388
selten der Lcgionsstempel den einzelnen Stücken aufge-prägt ist, zeichnen sich dieselben meistens durch Dauer-haftigkeit, reines Material und eine eigenthümlich dunkel-rothe Färbung aus.
Die Eimnanerniig der Ziegel sowie anderer Gestcius-artcn finden wir bei alten Bauten des öfteren in schräg-gestellten Lagen bethätigt, und zwar bald in der Mauer, baldauf den Außenflächen, so daß diese Art wegen ihrer Aehnlich-keit mit Fischgräten „Häringsgrätenbau" oder auch „vxusspioatum" „ährenförmig" genannt wurde (von sxiaa. —Aehre). Ueber den Zweck des vxus oxioatum hat mansich schon mehrfach gestritten.
Das „statistische Motiv", welches auch Pipergeltend zu machen sucht, dürfte wenig begründet sein,und es scheint die Ansicht die richtigere zu sein, daßman hier eine „technische Spielerei"^) vor sich habe.
Einen Aufschluß über die betreffende Bauzeit kanndiese Technik kaum gewähren; sie ist bereits von denRömern ausgeübt worden, kam nach Cori gegen „Endedes zehnten Jahrhunderts an den nördlichen Abhängender Alpen zuerst vor" und ist höchstens ein Kenn-zeichen von frühmittelalterlichen Burgen.
Zu größeren Schwierigkeiten besonders in der Unter-scheidung führte der eigentliche Steinverband, namentlichdas Quadermauerwerk mit Füllwerk, das schon von denGriechen ausgebildet worden war, von Vitrnv alsLftTrXexro; „das Verbundene" bezeichnet wird, weillängere Bindsteine durch die ganze Mauer hindurchlicfen.Die Römer vereinfachten es etwas und gaben ihm eineGestalt, deren Beschreibung uns von Vitrnv gegeben^)und von Mutzel folgendermaßen übersetzt ist:
„Die Unsrigen verwenden auf die Stirnmanern allenFleiß, indem sie senkrechte Schichten übereinander legen,und füllen den Zwischenraum mit getrennt liegendenStücken von Steinen und mit Mörtel . So entstehen beidieser Bauart drei Krusten: die zwei der Stirnwändeund eine mittlere, die der Gußmauer." ^)
Nach außen sind die Steine entweder glatt gemeißelt,es ist dies das eigentliche Quaderwerk, oder, wie invielen Fällen, ist die rohe Bruchfläche hie und da miteinigen Correctnren beibehalten; so entsteht die bekannte,iu8tioa>°, auch Buckelquader, Bosfenquaderoder Kropfsteine genannt. Gewöhnlich findet sich anden Kanten ein mehrere Ccntimetcr breiter „Nandschlag",eine glatt gemeißelte Borde, welche bekanntlich das ersteund nächste Ziel des Steinmetzen bei der Arbeit ist.Obwohl wir nun aus dem Alterthume von der rustioueigentlich gar nichts erfahren, so ist sie doch mit demobigen Verbände als identisch aufgefaßt worden und istin den Augen der Romanisten das Charakteristikum einesrömischen Bauwerkes.
Krieg von Hochfelden sagt rundweg: „Römisch istdie Rustika mit oder ohne glatten, glcichbreiten Naud-beschlag, aber mit glattgemeitzelten Borden au den genau
^) Siehe Piper: „Burgenkunde" S. 112.
") S. „Repertorium für Kunstwissenschaft" S. 197,1896. XIX, 3.
Cori: „Bau und Entwicklung der deutschen Burgenim Mittelalter" S. 21.
") Die Stelle lautet: „Xostri srsctos eboros loeantegIronttdus sorviunt et in wsclio karciuut kraetjs se-psratim eum mstsria eaemsatis. Ita tres snseitanturin es strnetur» erustas: ckuas kronttuin st uns msäiatartnras."
senkrechten Kanten des Baues;" ^) man kam schließlichsoweit in dieser Manie, daß, wo überall ein Bosfenquadersich fand, auch ein römischer Bau vorhanden sein mußte.Nun ist die Rustika und das „Füllwerk" allerdings vonden Römern vielfach angewendet, besonders in Italien, aber auch bei uns; man denke nur an die xortg, pi-us-toria in Regcnsburg. Allein die obige Ansicht Kriegshat sich längst als unhaltbar erwiesen. Es zeigen eineMenge mittelalterlicher Burgen, selbst solche, über derenBauzeit wir gar keinen Zweifel haben können, genau die-selbe Anlage, wie die besten italischen Bossagen. Eswird, um nur ein drastisches Beispiel anzuführen,niemand den Burgthurm von Nürnberg für römischhalten, ein Ort, den doch kaum die Römer betreten,ganz sicher aber nicht befestigt haben.
Cori3°) und Mutzel") wollen zwar noch einenUnterschied wissen zwischen römischen und mittelalterlichenKropfsteinen, indem die letzteren „durchweg die Spur desMeißels" zeigten. Allein wenn Mutzel (unter anderem)die Kanalschleusen zu Riedenburg oder die neue Donau-brücke zu Donauwörth als Beispiele anführt, so beweistdas nicht mehr, als daß man in späterer oder besser inneuester Zeit mehr Sorgfalt auf diese Construktion ver-wendet, um dem Ganzen nicht einen allzu rohen Anstrichzu geben.
Cohauscn behauptet in dieser Frage sicher nicht zuviel, wenn er meint: „Kurz, die meisten deutschen Neichs-burgen sind mit Füllwerk und Rustika gebaut."")
Auch das Mittelalter wird die Vorzüge der Bossen-quader haben würdigen können, welche das Emporschiebenvon Leitern verhinderten, und an denen die Niederschlügenur die hervorragenden Steintheile treffen können, umdann an diesen wie an den Wetternasen eines gothischenBaues hcrnnterzugleiten, ohne die Fngenvcrbindnngen zu^berühren und zu schädigen".
Ucbrigcns gibt die Rustika, wie Esscnwcin^ sagt,der Erscheinung der Bauwerke eine gewisse Kraft, dieentschieden dem Charakter der Kriegsbaukunst entspricht,sie verkündeten gleichsam nach den Worten Nähers die„physische Urkraft des Deutschen, und ein solch massigerBau war wohl geeignet, die Macht und das Ansehendes Burgherrn zur Schau zu tragen".")
Schauen wir zum Schlüsse noch einmal aus dasGesagte zurück, so läßt sich das Ganze kurz recapitnlirenin dem Resultate, zu welchem Piper in dieser Frage ge-kommen ist, und dessen Ansicht ungefähr in Folgendembesteht:") „Die älteren, bei der ersten Occupation unseresLandes von den Römern angelegten Castclle" ziehen ge-wöhnlich so wenig Vortheil aus dem Gebäude, daß ihreLage „zumal für Höhenburgcn nicht geeignet erscheint",— Gegensätze, welche vor allem in dem Offcnsivverhält-nisse des Römers und dem Dcfensivverhältnisse des Burg-herrn ihren Grund haben. Die Schildmauern, Zwinger,Vorburgen kommen bei den Einstellen nicht, höchstens beispäteren, mehr außerdeutschen Befestigungen vor.
Die regelmäßige Gestalt des Lagers, seine „Dnrch-schueidung" von zwei Straßen „ist den Burganlageu
*°) „Geschichte der Militärarchitektur" S. 132.
Cori: „Bau und Einrichtung der deutschen Burgen"
S. 22.
") Mutzest: „Die römischen Wartthürme besonders inBayern" S. 10.
") v. Cohauscn: „Der römische Grenzivall".
") Esscnwcin: „Kriegsbaukunst" S. 53.
") v. Näher: „Die deutsche Burg" S. 15.
") Vcrgl. Piper: „Burgenkunde" S. 114 u. 115.