380
Stoff von möglichster Constauz des Werthes sein soll.Wenn auch vorübergehende Aenderungen des Werthes desWährungsmetalls auch nnr von vorübergehender Be-deutung sind, so bringen sie doch mehr oder weniger er-hebliche Störunge u hervor, die wenn möglich vermiedenwerden müssen. Damit erwächst für die Währungspolitikdie wichtige Aufgabe, Aenderungen des Geldwerthes mitallen Mitteln zu verhindern oder wenigstens auf einMinimum zu reduciren.
Diese Ausführungen, wie sie im Vorstehenden ge-macht wurden, mögen genügen, um in die brennendstenPunkte der Währuugsfrage einigen Einblick zu bekommen.Sie werden nicht hinreichen, ein volles Verständniß derFrage zu ermöglichen, insbesondere deßhalb nicht, weilzum eigentlichen Währungsstreite nicht Stellung genommenwerden wollte. Immerhin aber sind die Gesichtspunktebetont, auf welche es hauptsächlich ankommt und überwelche man sich deßhalb vor allem Klarheit verschaffenmuß. Insbesondere soll nochmals auf die Bedeutung derValutaschwankungcn und der Geldwerthveränderung hin-gewiesen werden. Gerade von der letzter» hängt wesent-lich die Stellungnahme zur ganzen Frage ab. Währenddie Goldwährnngsauhängcr davon ausgehen, daß das Goldim wesentlichen seinen Werth unverändert erhalten habeund das Silber im Preise gesunken sei, suchen die Gegnerunseres Währnngssystems darzuthun, daß nicht eine Silber-entwerthung, sondern eine Goldvertheuerung eingetretensei, welche für eine Reihe bestehender wirthschaftlicherMtßstände verantwortlich zu machen sei. Ob das eineoder das andere zutrifft, mag hier unentschieden bleiben.
Wenn die vorstehenden Zeilen Einiges zum Ver-ständniß der allgemeinen Fragen beigetragen, insbesonderedas Interesse für die Währungsfrage in diesem oderjenem vielleicht neu geweckt oder angeregt haben, so istder beabsichtigte Zweck vollkommen erreicht. Ein tieferesEindringen in die Frage selbst hängt von einem auf denallgemeinen Voraussetzungen, wie sie hier gegeben werdensollten, fußenden tieferen Studium ab, wozu htemit einneuer Impuls gegeben sein möchte.
Recensionen und Notizen.
I. Krieg, Zacharias Werner . Episches Gedicht.
'^N^rkorn'sche Buchhandlung, Fulda . 1897. Brosch.'
; Vor 'etwa Jahresfrist ist des Verfassers „Ratis-bonne" erschienen, dem in einer stattlichen Reihe von Re-censionen reichliches Lob gespendet wurde. Dadurch mochteer sich ermuthigt fühlen, mit einem neuen poetischen Geistes-produkt vor die Oeffentlichkeit zu treten. Er hat sich diesesMal als Vorwurf die Bekehrnngsgeschichte des ZachariasWerner gewählt, damit aber eine Ausgabe übernommen,welche der Schwierigkeiten manche bot. Schwer war es,das Vorleben des Helden mit geschichtlicher Treue zuschildern und der sittlichen Mangel desselben zu gedenken,ohne das Gemüth des katholischen Volkes, in welchem derVerfasser zunächst seine Leser sucht, das er zu belehren,zu erbauen und zu unterhalten sucht, irgendwie zu ver-letzen. Schwer war es. die nicht immer wohl genießbarengeistigen Erzeugnisse Werners durchzuarbeiten und ihrenzuchalt ui die Darstellung zu verweben. Beides dürfteihm recht wohl gelungen sein. Noch mehr als bei „Ratis-bonne" Nr? Dichter es hier vermocht, ein Werk zuschallen, bis zuletzt den Leser in Spannung hält. DasWert bedienet Werner von der Freimaurerloge zu Königs-berg nach Warschau , dann an das Sterbebett der Mutter,weiter auf seinen Irrfahrten nach Berlin, Köln , Frank-lurt und Weimar (zu Goethe), dann nach der Schweiz und nach Italien . Wir lernen den Inhalt der Werke desunstat umherirrenden Mannes kennen, der schließlich in
Rom durch seine Bekehrung zum Katholicismus die überallvergebens gesuchte Herzensruhe findet. Nun strebt er einemhöheren Ziele entgegen. Zu Rom macht er seine theolog-ischen Studien, in Äschasseuburg vollendet er seine Aus-bildung für den geistlichen Stand und wird von Dalbergin die Reihen der Priester aufgenommen. Jetzt beginnter zu Wien gemeinsam mit ?- Hoffbaur ein seeleneifrigesWirken. Sein Plan, in den Nedemptoristen-Orden ein-zutreten, scheitert an seiner schwachen Gesundheit. Verfolgtund angefeindet von seinen ehemaligen Freunden, nachdemer gesühnt, was er gefehlt, stirbt er. — Indessen ist esdem Teufel gelungen, sich einen Ersah zu verschaffen.Ein ungläubiger Priester, Raphael Bock, mit dem Wernerzu Königsberg befreundet geworden ivar, fällt in dieSchlingen der Sinnlichkeit, und von Gewissensqualen ge-foltert. setzt er selbst seinem Leben ein Ende. dkors zusti— Llors pooeatoris: mit diesen ergreifenden Gesängenschließt das Gedicht. — Wir hoffen und wünschen, baßdie edle Absicht des Verfassers, dem katholischen Volke zunützen, dadurch verwirklicht wird, daß recht viele sich mden Besitz des Werkes setzen und dasselbe lesen.
Reiß C., Die Naturheilmethode bei Magen»und Darmkrankheiten. 8", 71 SS. Berlin, Steinitz, 1897. (II.) M. 1,00.
Das vorliegende Buch über die Natur-Heilmethodebei Verdauungsstörungen war ein zeitgemäßes und hateine Lücke in der populär-medizinischen Literatur ausge-füllt. Die neue Auflage weist wesentliche Ergänzungenund Bereicherungen aus. Sie gibt ein abgeschlossenes Bildder hierher gehörigen Erkrankungsformen und schildertauf das eingehendste und genaueste die Technik, dieWirkungsweise und die Erfolge aller derjenigen Maß-nahmen, welche bei der Naturheilbehandlung der Magen-und Darmkrankheiten in Betracht kommen. Dabei ist dasBlich auf jeder Seite gemeinverständlich im vollen Sinnedes Wortes; die Darstellung ist lichtvoll und klar. derStil gut lesbar. Allen Leidenden, die mit Verdauungs-störungen behaftet sind, allen denen, die Hilfe, Rath undBelehrung suchen, kann das Buch mit gutem Gewissenempfohlen werden. _
Schmid Andr., Oasremonmle für Priester, Leviten undMinistranten zu den gewöhnlichen liturgischenDiensten. 8°, XVI -st 560 SS. mit 60 Figuren.Kempten, I. Kösel, 1897. (II.) M. 3,00.
A. Der Hauptvorzug dieses Buches, das erst vorJahresfrist zum ersten Mal erschien und unzweifelhaftnoch viele Auflagen erleben wird. besteht darin, daß es.ohne an wissenschaftlicher, quellenmäßiger Genauigkeitetwas vermissen zu lassen, überaus praktisch ist und denmit dem Gegenstand ganz und gar vertrauten Kenner aufjeder Seite verräth. Auf die Rubricistik werfen sichmanche Theologiecandidaten mit besonderer Vorliebe, jamit Uebereifer; sie finden in dem Buche reichlich Be-friedigung ihrer Wißbegierde und können auch nach demSeminar, wenn sie einmal erfahren haben, daß man„draußen" nicht viel auf dergleichen Sachen gibt, sonderndie größte Willkür herrscht, nachlesen, wie die gottes-dienstlichsn Verrichtungen mit Ernst und Würde ge-schehen könnten. Vor allem aber dürfte ältlichen Pfarr-herren das Buch eine werthvolle Lektüre bieten. DieAusstattung ist bei billigem Preis vorzüglich, die Ab-bildungen sind von kunsthistorifchem Interesse. Einzelnesprachliche Unebenheiten haben wir bemerkt. So z. B.sagt man richtig das (nicht der) Tabernakel: so schreibtman richtig nicht easrsmouia, sondern osrimoui» (vasri-movis),* ähnlich wie querimorü», alimoma, sauetimouiau. s. w. -Das Wort (von der Wz. Kar „machen" abge-leitet, wie Oeres, creo'und viele andere) heißt „Ver-richtung". Vergl. Vanicek, Etym. W.-B. d. lat. Spr.(Lpz. 1881) S. 52.
Tabernakel-Wacht. Monatsblätter zum Preisedes allerheiligsten Altars-Sacraments. Unter Mitwirkungvon Mitgliedern des eucharistischen Priester-Vereinsherausgegeben von Joseph Blum, Pfarrer. 1. Jahrgang.Jährlich 12 Hefte. Preis M. 2.40. Dülmen t. W. A.laumamr'sche Buchhandlung, Verleger des hl. Apostol.Stuhles.