Ausgabe 
(18.9.1897) 54
 
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War ihr Lehrplan zwar hauptsächlich auf dasStudium der Theologie zugeschnitten, so wurde er dochnoch durch Errichtung von zwei Lehrkanzeln für Rechts-wissenschaft erweitert (1625 und 1629), als bereits dieFlammen des dreißigjährigen Krieges loderten. Baldgriffen diese auch nach Süddeutschland herüber, und dieUniversität hatte darunter ebenso zu leiden wie Stadtund Land. Die Jesuiten geriethen mehrmals in Ge-fangenschaft und wurden wegen eines angeblichen Schatzesvon einer Million hart bedrängt, bis sich die Schweden mit einer Brandschatzung von 1600 spanischen Dukatenbegnügten, für die ein protestantischer Bürger Augsburgs Bürgschaft leistete. Nachdem die Zeiten ruhiger geworden,bestand die Universität noch anderthalb Jahrhunderte, ohnejedoch die frühere Bedeutung wieder erreichen zu können,bis sie nach Aushebung des Jesuitenordens unter der un-mittelbaren Aussicht des Domcapitels dem Weltklerusübergeben wurde, eine Vermehrung der Lehrkräfte (eswirkten an ihr u. a. Sailer, Weber, Zimmer) und einenerneuten Aufschwung erfuhr. Lange dauerte derselbeallerdings nicht, weil nach der Besitznahme des BisthumsAugsburg durch Bayern die Universität 1803 in dasheute noch bestehende Lyceum umgewandelt wurde.

Wenn wir einen Blick auf die Geschichte der Stadtwerfen, so sehen wir, daß dieselbe auf das innigste mitdem Herrschaftssitze, mit Burg und Schloß verwoben undverknüpft ist. Sie entstand aus den Ansiedlungen derkleinen Leute, welche ihre Interessen vor den Mauerringder Burg führten, in der nämlichen Weise, wofür wirBeispiele aus den ältesten Zeiten und aus den modernenTagen besitzen: die bürgerlichen Niederlassungen (eurmlme)vor den Thoren der römischen Castelle und die Stadt-viertel der Umgebung der Kasernen. Wie sich in diesenall' der kunterbunte Troß und die mannigfachen An-hängsel, die sich nun einmal von der Truppe nicht trennenlassen, sammelt und wohnhaft macht, so zogen auch in derPeriode des Ritterthums die Bedürfnisse eines dynast-ischen Hofhalts und seines Gefolges Weiber und Kinder,Händler, Handwerker und Wirthe herbei, und aus derenHütten und Baracken erwuchs die heutige Stadt. Siemag bereits beim Ausgange der Grafen einen beträcht-lichen Umfang erreicht haben, wie die bereits geschildertenältesten Ringmauern beweisen; später dehnte sie sich selbst-verständlich noch weiter aus, als die Bischöfe hier ihrenAufenthalt nahmen. Anfänglich theilten sie ihn nochzwischen ihrer alten Pfalz zu Augsburg und dem jetzigenSchlosse. Doch als die Zustände in der immer blühenderund mächtiger sich entwickelnden Reichsstadt für die Bischöfemehr und mehr unbehaglich sich gestalteten, weil dasSelbstgefühl der aufstrebenden Bürgerschaft sich mit denAnsprüchen der geistlichen Fürsten nicht vertrug und sichin Augsburg dieselben Erscheinungen wiederholten, wiein anderen Städten, über welche die dort wohnendenBischöfe nicht als Landesherren geboten, als die Zer-würfnisse in den Feindseligkeiten der Stadt gegen denBischof Anselm von Nenniugen im 15. Jahrhundert ihrenHöhepunkt erreichten, als im folgenden Säculum die Re-ligionskämpfe begannen und schließlich die Reichsstadt sichvöllig der Reformation zuwandte, da zogen die Bischöfevor, die Stadt Augsburg möglichst zu meiden, und ver-legten ihre ständige Residenz in das Schloß an derDonau .

(Schluß folgt.)

Mittelalterlicher Bnrgenbau

gegenüber römischer Befestigung in Deutsch-land .

Von Gg. Hock.

(Fortsetzung.)

In dem erwähnten Streite, der übrigens jetzt soziemlich mit der Niederlage derRomanisten "") geendethat, dürfte es neben der bereits besprochenen allgemeinenAnlage sich hauptsächlich um drei Punkte handeln, die beigenauerer Betrachtung manchen Aufschluß zu geben ver-mögen: das ist der Zweck, die Oertlichkeit und dieManertechnik.

Beginnen wir mit dem Zwecke: Die Castelle inDeutschland , speciell im Dekumatenlande, sind weitauszum größten Theile Grenzcastelle und meist in unmittel-barer Nähe des Limes .

Sie und alle übrigen römischen Anlagen hatten alsozunächst den Zweck, die kleineren Feldwachen ") sowie dieThurmwächtcr an der Grenze auszustellen und abzulösen,den Verkehr zu regeln, v. Cohausen geht sogar soweit,daß er sie nurZollerhebungsstellcn" nennt.

Ich für meine Person möchte in ihnen vielfach denTypus einfacher Garnisonen erblicken, die darauf einge-richtet waren, den Truppen Wohnung und Unterkunft zubieten, zugleich aber auch vor einer plötzlichen Neber-rumplung hinlänglichen Schutz gewährten.

Anders mußte der Zweck der Ritterburg sein. Siekonnte zwar auch in vereinzelten Fällen die Aufgabehaben, eine Stelle zu überwachen, aber ihre Haupt-bestimmung ist nach Piper:der mittelalterliche befestigteEinzelwohnsitz eines Grundherrn." ")

Der Burgherr ist auf sich selbst angewiesen, miteinem kleinen Häuflein seiner Knechte muß er zusehen,toie er sich halten kann gegen die wilden Schwärme derUngarn , gegen seine Nachbarn, ja, wenn ihn die Ritter-tugenden nicht gerade sonderlich schmücken, sogar gegenseinen Landesherrn und später besonders gegen dieStädter.

Bei den römischen Schntzbauten findet sich wenigAnaloges. Die letzteren ordnen sich alle zusammen zueinem wohl organisirten Ganzen. Kein Theil ist aufsich allein angewiesen. Die Posten auf den Thürmensignalisiren in kurzer Zeit eine weite Linie, das bedrohteCastell kann sicher auf den Beistand seiner Nachbarnrechnen, das Defensiv - Verhältniß braucht bei den röm-ischen Bauten schon aus diesem Grunde nicht so sehr be-tont zn sein, der Römer hat keine hohen Schildmancrn»Bastionen oder Berchfrite nöthig, hinter denen er sichverstecken könnte. Ein Graben mit einer dahinter liegen-den mäßigen Mauer genügte, um den ersten Anprall desFeindes zu hemmen, dann bildeten die römischen Sol-daten hinter der Brustwehr die beste lebendige Mauer.

Der Zweck der Ritterburg, eine Blokade lauge aus-zuhalten und womöglich zu überstehen, bedingte noch eineAnlage, welche sich mit der römischen Castraksorm inunseren Gegenden gar nicht vereinbaren läßt.

Es ist dies die Einrichtung, welche es dem Ver-theidiger ermöglicht, daß er sich im Laufe der Belagerungauf immer engere, kleinere, aber um so festere Punkte

") Bezeichnung Pipers für die Monc-Krieg'sche Schule:

") S. Nr. 43 dieses Blattes.

") v. Cohausen: Der röm. Grcnzwalt S. 348.

") Piper: Bmgenkunde S. 3.