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für Privatzwecke, welche er erst 1665 in Deutschland beurlaubte. Das tägliche Opfer wurde von ihm nie ohneMusik dargebracht: sinnig Zensris s^nipstonias oon-ssntu (Hist. Jahrb. B. 7 S. 186). Die größten An-sprüche aber stellte an ihn die (Ärichtung und Unter-haltung der Universität Dillingen . Es mußten in deroberen Stadt Bauplätze erworben, Häuser angekauft, ab-gerissen oder adaptirt oder auch neu gebaut, die ganzeAnstalt mit den nöthigen Einrichtungen versehen, derUnterhalt der Professoren und Zöglinge bestricken werdenu. s. w. Dazu wurde von ihm die Summe von100,000 Gulden aufgewendet. Die Sache gestaltete sichfür ihn um so schwieriger, als das Domcapitel vorerstder Uliiversitätsgründuug sehr kühl gegenüberstand undsich zu einer finanziellen Unterstützung nicht geneigt zeigte.Zu den Ausgaben Otto's für Bauten muß auch dieWiederherstellung und Ausmalung seiner Titularkirche inRom (St. Sabina), die Restauration der fürstlichen Resi-denzen zu Dillingcn und Ellwangcn, die Wiederherstellungmehrerer Schlösser in feinen: Bisthum u. a. in. gerechnetwerden (vgl. Chronik II, 17; Steichele, Das BisthnmAugsburg III, 63). Ueberhanpt war Otto ein großerBauliebhaber.
In der Mitte der 50er Jahre scheinen die Schuldenzu einer großen Höhe angewachsen zu sein, so daß dasunzufriedene Domcapitel sogar mit dem Plane umging,den Bischof abzusetzen. In dem hiewegen 1555 zu Staudegekommenen Vergleich, der 27 Punkte enthält, wurde fest-gesetzt, daß Otto als regierender Bischof zwar die Ad-ministration des Stiftes Augsburg im Geistlichen, sowiedie Regierung und Verwaltung der Justiz in: Weltlichenbehalten, daß hingegen der größte Theil der Finanz-verwaltung der Oberaufsicht des Domcapitels unterstelltund so eine regelrechte Schuldentilgung ermöglicht werdensollte (Braun B. 3 S. 496 f.). Die Geldverlegenheiten,um das auch zu erwähnen, erklären das Streben Otto'snach neuen Benefizien.
Im Jahre 1569 reiste Otto, wie schon erwähnt,nach Rom , um seinen Gläubigern zu entgehen und Er-sparnisse zu machen. Letzteres war ihm dort leichtermöglich als in der Hcimath. In Rom verweilte er biszu seinem Tode. Im Jahre 1573, also nach vierjährigemAufenthalte, schickte sich Otto an, nach Augsburg zurück-zukehren, um mit den von ihm selbst und seinen Beamtengemachten Ersparnissen seine Gläubiger zu befriedigen.Da fiel er plötzlich in eine tödtliche Krankheit, welcher eram 2. April erlag. Gregor XIII. richtete an das Dom-capitel in Augsburg ein Beileidschreiben (Histor. Jahrb.B. 7 S. 207). Ueber die näheren Umstände des TodesOtto's wird uns nichts berichtet. Von dein Verlaufeseiner Krankheit in ihrem ersten Stadium erstattete erregelmäßig Bericht au Herzog Albrecht. Darnach litt eran einem Mageuübel, welches er nach dem Urtheile derAerzte sich dadurch zugezogen hatte, daß er im Sommerin Eis gekühlten Wein trank. Dazu kam dann noch einSteinleiden, dieselbe Krankheit, die auch Herzog Albrechthatte. Otto scheint viel gelitten zu haben. Eine Mit-theilung an Albrecht schließt mit den Worten: katcksntia,ich leid's mit Geduld (Wimmer S. 132).
Die Ueberreste Otto's wurden in der deutschenNationalkirche L. Ll. äs amina. beigesetzt, dem PapsteHadrian VI. gegenüber, dem letzten Papste deutscher Ab-kunft. 40 Jahre nachher, 1613, wurden seine Gebeinevon Johann Gottfried, Bischof von Bamberg , Gesandterdes Kaisers Mathias, nach Augsburg , im Jahre darauf,
1614, nach Dillingen gebracht, wo sie tn der akademischenoder Jesnitenkirche neben dem Altare des hl. Hieronymusihre Ruhe fanden. Bischof Sigmuud Franz, ließ imJahre 1657 seinem erlauchten Vorgänger ein Monumentsetzen mit einer lateinischen Inschrift.
Die Trauer um den Cardinal war namentlich inDillingen eine große. Das Diarium der Akademie sagt,Otto sei gestorben zum großen Schmerze aller Guten(inagno donorum oinniurn äolors). Die Akademiehielt zwei Tranergottcsdienstc, am 17. April und 2. Mai.Das erste Mal wurde eine, das zweite Mal zwei Trauer-reden gehalten. In der Folge hielt die Akademie all-jährlich am Todestage ihres Stifters einen Gedächtniß-gottesdienst.
Zum Schlüsse möchte ich noch eine allgemeine Cha-rakteristik Otto's geben. Ich will das weniger mit meineneigenen Worten als mit den Worten und Urtheilen der-jenigen thun, welche als Zeitgenossen unsern Cardinalgekannt oder mit seinem Leben und seiner Wirksamkeiteingehend sich beschäftigt haben. Es wird sich dabeiGelegenheit bieten, einiges kurz zu berühren, was imbisher Gesagten keine Erwähnung gefunden.hat.
Die Pappenheim 'schc Chronik (I, 116) und der Ver-fasser der Geschichte der Bischöfe von Augsburg, PlacidusBraun (III, 515), stimmen darin überein, Cardinal Ottosei ohne Widerrede eine der größten Zierden der kathol-ischen Kirche und des Reiches gewesen, welchen er untermehreren Päpsten und drei Kaisern mit Aufopferung vonHab und Gut und seines eigenen Lebens von Jugendauf bis an sein Ende treu gedient, wcßhalb er vonjedermann in und außer dem Reiche, sogar von seinenFeinden, hochgeschätzt, von den römischen Kaisern aber,den Erzherzogen von Oesterreich und den Herzogen vonBayern durch ausgezeichnete Gnaden und Vertrauengeehrt worden sei. Selbst in Italien, Spanien, Frank-reich und den Niederlanden sei sein Name, seiner Tugendenund Talente wegen, mit Achtung genannt worden. Braunund Dnhr führen eine Reihe von Zeugnissen über Ottoan, die von Zeitgenossen stammen. Es sind berühmteMänner, solche, die in Kirche und Staat oder in dergelehrten Welt sich einen Namen gemacht haben. Indiesen ehrenden Zeugnissen wird an Otto gerühmt seingroßer Eifer für die Religion, seine Klugheit und Weis-heit in der Regierung seines Bisthums und in der Aus-führung der ihm von den höchsten Persönlichkeiten über-tragenen Geschäfte, seine Liebe zu den Wissenschaften undseine Hochschätzimg der Freunde der Wissenschaft und derGelehrten, sein wohlthätiger Sinn und seine Freigebig-keit in der Unterstützung Hilfsbedürftiger oder in derFörderung gemeinnütziger Einrichtungen, seine Frömmig-keit, Demuth, Herablassung und Sittenreiuheit (vgl. dazuHist. Jahrb. B. 7 S. 207). Das glänzendste Zeugnißhat unserm Cardinal Herzog Albrecht V. von Bayern iu,einem Schreiben an Papst Pins V. ausgestellt. Er,'schildert ihn darin als Bischof und Staatsmann und hebt§seine Anhänglichkeit an Papst und Kaiser , seine Verdienste'um das Reich, die Kirche und besonders sein eigenesBisthum, sowie seine persönlichen Tugenden und Vorzügein den ehrendsten Ausdrücken hervor. Namentlich gedenkter der Verdienste, die sich der Cardinal durch die Gründungder Universität Dillingen weit über die Grenzen seinesBisthums hinaus erworben hat.
Daß an Otto nicht alles vollkommen war, werwollte das bestrickten? Gleichwohl war er ein bedeutenderMann. Dieses Lob kann ihm die Nachwelt so wenig