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Truppen ebenfalls auf Augsburg in Bewegung, wohinihm Villars am 2. September folgte, gegen Styrum denGeneral d'Usson zurücklassend. Die Unternehmung derVerbündeten auf Augsburg scheiterte, dagegen führtenihre weiteren Operationen gegen Styrum zu dessenschwerer Niederlage bei Höchstädt (20. September).
Das nämliche Lager bezogen Kurfürst Max Emanuel und die französische Reiterei unter Marsin im nächstenJahre vor der Schlacht am Schellcnberge (2. Juli), wosie sich während des Anmarsches des Prinzen Eugen unddes Herzogs von Marlborough gegen den auf dein Schellen-berg isolirt stehenden General Grafen Arco in völligerRuhe verhielten, so daß die Alliirten dort einen glänzen-den Sieg errangen, worauf die Erstgenannten die Stellungbei Dillingen räumten.
Das Schloß zu Dillingen selbst hielt vom September1703 bis nach der Schelleuberger Schlacht der französischeLieutenant de Jaliguier mit einer kleinen Abtheilung be-setzt. Nach der erwähnten Affaire erschien der kaiserlicheGeneralwachtmeister Graf Fngger mit drei Cavallerie-Regimentern vor der Stadt, ließ seine Reiter absitzenund die Stadt über eine vorgefundene Bresche stürmen,worauf sich die bayerische Besatzung in das Schloß zurück-zog. Am 8. Juli verlangte sie gegen freien Abzug zucapituliren, was abgeschlagen wurde. Am 15. ergab siesich auf energische Sturmandrohuug an den kaiserlichenOberstlieutenant Böhme und wurde nach Nördliugen ab-geführt. Hierauf wurden die Bauern der Umgebung auf-geboten, um die Verschanzungen des Lagers einzuebnen.
Noch war die Rolle Dilliugens in diesem Kriegenicht zu Ende. Abermals bezogen die Bayern und dieFranzosen dortselbst ein Lager auf den wohlbekanntenFeldern, von wo aus sie zur zweiten Schlacht bei Höch-städt abrückten, und nach der Katastrophe (13. August1704) flüchteten die Trümmer ihrer geschlagenen Heereeben dahin und nach Lauingen zurück. Prinz Eugen und Marlborough aber folgten auf dem Fuße nach undbesetzten am nächsten Tage Dillingen , wo sie großeBeute machten, namentlich an Geschütz und gefangenenOffizieren.
Auch während der französischen Revolntions- undder Napoleonischen Kriege erfuhr Dillingen viel Ungemachdurch Durchmärsche und Einquartierungen. Im Jahre1796 nach der unentschiedenen Schlacht bei Neresheim überschritt ein Theil der österreichischen Armee, vorMoreau ausweichend, am 13. August bei Dillingen dieDonau und zog sich auf dem rechten Ufer des Stromesnach Neuburg und Jngolstadt, um dort abermals überdie Donau zu setzen und sich nach dem genialen Planedes Erzherzogs Karl auf die Armee Jourdans zu werfen,unterdessen Moreau nur zögernd folgte und erst am19. August bei Lauingen, Dillingen und Höchstädt dieDonau überschritt und dem Erzherzoge freie Hand gegenJourdan ließ.
Während Moreau durch Schwaben und Bayern bisan die Jsar vorrückte, kam es in Dillingen zu einemAufstand gegen die dort verbliebenen Franzosen, wobeidie wüthigen Dilliuger allerdings ihre Stadt und ihreHaut in große Gefahr brachten. Zum Schutze gegen dieNachzügler hatte Moreau eine Sauvegarde zurückgelassen.Am 4. September traf eine Schaar rother Husaren ein,welche einquartiert werden mußte und mit ihren Pferdenin den Stall des Hospitals verwiesen wurde. Wegender übertriebenen Anmaßungen der Franzosen entstandenmit dem Pachter, der die Oekonomiegütcr des Spitals
in Verwaltung hatte, Streitigkeiten, wobei die Husarenihre Säbel zogen, der Pächter zu einem tüchtigen Prügelgriff und eine Rauferei sich entspann. Anstatt nach derMannschaft der Sauvegarde zu rufen, zog nun einSpitalinsasse die Sturmglocke. Es war Sonntag. DieDillinger Bürger saßen großentheils in den Schenken unddisputirtcn eifrig über die Rohheiten, Ausschweifungen undRäubereien, welche sich die Franzosen bei ihrem Durch-märsche hatten zu Schulden kommen lassen; die Gesprächeund das Bier hatten die Köpfe stark erhitzt. BeimSchalle der Sturmglocke wurden die Stadtthore gesperrt,eine große Menschenmasse bewaffnete sich eiligst mit allenerdenklichen Mordinstrumenten und strömte vor dem Spitalezusammen. Einzelne Franzosen drangen durch das Gewühl.„Schlagt die Hunde todt! schlagt sie todt!" brüllten vieleStimmen aus der erregten Menge, und das Gemetzel be-gann, mehrere Feinde fielen unter den Streichen. DieSauvegarde eilte herbei, an ihrer Spitze ein Rittmeister,der bisher wegen seines würdigen Betragens von denEinwohnern hoch geschätzt worden war. Vergeblich suchteer die Wüthenden zu beruhigen; er wurde vom Pferdegerissen und, ungeachtet er mit gefalteten Händen umdas Leben flehte, erbarmungslos erschlagen. GleichesSchicksal widerfuhr einem Artillerieoffizier mit grauenHaaren. Die Franzosen hatten sich in ihre Quartieregeflüchtet, und schon machte die Menge sich daran, sie inden Häusern aufzusuchen, da nahte Oberstlieutenantv. Naglovich (damals noch in bischöflich augsburgischenDiensten, gestorben als königlich bayerischer General derInfanterie und Chef des Generalquartiermeisterstabes)mit der Garnison (der Bischof war neutral geblieben),er entwaffnete die Wüthenden, nahm die Franzosen unterseinen Schutz und wurde dadurch zum Retter der Stadt.Denn nach einigen Stunden kamen einige Hundert Fran-zosen rachedürstend aus Wittislingen hcreingesprengt, sieforderten Genugthuung für den an ihren Kameraden be-gangenen Mord und wollten brennen und plündern. MitMühe gelang es ihren Offizieren, sie zu besänftigen undwieder aus der Stadt zu entfernen. Die Rädelsführerbei der Affaire wurden eingezogen und in Criminal-Nntersuchuug genommen. — Trotzdem der Ausbruch ver-zweifluugsvoller Wuth erklärlich ist, hätte er fast ver-derbliche Folgen für die Stadt nach sich aexogei , denndie Theiluehmer waren dem Kriegsrcchte verfallen, unddie Franzosen hätten sicherlich blutige Rache genommen,wenn inzwischen nicht Erzherzog Karl durch die überJourdan bei Amberg und Würzburg erfochtenen Siegeauch Moreau zum Rückzüge veranlaßt hätte. Als dieArmee des letzteren sich gegen die Donau zog, verließendie noch in Dillingen befindlichen Franzosen die Stadtund brannten die Brücke hinter sich ab. Dieser Umstandkam der Stadt zu statten, indem sich bald darauf 3- bis4000 Mann der Donau näherten, aber nunmehr denStrom nicht zu passiren vermochten. Bald darauf trafdie Vorhut der Kaiserlichen ein, befreite die Gefangenenaus ihren Kerkern und erlöste die bangen Dillinger vonihren Besorgnissen.
Im Feldzuge des Jahres 1800, am 19. Juni, kames bei Dillingen zu einem ernsten Zusammenstoße. Nach-dem die Oesterreicher das rechte Donauufer geräumthatten, setzten ihnen die Franzosen dahin nach. DieGenerale Gyulay und Sztarray suchten dem bei Grem-heim über die Donau gegangenen rechten Flügel desfranzösischen Heeres zwischen .Höchstädt und Dillingen entgegenzutreten, wurden aber von General Lecourbe