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'pflogen wurden. Es wurden heilsame Bestimmungen ge-troffen in Betreff des Welt- und Ordensklerus, derSpendung der Sakramente u. s. w. Eine Commissionnahm auch die Beschwerden der Geistlichen und Laienentgegen. Otto, der fromme und demüthige Bischof,forderte, es solle ein Ausschuß von Shnodalzeugen seineeigenen Sitten prüfen und ihm im Namen der Synodeheilsame Ermahnungen geben. Darauf wurde ihm ge-antwortet, man habe keinen weiteren Wunsch, als daß erdie aufgestellten Statuten streng gewissenhaft durchführeund gleichsam als lebendiges Gesetz (vvlut lex aiürnnta)allen ein gutes Beispiel gebe (Braun B. 3 S. 403).
Eine dritte Synode fand statt 1567, gleichfalls inDillingen. „Der Zweck derselben war, nach den De-kreten des Concils von Tricnt den Klerus und das Volkzu resormiren, die Mangel und Mißbrauche zu heben,und was zur Erhaltung und Belebung des Glaubensund der Sitten dienlich wäre, zu verordnen" (BraunS. 469, 470).
Wie in seiner Diöcese, so suchte Otto auch in seinemStifte Ellwangen die Reform im Geiste und nach denVorschriften der Kirche durchzuführen.
Uebrigens vergaß Otto bei seinem Rcformations-werke sich selbst keineswegs. Wir haben bereits gesehen,welche Forderung er an die Synode von 1548 hinsicht-lich seiner Person stellte. Ich führe noch Folgendes an.Die geistlichen Uebungen des hl. Jgnatins, die als einvorzügliches Mittel zur Förderung eines wahrhaft geist-lichen Lebens anzusehen sind, empfahl er nicht bloß an-deren, sondern machte sie als einer der ersten deutschenPrälaten auch selbst mit, das eine Mal 1542 bei demseligen k. Faber, ein anderes Mal unter dem k. LeIah, und zwar im Kloster zu Ottobenren (Hist. Jahrb.B. 7 S. 388, 389).
Die Reform des sittlichen Lebens suchte Otto auchin den höheren Ständen der Gesellschaft durchzuführen.Besonders war er bestrebt, dem Laster der Trunkenheitentgegen zu wirken, welches im 16. Jahrhundert geradeunter dem Adel, vorn untersten bis zum obersten, auchan den fürstlichen Höfen weit verbreitet war und vieleneinen frühzeitigen Tod brachte. Um diesem Laster undseinen schlimmen Folgen zu steuern, errichtete er zweiJahre nach seiner bischöflichen Erhebung, 1545, mit 42Grafen und Freiherren zur Abschaffung des üblen Zu-trinkens eine Verbindung unter dem Titel „Johannes-gesellschaft", deren Mitglieder als Abzeichen ein silbernesSt. Johannesbild trugen. Wer die Statuten übertrat,mußte sich selbst anzeigen und das Bild zurückstellen. DerErfolg scheint ein guter gewesen zu sein. Wenigstensdankt Abt Gerwick von Weingarten dem Cardinal fürdie Aufnahme in die Gesellschaft mit dem Bemerken,hätte die Einrichtung schon vor 30 Jahren bestanden, sowürde es jetzt mit seinem armen Kopf und Magen besserstehen, denn es leider wirklich steht (Hist. Jahrb. B. 7S. 192).
Als ein geeignetes Mittel zur Verbesserung deskirchlichen Lebens betrachtete Otto die Einführung desOrdens der Gesellschaft Jesu , deren Seeleneifer nildReinheit er in Rom keimen gelernt hatte. Es gelangihm zwar noch nicht, dem Orden in Augsburg eineklösterliche Niederlassung zu bereiten, aber er hatte dochdie Freude, in jener Stadt einzelne Mitglieder zu sehen.Dazu gehörte der selige Petrus Canisins und Le Jay.Canisins wirkte als Domprediger auf der Kanzel undgls Seelsorger mehrere Jahre ungcmein segensreich.
Ihm ist, soweit die menschlichen Mittel in Betracht;kommen, die Zurückführung eines großen Theiles der'Augsburger Bevölkerung zum katholischen Glauben vor-nehmlich zuzuschreiben.* Le Jay stand als gelehrter Theo-log unserm Bischof zur Seite, wie er denn auch von ihmals Concilsthcologe nach Trient geschickt wurde. GegenCanisins bewies Otto stets eine hohe, man möchtesagen unbegrenzte Verehrung. Selbst die scharfen Mahn-ungen, welche Canisins an Otto wegen seiner oftmaligenund langdauernden Abwesenheit von seiner Diöcese undder daraus entstehenden Nachtheile richten zu müssenglaubte, konnte diese Verehrung nicht mindern, >va3gewiß beiden zur höchsten Zierde gereicht.
Ein Hauptmittel der Reform erblickte Otto endlichin der Heranbildung eines seeleneifrigen, gebildeten undfrommen Klerus. Zu diesem Zwecke gedachte der weit-schauende Mann eine Anstalt ins Leben zu rufen, inwelcher der Klerus der Zukunft die nöthige wissenschaft-liche und moralisch-ascetische Bildung erhalten sollte. Zndiesem Zwecke gründete er 1549 in Dillingen eine Schule,welche sowohl unser heutiges Gymnasium als auch diephilosophische und theologische Fakultät in sich schloß.Zugleich errichtete er daselbst ein Internat, nämlich dasSeminar oder Convict zum hl. Hierouhmus. Die An-stalt wurde auf Bitten Otto's von Papst Julius III .1551 zum Range einer Universität erhoben und mit denentsprechenden Privilegien ausgestattet. Im Jahre 1564übergab Otto die Universität und das Kollegium (Seminar)dem Orden der Jesuiten zur Leitung. Durch die Gründungdieser Lehr- und Erziehungsanstalt hat Otto nicht bloßfür seine Diöcese, sondern für ganz Süddentschland ammeisten zur Erhaltung und Belebung des katholischenGlaubens und zur Heranbildung eines tüchtigen Welt-und Ordcnsklerns und damit zur Reform des kirchlichenLebens gewirkt.
Ich komme nun dazu, das Lebensende unseresKardinals zn schildern. Im Jahre 1569 begab sichOtto wiederum nach Rom — zum siebenten Male. DieGründe der Abreise waren pecnniärer Natur. DieserUmstand veranlaßt mich, vorerst noch einiges über dieFinanzen Otto's zu bemerken. Als derselbe Bischof vonAugsburg geworden war, gerieth er mehr und mehr inGeldverlegenheiten. Die Ursachen waren verschiedene.Fürs erste litt das Hochstift und Otto persönlich sehrschwer durch zivei Kriege, den schmalkaldischen und dendurch den Kurfürsten Moriz hervorgerufenen Krieg. So-dann pflegten die Neichsfürsten der damaligen Zeit großenAufwand zn machen, und bei Otto kam noch die persön-liche Neigung zu Repräsentation hinzu. So war derselbeauf dem Reichstage zu Augsburg 1547/48 von einemaus 50 Personen bestehenden Gefolge, Grafen , Baronen,Edlen, Juristen und Theologen, umgeben. (Vgl. ChronikII, 88; Hist. Jahrb. B. 7 S. 88.) Ein anderer Fall.Im Anfang des Jahres 1568 begab sich der Cardinalvon Augsburg mit einem großen Staat von mehr als100 Pferden nach München , um der Hochzeit des HerzogsWilhelm mit der Prinzessin Renata von Lothringen bei-zuwohnen. Uebcrhanpt verschlangen die vielen Reisen,die Otto unternahm, sei es zu den Reichstagen oder nachRom oder anderswohin, viel Geld. Des weiteren zeich-nete sich Otto durch eine großartige Freigebigkeit ausund war auch nicht frei von gewissen Liebhabereien,die ihn theuer zn stehen kamen. Ein großer Freund derMusik, hielt er in Rom Anfang der 60er Jahre eineeigene Kapelle für Kirchenmusik und wahrscheinlich auch