fremd", welche sich meistens in unregelmäßigen Umrissengenau dem Terrain anpaßten. Was die Besetzung vonmilitärisch günstig gelegenen Punkten anbelangt, so be-obachteten die Römer eine den späteren Zeiten fremdeTaktik.
Auch die Römer haben Wartthürme errichtet, welcheaber viel geringere Maße ausweisen, als die mittelalter-lichen Berchfrite. Bei der Aehnlichkeit des römischen undmittelalterlichen Mauerbanes kann die Mauertechnik nurin seltenen Fällen „römischen Ursprung" wahrscheinlichmachen; Bnckelquader mit Randschlag insbesondere findensich im Mittelalter so häufig, daß dadurch jeder Schlußauf römischen Ursprung vernichtet wird.
So haben wir uns vielleicht im Geiste ein kleinesBild entworfen von jenen imposanten, oft Bewunderungund Achtung verdienenden Wehrbantcn unserer Vorgänger.Ich sage: im Geiste, denn die Gegenwart bietet uns ver-hältnißmäßig wenig Wirklichkeit. Längst sind die röm-ischen Legionen und Kohorten aus Deutschland gewichen,Franken, Alemannen, Gothen und Sachsen setzten denzerstörenden Fuß auf die Anlagen ihrer Unterdrücker, dieKastelle und Thürme sanken in Schutt und Asche, derZahn der Zeit vollbrachte das Uebrige, und über vielendenkwürdigen Stätten geht jetzt der Pflug des Land-mannes.
Aber auch der tapfere Ritter konnte sich auf seinerBurg nicht halten. Mit der Erfindung des Pulversmußte eine andere Befestignngsart in Anwendung kommen,unsere heutigen Bomben und Granaten würden mitLeichtigkeit die einst unüberwindlichen Mauern in Trümmerlegen. Diejenigen Burgen, welche durch die zerstörendeMacht des Krieges noch nicht gefallen waren, wurdenmeist ihrem Schicksal überlassen, später vielleicht desSteinmatcrials wegen mit Bedacht verwüstet oder umein Spottgeld „aus Abbruch verkauft". Selten ist derFall, daß liebevolle, noch seltener, daß verständigeHände die Mittel nicht scheuten, um ein solches Denkmalunserer Zeit zu erhalten. Traurig-ernst blicken die Ruinenso vieler Burgen hernieder in das Tha; noch trotztvielleicht der mächtige Bcrchfrit, doch Stein um Steinlöst sich los, die moderne Welt kennt meistens kein Er-barmen, bald kommt auch für ihn der Tag, wo er Ein-sturzes halber abgetragen werden muß, und der letzteRest der einst so stolzen Feste ist verschwunden.
Die Bedeutung der christlichen Kunst gegenüberdem Naturalismus und Jndiffereutismus.
(Stenogramm der Rede des Lycealprofcfforsvr. Schlecht-D i l li n gen, gehalten auf dem Katholikentag in Landshut.)
Ew. Excellenz Hochivttrdigster Herr Erzbischof! Hoch-ansehnliche Versammlung! Es wird schwer, auf die außer-ordentlich kernigen und sachkundigen Worte meines HerrnVorredners Sie setzt auf ein ganz anderes Gebiet zu führen.Allein ich gebe Ihnen das Versprechen, möglichst praktischund auch. so gut ich es vermag, möglichst kurz mich zufassen.
Wie Sie wissen, ist es eine löbliche Gepflogenheitunserer Generalversammlungen, mit denselben eine Aus--stellung christlicher Kunstgcgenstände zu verbinden und inder Regel auch einige Worte über die Bedeutung der christ-lichen Kirnst zu sprechen. Ist sie doch die edelste Tochterder Kirche! die vornehmste Dienerin unserer heiligen Re-ligion! Seit vier Jahren ist nun darüber auf unserenGeneralversammlungen nicht mehr gesprochen worden, undich glaube, daß es gerade auf dieser Generalversammlungpassend ist, die im schönen Bayerlande tagt. wo einstmalsein hochsinniger König eine neue Aera der Kunst geschaffenhat. (Beifall!) einer hohen, hehren und heiligen Kunst, die
selbst da heilig war. wo sie profane Werke hervorbrachte.Nun gehen ja allerdings in unseren Tagen die Auffass-ungen über Kunst bedeutend auseinander, und vor kurzemerst hat Se. Excellenz der Herr Cultnsminister von Bayerntreffend bemerkt, daß in den letzten Jahrzehnten der Kunst-begriff selber ins Schwanken gerathen sei. Wenn alsoirgendwie und irgendwo, so gilt auf diesem Gebiete meinesErachtens der Grundsatz: im Nothwendigen Einheit, imZweifelhaften Freiheit, in Allem brüderliche Liebe. (Bei-fall.) Bei der großen Ausdehnung dieses Gebietes bin ichdem Lokalcomitö sehr dankbar, daß es vorsorglich gewisseGrenzen abgesteckt und mir die Aufgabe zugewiesen hat.die Bedeutung der christlichen Kunst ins Auge zufassen gegenüber dem Naturalismus und Jn-differentismus. Darin, meine Herren, erkenne ichauch in der That die zwei schlimmsten Feinde, welche sicheiner wahren, von: Geiste des Christenthums erfülltenKunst in den Weg stellen. Auf der einen Seite hörenwir die Künstler klagen über die Theilnahmslosigkeit desPublikums, womit sie zu kämpfen haben, selbst dann,wenn sie noch so sehr von ernstem Willen beseelt sind,ihre Talente der heiligen Kunst zu widmen, eine Theil-nahmslosigkeit, die sich gerade in diesem Falle und fürunsere christlichen Künstler am schlimmsten geltend macht,werk der Schaden ein doppelter ist; auf der einen Seitewerden sie von den Fachgenossen als Nazarener, Heiligen-maler, Herrgottschnitzer, und wie die liebenswürdigen Titelsonst noch heißen, über die Achsel angesehen, und auf derandern Seite laufen sie Gefahr, ihre Werke unverkauft inihrem Atelier für immer aufzubewahren. Das ist der Jn-differentismus des Publikums. Airs der anderen Seitedagegen ertönt der Vorwurf, es sei heutzutage in dieKunst ein Geist eingedrungen, der gebrochen habe mit dengroßen Traditionen, der fast feindlich gegenüberstehe derLehre der Kirche, der Werke schaffe, die vielleicht technischgnt, realistisch wahr, von einem tüchtigen Studium derNatur zeugen mögen, die jedoch des christlichen Gehaltesganz und gar entbehren, das ist die Klage über den Na-turalismus der Künstler, zu der ich mich zuerst wende.
Meine Herren, ist dieser Vorwurf berechtigt? Wennwir unsere Museen und Ausstellungen durchwandern,wenn wir unsere Kunstschriften, unsere illnstrirten Blätterdurchgehen, wenn wir die Art und Weise betrachten, wieheutzutage an den meisten Akademien Kunst gelehrt undgelernt wird, so muß ich darauf antworten: „Leider ja".Die Kunst unserer Tage hat unter dem Druck des mo-dernen Geistes, so scheint es, den hohen Flug nach denSternen, der ihr angeboren war. verlernt und vergessen,und ihr Auge den Niederungen dieser Erde zugewandt,unbekümmert darum, daß sie dabei in Sümpfe geräth, inderen Schlinggewächsen sie sich verstrickt und in derentrüben Fluthen sie zu Grunde zu gehen droht. Es istdas eine Tendenz, meine Herren, die sich allerdings zu-nächst bei unserer profanen Kunst geltend macht, alleines ist doch nicht zu leugnen, daß auch die religiöse Kunstbis zu einem gewissen Grade von ihr beeinflußt wird,namentlich dann, wenn einer jener Künstler, die in derMythologie besser Bescheid wissen als in der Hciligen-geschichte, sich aus den: Olymp, wo sie sich natürlich amliebsten in Tamengesellschaft bewegen, in den christlichenHimmel verirrt und sich daran macht, anstatt einerAriadne, Psyche, Bacchantin, die Mutter des Herrn odereinen Engel oder gar Christus den Herrn selbst uns vorAugen führt. Meine Herren, ich weiß recht wohl, daß esohne gründliches Studium der Natur kein gediegenesKunstwerk geben kann. Die Kunst hat nun einmal dieAufgabe, das Schöne in sinnfälligen Gebilden darzustellen,und wo tritt uns diese Form der Kunst anders entgegen,wenn nicht in den Werken der Natur, die nach unsererfesten Ueberzeugung allerdings nicht das Spiel einesblinden Zufalls, sondern aus Gottes Hand hervor-gegangen rst, ein Abglanz seiner Schönheit und ein Ab-bild seiner unendlichen Vollkommenheit, eine Offenbarungaus einer andern Welt, die uns ein immerwährendes„8NI-SUM corcks," zuruft! Meine Herren, der Künstler mußdiese Natur studiren, auch dann, wenn er Uebernatürliches,Geistiges und Himmlisches uns erzählen und vorführenwill. Denn die Sprache, in der er zu uns spricht, sindFarbe und Licht, wie es draußen schillert und fluthet, sinddie Dinge, die uns umgeben, die Lebewesen, der Mikro-kosmos. der Mensch. Und, meine Herren, ohne gründ-liches Naturstudium gibt es kein gründliches Kunstwerk.