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22. Kepi. 1897.
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(Schluß.)
Schon tn den ersten Jahrzehnten des 14 . Jahr-hunderts ist die eigentliche Stadt ebenfalls von schirmen-den Mauern umfangen und ist die Rede von Vorstädten;in der ersten Hälfte des nämlichen Jahrhunderts hat siesich bedeutend nach Westen erweitert und entsteht einneuer Stadttheil, die Neustadt, gleichfalls mit Mauernumschlossen. Unter Bischof Friedrich von Zollern wurdedann auch die Vorstadt, der östliche Stadttheil, mit einemMauerung, Thoren und Thürmen gefestet und mit derStadt vereint (1498). Leben und Verkehr fördertenJahrmärkte, in deren Genuß sich Dillingen bereits imAnfange des 14. Jahrhunderts befand; im Jahre 1356errichtete Bischof Marquart mit Bewilligung des KaisersKarl IV. in Dillingen eine Münze. Kaiser SigmundVerlieh 1431 dem Bürgermeister und Rathe der Stadtdas Recht des Halsgerichts über landschädliche Leute.Derlei Einrichtungen und Gerechtsame hoben das Ge-deihen und den Wandel der Stadt. Vollends erfülltesich das Wort „Unterm Krummstabe ist gut wohnen",als mit der Verlegung der bischöflichen Residenz hieherauch das weltliche Regiment des bekanntlich ein stattlichesFürstcnthum vorstellenden Hochstifts nach Dillingen kam,der Hofstaat und die weltlichen Behörden sich hier con-centrirten und auch der Klerus der Diöcese sich znSynoden hier versammelte, während in Augsburg uurder Generalvikar seinen Sitz behielt, der von da aus dasBisthum in geistlichen Dingen verwaltete, in allen wicht-igen Fällen die Verfügung des Bischofs einholend.Hierin trat auch keine wesentliche Aenderung ein, nach-dem im vorigen Jahrhuuderie die Bischöfe wieder öfterund auf längere Zeit die Pfalz in Augsburg bezogen;Dillingeu blieb der Sitz der weltlichen Regierung undder höchsten Behörden des Hochstiftcs und bildete wegender Universität, der Seminarien und Schulen den Brenn-punkt für das geistige Leben des Bisthumssprengels.
Eine völlige Umwälzung dieser Verhältnisse brachteder Ncgeusburger Reichsdeputationshauptschluß , der inFolge des Friedens von Lnucville den Kurfürsten vonPfalz-Bayern u. a. mit dem Gebiete des FürstbisthnmsAugsburg entschädigte; schon am 1. Dezember 1802nahm der knrpfalz-bayerische Civilcommissär Gras vonLcrchenfeld Besitz von der Stadt, über die fortan wieüber die seit dem Erlöschen der Hohenstaufen bereitsunter Wittelsbachischem Scepter stehenden Nachbarorte imStädtckranz an der Donau Gundelfingen , Laningen, Höch-städt die weißblauen Fahnen flattern sollten. Freilich trafder Schlag hart: das Schloß hörte auf, die Residenzeines Reichsfürsten zu sein, und lag öde, aus der Uni-versität wurde ein Lyceum, aus dem Regierungssitze einesansehnlichen Fürstenthums eine einfache Landstadt derProvinz Schwaben ; der Adel, die geistlichen und welt-lichen Beamten verließen die Stadt, und an Stelle derzahlreichen dirigircnden Behörden trat ein einfachesLandgericht.
Doch auch dieser Schlag wurde überwunden, wiemancher andere, unter dem in Kricgszeiteu die Stadtschwer zu leiden hatte. Ein warnendes Beispiel, welchenSchaden es bringt, sich gegen die Unbill des Kriegesnicht vorsorglich zu rüsten, mußte Dillingen im Schmal-
kaldcner Kriege erleben. Seine frühmittelalterliche Be-festigung hatten die das Militärwesen vernachlässigendengeistlichen Fürsten nicht dem Fortschritte der Fortifikations-kunst gemäß verbessert, weßhalb es kam, daß die Stadtihre Thore öffnen mußte, als der Feldoberst der Schmal-kaldcner, Schcrtlin von Burtenbach, am 23. Juli 1546vor ihren Mauern erschien. Die Bürgerschaft mußte sichverpflichten, drei Monate lang nicht wider die Schmal-kaldencr zu dienen; das Eigenthum des Bischofs, darunter10 Falkonets, eignete sich der Bund an; Stadt und Um-gebung kamen unter württembergisches Sequester; einTheil der gefangenen Knechte wurde zur Ergänzung desStadtfähuleius nach Augsburg geschickt.
Auch im 30jährigen Kriege fiel Dtlliugcn — imMärz 1682 — ohne Gegenwehr in die Hände derSchweden und wurde mit einer bedeutenden Brandschatzungbelegt, für deren nicht rasch genug erfolgende Bezahlungvier Jesuitenpatres als Geiseln nach Augsburg geschlepptwurden. Nach der Schlacht bei Nördltngen kamen dieKroaten nach Dillingen , plünderten und raubten, ärgernoch als die Schweden . In allen Kriegen der folgendenEpochen erfuhr Dilliugen durch Truppendurchznge undEinquartierungen schwere Bedrückungen, das Donauthalist ja der natürliche Paß für alle Hecresbewegungen ausOsten nach Westen und in umgekehrter Richtung. Währenddes Rheinfeldzuges 1688 zog der französische BrigadierMarquis de Feuquiöres nach seinem Einbrüche in dassüdliche Franken brennend und brandschatzend über Nörd-liugen, Dillingcn, Lauingen vor Ulm .
Während der ersten Jahre des spanischen Erbfolge-krieges wurde Dillingcn bald vom Feinde, bald vomFreunde heimgesucht. Am 9. Oktober 1702 besetzte esder kaiserliche Feldmarschalllieutenant Graf Palffy, ließvon da aus seine Husaren raubend und plündernd bisUlm und weit nach Süden streifen, insbesondere die Ver-bindung zu Wasser mit Jugolstadt unterbrechen, bis derbayerische Oberst Costa nach 8 Tagen die Stadtwegnahm.
Ende Juni des folgenden Jahres wurde die Stel-lung zwischen Lauingen und Dillingen ein Operations-punkt für die französische Armee. Der Marschall Villars bezog hier mit seinem Heere ein verschanztes Lager, dassich mit seinen Flügeln an die genannten, durch ihrenMauerring festen Städte lehnte und seinen Rücken gegendie Donau kehrte; es war in der Front durch denZwergbach und durch starke Netranchements geschützt.Von hier aus beherrschte Villars den Strom und suchtedie Kaiserlichen am Uebcrschreiten der Donau und an derBesetzung Augsburgs zu verhindern. Vor seiner Stellungtraf am 3. Juli der kaiserliche Gcuerallieutcnaut (wirwürden jetzt sagen „Generalissimus") Markgraf Ludwigvon Baden ein und verlegte seine Armee ihr gegenüberin eine ebenfalls stark verschanzte Position auf den Höhenzwischen Haunsheim und Wittislingen . In beobachtenderHaltung lagen sich beide Heere hier sieben Wochen gegen-über, wobei die Franzosen durch VerpflegSschwierigkeitenund den Ausbruch von Krankheiten schwer litten. Dader Markgraf den Angriff auf die französische Stellungfür unausführbar hielt, ließ er einen Theil seiner Streit-'kräfte unter dem General Stymm bei Haunsheim stehenund marschirte mit dem Gros auf Augsburg ab, um Villarsaus seiner Stellung wegzumanövriren (21. August). Am31. August kam Kurfürst Max Emanuel und setzte seine