Gehalt von dreitausend Gulden erhielt. Seine Opern,die er hier componirtc, gefielen sehr, besonders „Linda diChainouy" mit ihrer sehr eleganten Instrumentation, nichtweniger gefielen auch die kirchlichen Compositionen aus da-maliger Zeit, besonders ein „Miserere" und ein „AveMaria". Drei Jahre später ist er wieder in Paris zutreffen und schrieb dorten seinen „Don Sebastians" undfür Neapel seine „Caterina Cornaro "; beide Opern fandenan den Plätzen, für welche sie geschrieben wurden, anfangsgar keine gute Aufnahme, so zwar, daß er nach der Auf-führung der erster» zu einem Freunde sagte: „vonLobnZtion ins tue": später errangen sie gute Erfolge.Letztgenannte Oper ist zugleich die letzte der 64 Opern,die Donizetti schrieb. Allzngroße Anstrengung, ununter-brochenes Schaffen, mitunter ungeregeltes Leben führtenin Paris unerwartet eine Geisteskrankheit herbei, derMeister wurde irrsinnig, stumpfsinnig, seine Arbeitshandwar gelähmt, die Kunst der besten Aerzte versagte. HiezuGehirnerweichung, Schwinden des Gedächtnisses, Abnahmeder Sprache; Donizetti vegetirte nur noch in Paris , inNizza , in einer Irrenanstalt. Ein klein wenig hoffteman noch vom Aufenthalt in seiner Heimath; auch inBergamo , wohin ihn treue Liebe der nächsten Anver-wandten brachte, blieb der Geist verschleiert, obwohl dieKörperkräfte etwas zunahmen, und am 8. April 1848starb der Meister eines ruhigen Todes. Viel, fast zuviel hat er der Mit- und Nachwelt hinterlassen, viel,sehr viel Schönes und Gediegenes auf dem Gebiete dergeistlichen und weltlichen Musik. Hätte er nicht so fieberhaftschnell gearbeitet, er wäre wohl älter als 50 Jahre ge-worden und hätte noch Gediegeneres hinterlassen, aberz. B. in drei Stunden oft die Partitur zu einem großenWerke schreiben, das ist für Geist und Körper wohlaufreibend, für die Kunst wohl auch oft zu schnell.Donizetti ist mit Mercadaute der letzte der dramatischenKomponisten der italienischen Schule. Mehrere seinerWerke werden sicher noch recht lange sein Genie der Weltverkünden, daS Genie eines Mannes, der sich an großeVorbilder anlehnte und doch wieder originell für sichwar, eines Mannes, der gern lernte und aber auch diegrößte Freude hatte, Talente selbst wieder zu lehrenund heranzubilden, eines Mannes, von dem ein Zeit-genosse sagte: „groß war er als Künstler und alsMann".
Ein paar Worte noch über die geplanten Jnbiläums-feierlichkeiteu, besonders in Italien, speciell Bergamo . Inerster Linie werden seine Hauptwerke aufgeführt, jeden-falls wird dießbeznglich in jeder großen Stadt sein Namegefeiert werden, ein Denkmal wird ihm errichtet, eineAusstellung von Erinnerungen an ihn wird in Bergamo veranstaltet. Ein recht interessantes Stück in derselbenwird das Klavier des Meisters sein, von dem er u. a.an einen Schwager schrieb: „um keinen Preis darf esverkauft werden, ich habe seinen Klang in meinen Ohren,dort murmeln Anna, Marin, Faustn, Lucia, laß es leben,so lange ich lebe! Es hörte meine Freudenrufe, es sahmeine Thränen, meine Enttäuschungen, meine Ehren"u. s. w. Solche Worte beweisen sicher: Donizetti hatnicht nur, wie jeder Künstler es wohl erfahren hat, er-fährt und erfahren wird, Lorbeeren geerntet, sondern ermußte auch erfahren, daß auf dem Künstlerweg auchDornen gedeihen.
Mittelalterlicher Brirgenbau
gegenüber römischer Befestigung in Deutsch-land .
Von Gg. Hock.
(Schluß.)
Von den Castelleu des Dekümatenlandes Rätiensund Vindeliciens ist bekannt, daß sie vor allem die Durch-lässe des Limes sowie die Straßen zu decken hatten,höchstens auf die Nähe von Wasser und genügendemFutter Rücksicht nahmen, sonst aber selten dem Gebäudesich anzupassen suchte», günstige Lage oder Aussicht oftförmlich verschmähten; Abweichungen lassen sich meistensauS ganz besonderen Terrainverhältiiissen erklären. Sogehört das Castell bei Pfünz an der Altmühl , welchesungefähr 40 m über dem Flusse liegt, zu den seltenstenAusnahmen. Mit Recht glaubt Herr LimescommissärWinkelmann aus Grund von Untersuchungen behauptenzu können, daß sich bereits ein früheres Castell weiterunten am Ufer befand, dann aber wahrscheinlich wegenUeberschwemmungsgcfahr auf die Höhe verlegt wurde.
Zu allen Castelleu führten Straßen, in der Regelgut unterhalten. Der Zugang zur Ritterburg mußte soschwierig als möglich sein, und dem Gegner mußten schonbeim Ausstiege vielfache Hindernisse sich entgegenstellen.
Diese unumstößlichen Thatsachen erregten schon früh-zeitig Bedenken gegen die Ansicht, daß die deutsche Burgsich von Römerwerken herleite, und wir können im all-gemeinen uns jetzt an die Worte von Cohansen halten:„Wer auf einer schön gelegenen Bcrgspitze, weil sie ihmgefällt, eine römische Befestigung sucht, kennt eben dierömischen Castelle nicht, und was dem entgegen behauptetworden ist von Mone und Krieg und allen, die ihnennachgetreten sind, sind nur hübsche Phantasien."^)
Im Gegensatz zu der Höheuburg steht die bereitserwähnte Nieder- oder Wasserburg. Als ihrcharakteristisches Merkmal möchte ich die nassenGräben betrachten, welche an römischen Anlagen fehlen.Ein Beispiel in verkleinertem Maßstabe dürfte sich etwain Nieshofen bei Eichstätt finden. Dortselbst steht außer-halb deS Dorfes, hart an der Altmühl , ein als „Hunger-"oder „Römerthnrin" weithin bekannter Steinkoloß.Bei einer genaueren Betrachtung des Terrains bemerktmau ganz deutlich die Spuren eines halbmondförmigenGrabens, welcher durch seine zwei Arme mit dem Flussein Verbindung stand. Innerhalb dieses Grabens, derjedenfalls »och durch Wall , Mauer oder Zaun verstärktwar, zeigen sich die Fundamente von verschiedenen Bau-werken, welche den Thurm von drei Seiten umgaben.Hier haben wir offenbar den ehemaligen befestigtenWohnsitz eines mittelalterlichen Grundherrn vor uns.In der That erscheint nach den Regesteu der Bischöfevon Eichstätt schon im Jahre 1283 ein Konrad vonRngshoscn oder Nieshofen als Besitzer dieser Feste.Auch hier ist also die Annahme einer Erbauung durchRömerhand völlig ans der Luft gegriffen.
Es bleibt uns nur mehr noch ein kleiner Ver-gleich übrig zwischen römischer und mittelalterlicher Mauer-technik. Gerade diese soll nach Krieg und seinen Freundeneinen wichtigen Anhaltspnnkt in unserer Frage bieten.
Auch der Römer unterschied zwischen Ziegel-, Stein-und gemischten Mauern. Das römische Ziegelwerk trägtnach Uebereinstimmung vieler Fachleute wirklich charakter-istische Merkmale an sich. Abgesehen davon, daß nicht
") v. Cohansen: „Der röm. Grenzwatt" S. 335.