Ausgabe 
(18.9.1897) 54
 
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verweigern, als es ihm die Mitwelt in den edelstenMännern vorenthalten hat. Darum dürfte auch von ihmdas Wort des Dichters gelten:Wer den Besten seinerZeit genug gethan, der hat gelebt für alle Zeiten."

Dillingen .

Von Hugo Arnold .

(Fortsetzung.)

lieber die sonstigen Gebäude der Stadt ist vom ge-schichtlichen oder künstlerischen Standpunkte aus wenig zusagen, denn sie bieten nicht viel Hervorragendes. Wosich die Architektur über das Niveau nüchterner Einfach-heit und Schmucklosigkeit erhebt, zeigt sie an Kirchen wiean Privathäusern, namentlich an den zahlreichen Häusernund Palästen der ehemaligen Würdenträger des bischöf-lichen Hofes, den Stempel der Spätrenaissance oder desBarock, der für die weltlichen und geistlichen ResidenzenSüddeutschlands ein kennzeichnendes Merkmal bildet. Ambesten hat mir noch der im französischen Seignenrialstil desvorigen Jahrhunderts gebaute Pfarrhof gefallen, wenn-gleich die Phhsiognomie eines Herrschastsschlosses für denSitz des Scelenhirten nicht paßt und die würdigen Pfarr-herren bitterlich über die Kostspieligkeit ihrer WohnungNagen. Die Pfarrkirche zu St. Peter stammt in ihrerjetzigen Gestalt aus dem Anfang des 16. Jahrhundertsund ist ein einfacher, freundlicher Bau; ihr gothischerThurm hat sich einen achteckigen Aufbau mit wälscherKuppel gefallen lassen müssen. Die ehemalige Jesuiten -,jetzt Studicnkirche ist ein großer, schöner Ban mit reicherZier an Deckengemälden, Stnkko und Goldglanz im Ge-schmacke des vorigen Jahrhunderts.

Zu nennen sind ferner: das Hospital, welches vomGrafen Hartmann IV. und seinem Sohne Hartmann V.,dem Bischöfe von Augsburg , 1257 gestiftet wurde undim Laufe der Zeiten ein beträchtliches Vermögen erwarb;das Kapuzinerkloster, das nach der Säkularisation 1803zum Central-Kloster für die übrigen aufgelösten Kapuziner -Convente aus Schwaben und Bayern bestimmt wordenwar; das Frauenkloster von der dritten Regel des heil.Franziskus, genannt dasgroße" Kloster, welches seineStiftung ebenfalls auf die Grafen Hartmann IV. und V.zurückführt und von welchem aus eine ganze Reihe vonFilial-Klöstern und Klösterlein in Süddeutschland ge-gründet wurde, sämmtliche für Unterricht und Erziehung.

Von Frauen des Ordens wird auch die in vorzüg-lichem Rufe stehende, von Lyccalprofessor Loh. Ev. Wagnergegründete Lehr- und Erziehungsanstalt, sowie die Kreis-erziehungsanstalt für taubstumme Mädchen geleitet.

In einem stattlichen Renaissancebaue hat das kgl.Lyceum, die Bildungsanstalt für die jungen Priester derDiöcese Augsburg, seinen Sitz. Dasselbe ist der Nach-folger einer Hochschule, die sich Jahrhunderte hindurchseines hohen Ansehens erstellte und zu wiederholten Malen«ine beträchtliche Blüthe erreichte. Ihre Wiege stand im^Benediktinerstifte Ottobeuren, wo Abt Leonhard WiderMann 1543 eine öffentliche Lehranstalt für morgenländische^Sprachen und mit Unterstützung des Fürstabtes von Kempten ^tllü> der Aebte der schwäbischen Benediktinerklöster Ochsen--Hausen, Zwiefalten, Weingarten, Elchingen, Donauwörth ,Wiblingen eine förmliche Akademie errichtete, deren Studten-plan nicht nur die niederen Vorbereitungsklassen, sondernauch die höheren Wissenschaften und Künste, Naturkundem»d die gesammte Theologie umfaßte. Bet der Ungunst^» Zeit en Konnte sich diese Ans talt nu r 2'/» Jahre in

Ottobeuren halten, wanderte dann 1545 nach Elchingen aus, mußte sich jedoch 1*/z Jahre später in Folge desschmalkaldischen Krieges und der Einäscherung der Kloster-gebäude auflösen. Glücklicher Weise erstand sie balds wieder in größerem Maßstabe, indem der Cardinalbischof.Otto das Gymnasium des Stiftes Elchingen 1549 nach' Dillingen verlegte und hier noch ein geistliches Seminar,das Collegium des hl. Hieronymus, gründete, das PapstJulius III. durch einen jährlichen Beitrag von 2250 Du-katen unterstützte; die übrigen Fonds wurden durch denCardinal und aus den Einkünften einiger verödeterKlöster beschafft.

Auf Bitten des Kardinals erhob der Papst die An-stalt zur Universität; aber kaum war die betreffendepäpstliche Bulle eingetroffen (1552), als der Ueberfalldes Kurfürsten Moriz von Sachsen eine bedenkliche Störungherbeiführte. Lehrer und Schüler flüchteten sich nachJngolstadt und Landshut und von da nach Salzburg und Friesach . Erst 1554 konnte, nachdem auch diekaiserliche Bestätigung der päpstlichen Privilegien erfolgtwar, die feierliche Eröffnung der Universität stattfinden,wobei aber innerhalb derselben das Collegium des heil.Hieronymus als eigentliches Seminar fortbestehen blieb.1657 ließ der Cardinal ein neues Univerfitäisgebäudemit Aula erbauen, eben das heutige Lyceum. Da derhäufige Wechsel der Lehrer dem Unterrichte nicht förderlichwar, berief er die Jesuiten , welche trotz des kurzen Be-stehens ihres Ordens bereits einen ganz außerordentlichenAufschwung genommen hatten. Im Herbste 1563 trafder berühmte Ordcnsprovinzial Peter Canisius mit 20Patres ein, und im August 1564 wurde die Universitätund das Collegium des heil. Hieronymus den Jesuiten förmlich übergeben. Rasch mehrte sich der Zudrang vonStudenten, deren Zahl sich durchschnittlich auf 4 600belief, und mit Vorliebe schickten der Adel und die KlösterOberdeutschlauds ihre Söhne und Novizen in das Col-legium, das den Namen Convict nach dem Zusammen-leben der weltlichen und geistlichen Zöglinge erhielt. ZumUnterhalte von 25 Alumnen überwies Papst Gregor XIII .monatlich 100 Goldscudi. Es gab somit Fluwvi xou-tikoii und tzxisvvxalW, dann Oonviotoras röliZiosiund saecularas; die vom Collegium unterstützten armenStadtstudenten aber hießen kauxeres 8. Ilierovxmjoder OUarn.

Durch den Tod des Kardinals (1573) wäre derBestand der Universität fast in Frage gestellt gewesen,wenn nicht seine Nachfolger ihr ebenfalls reichliche Unter-stützung gewährt hätten. Unter ihnen darf Heinrich V. von Kuöringen (1598 1646) als ihr zweiter Gründerbetrachtet werden. Dieser, einer der größten Staats-und Finanzmänner aus dem Stuhle des hl. Ulrich, ver-mochte den Widerstand zu brechen, welchen das Dom-capitel bisher theils offen, theils latent gegen die Ueber-gabe der Universität und ihre Leitung durch die Söhnedes hl. Jgnatius Loyola geleistet hatte, indem er das-selbe vermochte, die vom Cardinal Otto gemachten Schenk-ungen zu bestätigen, den weiteren Bestand der Anstaltenzu gewährleisten und die gesammte Leitung nebst derBesetzung der Lehrstühle vollkommen den Jesuiten zuüberlassen. Damals erreichte die Universität ihrenblühendsten Stand. Sie zählte zwischen 6700 Stu-denten, das Convict des hl. Hieronymus 120150 Zög-linge, und die Hochschule zu Dillingcn war neben derJngolstädter Universität das süddeutsche Hauptbollwerkdes katholischen Glaubens gegen den Protestantismus.