umgangen und nntcr großen Verlusten auf Gundelfingen und über die Brenz zurückgeworfen.
Starke Durchmärsche verursachten im Jahre 1805die Operationen Napoleons zur Umzingelung des unterFeldzeugmeister Mack zwischen Memmingen und Ulm stehenden österreichischen Heeres. Die französischen Corpssetzten damals vom linken auf das rechte Donauufer über,jene von Murat und Launes bei Donauwörth und Dil-lingen, und am 8. Oktober schlug Murat bei Wertingen den österreichischen General Auffenberg nach hartnäckigemWiderstände.
Aus deni Kriegsjahre 1796 ist noch einer wenig be-kannten, interessanten Episode zu gedenken. Der Erbe desfranzösischen Thrones, der Graf von Provence, KönigLudwig XVIII. , irrte damals als Flüchtling umher undsuchte ein sicheres Asyl auf dem Gebiete des Bischofsvon Augsburg und Kurfürsten von Trier, des sächsischenPrinzen Clemens Wenzeslaus , dessen Vater ein Bruderseiner Mutter war. Er wandte sich nach Dillingen , woes von Emigranten wimmelte und wo auch fein Bruder,der Gras von Artois (später König Karl X. ), bereitsweilte. Am 19. Juli traf er dort ein und stieg in demheute noch bestehenden Gasthofe zum „Goldenen Stern"ab, ohne sich den Behörden zu erkennen zu geben. Denganzen Nachmittag über arbeitete er. Abends 10 Uhrbegab er sich mit einem Herrn seines Gefolges an dasFenster. Eine Viertelstunde stand er dort: da krachteplötzlich aus dem Hausflur eines gegenüberliegenden Hausesein Schuß. Die Kugel traf den Prinzen dicht am Scheitel,schlug in die Mauer und siel dann ricochettirend auf denBoden. Das Gefolge eilte herbei, Diener legten demblutüberströmten Prinzen /den ersten Verband an, dierasch gerufenen Aerzte konnten feststellen, daß nur dieSchädeldecke leicht gestreift und keine Gefahr vorhandensei. Man schob die Schuld des Attentates auf Jakobiner,welche dem Prinzen von Landau aus durch den damaligenConvent nachgeschickt worden seien; allein die sofort ein-geleitete Untersuchung blieb ohne jedes Ergebniß, unddas Dunkel, das über dem Thäter ruht, wurde nie ge-lichtet, der räthselhafte Schleier dieses Mordanschlagesuie gelüftet.
Unter der weisen Regierung der bayerischen Königesind alle Wunden verharscht, alle Schäden ausgeglichen,und Dilliugen erfreut sich durch die Betriebsamkeit seinerBürger eines soliden Wohlstandes, wenn es auch nichtmehr im Glänze einer fürstlichen Residenz prunkt. RegesLeben herrscht auf seinen saubern Straßen und Gassen,die staatlichen Gebäude, das weithin sichtbare Schloß niitseinen hochragenden Mauerfronten und Thürmen, diebreite Hauptstraße, die schmucken bis zur Donaubrückesich dehnenden Parkanlagen mit dem imposanten Denk-male zu Ehren der im großen Kriege 1870/71 Ge-fallenen gewähren einen freundlichen Eindruck. Und wiejeder Stadt ein besonderes Kennzeichen eignet, so schwebtüber dem einstigen Bischofssitze noch der Hauch vonWeihrauchduft, und die schwarzen Gewänder der zahl-reichen Kleriker und Pricstercandidaten verleihen dem aufden Straßen verkehrenden Publikum einen geistlichen An-strich; doch plötzlich schmettern helle Trompetenklänge,Rosse wiehern, Eisen klirren, wcißblaue Fähnlein wehen,die Taxis-Chevaulcgers kehren vom Uebungsritte heim— in die eintönige Koloratur des Bürger-kleides gebenSchwarz und Grün, Soutane und Waffenrock den farb-igen Einschlag!
Mittelalterlicher Burgenbau
gegenüber römischer Befestigung in Deutsch-land .
Von Gg. Hock.
(Fortsetzung.)
Die römischen spsoulav und ünrgi konnten nurden Zweck des Signaldienstes haben und außerdem denWächtern Unterkunft bieten. Der Berchfrit, wie wir ihnjetzt noch vor uns sehen, vertrat wohl auch eine Warte,sein Hauptzweck jedoch lag in der Vertheidigung. Erdiente offenbar als „Reduit", welches in gefährlicher Zeitdie Schätze und Kleinodien barg und im Augenblicke derhöchsten Noth den letzten Zufluchtsort des Belagertenbildete.
Für diese den römischen Wartthürmen jedenfallsentgegengesetzte Bestimmung spricht die ganze Anlage,wie wir sie oben gesehen haben, der mächtige Ban, dermeist hoch angelegte Eingang und endlich die unleugbarengeschichtlichen Urkunden.
Daß sich etwa gar ganze Truppeuabtheilimgcn hintersolchen Monopyrgien verborgen hätten, ist wegen des be-schränkten Raumes und der Schwierigkeit der Vcrpro-viantiruug absolut undenkbar, würde auch völlig gegendie damalige Taktik der Römer verstoßen, welche sichnach den Worten James Uates' „lieber mittels Erhörtenund Legionen vertheidigen, die zusammen marschirteu undfvchten und sich höchstens in Lagern oder Städten leichtverschanzten".^)
Wären den Römern solche Thürme nöthig gewesen,so hätten sie dieselben doch ohne Zweifel am ersten in derNähe des Limes selbst anlegen müssen, weil hier die ge-fährlichsten Posten waren. Aber auf der ganzen Limes-strecke finden sich überall nur die Fundamente von ver-hältnißmäßig ganz leichten Bauwerken, ähnlich wie siedie Abbildungen der Trajaussäuleu uns zeigen.
Beispiele sowohl für römische als mitte'altcrlicheWartthürme, und zwar in unmittelbarster Nähe, bieten sichbesonders charakteristisch im östlichen Odenwalds. Dortläuft bekanntlich von Wörth am Maine bis gegen denNeckar hin eine durch vielfache Ausgrabungen fast bisins genaueste nachgewiesene Castcll- und Thurmlinie.Die Mauern zeigen oft wegen der Nähe der Sandstein-formation eine sonst seltene feine Technik, aber keinThurm besaß eine besondere Stärke oder Höhe, vielleicht8—10 in, wie sich Wohl aus den schwachen Fundamentenschließen läßt. Im Gegensatze dazu winken allenthalbenaus der Nachbarschaft die mächtigen Bcrchfrite der Odcn-waldburgen, die kolossalen Thürme von Otzberg , Breu-berg, Erbach .
Gewöhnlich werden von den Romanisten, wenn wirsie so nennen dürfen, außer der eigentlichen Mauertcchuik,von welcher erst später die Rede sein soll, noch zweiHauptgründe in das Treffen geführt, um diese Thürmevon den Römern abstammen zu lassen. Das ist vorallem das eigenthümliche Correspondenzverhältniß, inwelchem sich die meisten Thürme unter einander befindensollen, und das der Beweis dafür sei, daß sie einst alsrömische Signallinie fuugirten. Für das erste nun istes mit diesem Correspondenzverhältniß gar nicht so ernstzu nehmen. Marggraff sagt zum Beispiel ganz treffend:„Vermerken wir alle die vermeintlichen Römerthürmeinnerhalb der Mischen Provinz in einer Karte, so haben
Abhandlung im Jahrbuch des histor. Vereins fürSchwaben und Neuburg. Jahrg. XXIII.