachEngland gebracht. Ueber sie werden schon jetzt einigeinteressante Einzelheiten bekannt. Die betreffenden Hand-schriften sind, mit geringen koptischen, lateinischen undarabischen Ausnahmen, griechisch geschrieben und ent-stammen der Zeit vom 1. bis 8. oder 9. nachchristlichenJahrhundert. Es befinden sich darunter Fragmente desEvangeliums nach Matthäus aus einer Handschrift des3. Jahrhunderts, und vor allem ein Blatt aus einerSammlung von Aussprüchen Jesu, welches noch mehrals jene das Interesse der Theologen wecken wird. Ausdem Gebiete der klassischen Literatur finden sich Theileuralter Handschriften des Homer und Aristophanes , desThukydides und Demosthenes , wahrscheinlich auch derSappho . Historisch von Bedeutung ist ein Theil eineschronologischen Werkes, die zweite Hälfte des 4. Jahr-hunderts v. Chr. G. enthaltend.
Als erste Veröffentlichung aus dem Funde liegt seiteinigen Tagen das erwähnte Fragment einer Sammlungvon Aussprüchen Jesu vor. (LoZis, lleau, ok
Our 4>orci, äiseovoroä anä eäitsä bzc L. k. Orankellanä tl. 8. Hunt, I-onäon 1897.) Das Fragment bildeteein Blatt eines Buches im Format von fünf zu drei Zoll.Es trägt die Zahl elf in griechischen Buchstaben. Nachder Darlegung der Herausgeber wurde es wahrscheinlichum das Jahr 200, sicher aber zwischen 150 und 300n. Chr. Geburt geschrieben. Da das Blatt gelitten hat,ist nur ein Theil des Inhaltes lesbar, nämlich sechs vonacht Aussprüchen, zwei allerdings auch nur zum Theil.Der kurze Text lautet in wörtlicher Uebersetzung aus demGriechischen: „.... 1. und dann magst du sehen, denSplitter in dem Auge deines Bruders herauszuziehen.2. Jesus sagt: Wenn ihr der Welt nicht entsaget (wörtlich,fastest), so werdet ihr das Reich Gottes nicht finden;und wenn ihr den Sabbat nicht haltet, so werdet ihrden Vater nicht sehen. 3. Jesus sagt: Ich stand mittenin der Welt und erschien ihnen im Fleische, aber ich fandalle trunken und fand keinen, der dürstete, unter ihnen,und meine Seele ist betrübt über die Menschenkinder,weil sie blind sind in ihrem Herzen.... 5. Jesus sagt:Wo immer.... einer allein ist, bin ich bei ihm. Hebeeinen Stein auf, so wirst du mich finden, spalte einenBaum, so bin ich da. 6. Jesus sagt: Kein Prophet istangenehm in seiner Vaterstadt, und kein Arzt vollbringtHeilungen bei denen, die ihn kennen. 7. Jesus sagt:Eine Stadt, die auf der Spitze eines hohen Berges er-baut und gegründet ist, kann weder fallen noch verborgenbleiben." Das vierte und das achte Logion sind nichtmehr lesbar.
Der erste dieser Aussprache stimmt genau mit Luc.8, 42; der 6. in seiner ersten Hälfte mit Luc. 4, 24,
während die zweite Hälfte neu ist; der siebente, dem In-halte nach, mit Matth. 5, 14. Ganz neu sind dagegender zweite, dritte und fünfte Ausspruch. Auch unterden seither bekannten nichtcanonischen Herren-Wortenfinden sie sich nicht.
Unser Fragment wird sicherlich sogleich der Gegen-stand eingehender Detailforschnng werden. Diese wirdes hoffentlich klar stellen, ob wir es in dem Werke, demdaS Fragment entstammt, mit einer auf Grund der canon-ischcn Evangelien und anderer verloren gegangenerQuelle» unternommenen Sammlung von AussprüchenChristi aus der Urzeit des Christenthums zu thunhaben, oder mit einer selbstständigen Schrift. (Köln, Volksztg.)
Cardinal Otto Trmhscß von Waldbnrg, Bischofvon Augsburg ( 1543—1573).
Von Dr. Thomas Specht.
(Schluß.)
Die Reformation in seiner Diöcese oder, wie wütvielleicht besser sagen, die katholische Restauration wurdevon Otto mit allem Eifer betrieben. Es ist nicht mitUnrecht gesagt worden, daß Otto für die Diöcese Augs-burg war, was Karl Borromäns für Mailand gewesen.Als er das bischöfliche Amt antrat, fand er die Diöcesein einem traurigen Zustande. In Augsburg und ineinem guten Theile des weiten Sprengels war die neueLehre eingedrungen und hatte bereits festen Fuß gefaßt.Viele Gemeinden waren ihrer Kirchen und ihres Ver-mögens beraubt, die kirchliche Disciplin erschlafft, derKlerus zum Theil vertrieben, zum Theil abgefallen, und demnoch vorhandenen Klerus fehlte es vielfach an dem nöthigenWissen und der standesgemäßen Tugend und Frömmig-keit. Auch in den Klöstern war die Zucht gesunken.Daß es unter solchen Verhältnissen im Volke und in denhöheren Ständen auch nicht gut aussah, läßt sich denken.
Die Mittel, deren sich Otto zur Erhaltung und bezw.Wiedereinführung des katholischen Glaubens und zur Ver-besserung der Kirchenzncht bediente, waren Visitationen,die Abhaltung von Synoden, die Durchführung der Re-formdekrete des Concils von Trient , die Heranbildungeines tüchtigen Klerus u. a. m.
Die Visitationen hatten den Zweck, über den Zu-stand der Diöcese in religiöser und sittlicher BeziehungKenntniß zu erlangen und die Beseitigung der entdecktenMißstände entweder sofort zu bewerkstelligen oder dochvorzubereiten.
Die erste Synode hielt Otto noch in dem Jahreab, in welchem er Bischof wurde, woraus hervorgeht, mitwelchem Eifer er in der That das Reformationswerk be-trieb. Er versammelte sich 1543 mit seinem Klerus zuDillingen. Es wurden dabei vornehmlich die Statutenfrüherer Synoden erneuert, aber auch einige andere, denZeitumständen entsprechende erlassen.
Zum zweiten Male versammelte Otto seine Diöcesan-geistltchkeit um sich im Jahre 1548, wiederum zu Dil-lingen. Es erschienen Acbte, Pröpste, Decane und Käm-merer in großer Zahl. Am ersten Tage der Synodezogen die Mitglieder um 7 Uhr in feierlicher Processionin die Pfarrkirche, wo der Cardinal selbst die Messe äsLpiritu sanoto celebrirte. Hierauf begab man sich insSchloß, in dessen oberen Saale die Berathungen ge«