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zwar nicht nur am Limes , sondern auch an den Straßen.und in der Richtung gegen das Innere der Provinz zu.Aber dies waren doch offenbar keine solchen Bollwerkewie unsere Berchfrite. Die Wächter waren ja hinlänglichgedeckt durch die großen Lager mit den Grenztruppen,welche sich alle noch vor ihnen befanden, und wicheneinmal diese Cohorten zurück, so wäre es sicherlich Thor-heit gewesen, wenn die einzelnen Wächter in ihrenThürmen noch hätten Widerstand leisten wollen.
(Fortsetzung folgt.)
Grundlegende Gesichtspunkte für Beurtheilungder Währnngsfrage.
Von Dr. Schw.
(Schluß.)
Wenn der Preis einer Waare sich ändert, so weißman nicht, ob der Grund dieser Veränderung auf Seitendes Geldes oder der Waare oder beider zugleich liegt.Wenn wir jedoch die Beobachtung machen, daß eine großeAnzahl von Waaren oder alle die wichtigsten Waarenungefähr nach der gleichen Richtung und im gleichenMaße ihren Preis verändern, so werden wir berechtigtsein, anzunehmen, daß der Werth des Geldes sich ge-ändert habe, wenn wir nicht beobachten, daß eine dieProduktionsbedingungen aller in Betracht gezogenenWaaren beeinflussende Thatsache vorhanden ist, wenn wirauf Seite der Waaren keine Aenderung im Angebot undden übrigen preisbestimmenden Faktoren zn erkennenvermögen. Umgekehrt werden wir zur Erklärung derPreisänderung keineswegs die Geldwerthänderungen dannheranziehen, wenn wir auf Seiten der Waaren und derenProduktionsbedingungen so wichtige Veränderungen wahr-nehmen, welche uns die Preisverschiebnng erklärlichmachen. Ein Rückschluß auf den Geldwerth ist also nurdann gestattet, wenn die Preisbewegung eine ganz all-gemeine und gleichmäßige ist und allenfallsige Aus-nahmen und Abweichungen wieder in specifischen Ursachenihre Erklärung finden.
Insbesondere muß auch der Preis der Arbeit, derNutzung der Arbeitskraft, also der Arbeitslohn mit indie Beobachtung eingezogen werden. Auch die Arbeits-kraft ist nach unserer heutigen Wirthschaftsorganisationeine Waare, weßhalb die eben gemachten Ausführungenauch für sie Geltung besitzen. Allein sie hat ihre be-sondern Eigenthümlichkeiten, die eine getrennte Behand-lung rechtfertigen. Die Arbeitslöhne haben nämlich einegewisse Beharrungstendenz; sie bleiben oft noch eine Zeitlang auf der gleichen Höhe, wenn schon die weitgehendstenVeränderungen in den Produktionsbedingungen einesZweiges oder des ganzen Erwerbslebens eingetreten sind.Macht nun der Arbeitslohn die Bewegung der Waaren-preise, wenn auch sozusagen in einem gewissen Abstand,mit, so kann ein Schluß auf den Geldwerth gemachtwerden, während ein solcher Schluß ohne weiteres un-gerechtfertigt erscheint, wenn der Arbeitslohn die Bewegungnicht mitmacht oder gar in einer andern Richtung sichbewegt. Um Beobachtungen anzustellen, hat man eineReihe der wichtigsten Waaren ausgewählt, deren Preisin einem gegebenen Zeitpunkte gleich 100 gesetzt und dar-nach die Veränderungen berechnet. Auf diese Weise istman zu sogen. Indexziffern gekommen, welche für dieFrage der Geldwerthveränderungen immerhin eine großeBedeutung besitzen, hier aber nicht weiter in Betracht ge-zogen werden können. Das größte Ansehen haben diesogen. Sanerbeck'schen Ziffern, ferner die Soetbeer'schen
Zahlen und insbesondere die Indexziffern der englischenWochenschrift „blocmoinist? erlangt.
Die dritte Erkenntnißguelle für die Geldwerth-veränderungen bilden die Discontobewcgnngcn. Auchbeim Gelde wird der Preis durch Angebot und Nachfragebestimmt. Da nun sozusagen beim Kaufe einer Geld-summe (Aufnahme eines Darlehens, Wechseldiscontirnng ic.)zunächst den Leistnngsgegenstand auf beiden Vertragsseitendie gleiche Geldsumme bildet, tritt der Werth des Geldesinsbesondere in der Höhe des Zinsfußes, des Discont-satzes in die Erscheinung.
Die Wechseldiscontirnng insbesondere ist eine der vor-nehmlichsten Thätigkeiten der Banken. Diese haben über-haupt den Verkehr mit dem nöthigen Gelde zu speisen.Tritt ein Geldmangel ein, steigt also die Nachfrage nachGeld, so toird die Bank, um den nöthigen Baarvorrathzur Deckung der Noten zu bewahren, die Discontirnngvon Wechseln durch Erhöhung des Discontsatzes er-schweren. So zeigt also auch das Steigen und Fallendes Discontsatzes ein Steigen und Fallen des Geld-werthes an.
Gerade die Frage der Geldwerthänderung spielt imWährungsstreite eine besondere Rolle. Mit Rücksichthierauf und insbesondere auch mit Rücksicht auf die hoheBedeutung dieser Aenderung auf das ganze Wirthschafts-leben halten wir es für unerläßlich, noch kurz die Wirk-ungen der Geldwerthverändernng, sowohl der Gcldent-werthung wie der Geldwerthsteigernng, kennen zn lerne».Beide sind in gleicher Weise von den unseligsten Wirk-ungen.
Durch die Geldentwerthung erfahren alle diejenigenPersonen, welche gleichmäßige, auf längere Zeit im vor-hinein festgesetzte Bezüge genießen, erheblichen Nachtheil.Die Gehälter und Pensionen verlieren an Werth, derWerth aller Forderungen sinkt, insbesondere auch derArbeitslohn, der sich nur langsam den geänderten Ver-hältnissen anpaßt. Die Lebenshaltung der arbeitendenKlasse muß dadurch gedrückt werden. Die Waarcnpreisesteigen, der Werth der eingekauften Rohstoffe wächstwährend der Verarbeitung, der Unternehmergewinn steigt,jedoch zum großen Theile auf Kosten des Arbeitslohnes.Geldentwerthung ist immer zugleich die Folge von Geld-überfluß. Darnach sucht das Geld gierig nach Anlage,die sicheren Papiere steigen, der Zinsertrag schwindet;man sucht Ergänzung für den Ausfall in unsichernWerthen, welche einen höhern Zinsfuß versprechen. Eswird durch diese Nachfrage nach Anlage ein scheinbarerAufschwung erzielt, es erfolgen Nengründungen, Ucber-produktion, und schließlich platzt die Blase. Das Jahr1873 bietet uns ein treffliches, wenn auch traurigesBeispiel.
In entgegengesetzter Richtung bewegen sich die Wirk-ungen der Geldwerthverthenernng; sie sind aber um nichtserfreulicher. Die Schulden werden drückender; denn derSchuldner muß in theurerem Gelde das heimbezahlen, waser in billigerem Gelde erhalten hat. Die festen Bezügegewinnen an Werth. Die Waarcnpreise sinken; derUnternehmergewinn wird vermindert. Der Arbeitslohnbleibt noch eine Zeit lang derselbe. Er repräscntirt beigleicher Summe einen höhern Werth. Wir haben einenallmähligcn allgemeinen wirthschaftlichcn Niedergang, dessenEndergebniß im ganzen dasselbe ist, wie das der Geld-entwcrthung.
Diese unerfreulichen Folgen lassen es neuerdingsals wichtiges Postulat erscheinen, daß der Geldstoff ein