Ausgabe 
(25.9.1897) 56
 
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zur fleißigeren Anhörung der Predigt zu bringen, so-wie die Seite 84 und 85 (Rück- und Ausblick") gegebenenAnregungen zur Hebung der so wichtigen geistlichen Be-redsamkeit. Möchte doch das Büchlein recht viele Leserfinden; keiner wird es, ohne großen Nutzen daraus ge-schöpft zu haben, aus der Hand legen! Druckfehler, diebei einer Neuauflage zu entfernen wären, finden sich, ab-gesehen von einigen Jnterpuuktionsfehlern, Seite 8 Zeile 14von unten »xlaäsatis." statt nplaoeutia", Seite 11 Zeile 10von untenbariut" stattbauriat", Seite 15 Zeile 7diesen" stattdiese", Seite 17 Zeile 11 von obenein"statteine". Seite 23 Zeile 19 von obenÄndalusions"stattAndalusiens", ib. Zeile 26Seneke" stattSeneka",Seite 24 Zeile 15 von oben zweimalihren" stattIhren",Seite 30 Zeile 19 von untenSchleininger" stattSchleimger. Sprachlich hart ist der Satzbau Seite 13Zeile 16 von rucken, der Ausdruckich kann mich nichtverwinden", fürkaun ich mir nicht versagen". Sachlichmöchte ich noch zu Anm. 4 Seite 14 bemerken, daßHettinger in seinenAphorismen" die lateinischen Schrift-texte vertheidigt.

Baumann Fr. L-, Der bayerische GeschichtsschreiberKarl Meichelbeck (16691734); Festrede, gehaltenin der öffentlichen Sitzung der kgl. bayer. Akademieder Wissenschaften zu München, zur Feier ihres133. Stistungstages am 27. März 1897. München, Verlag der k. b. Akademie (G. Franz), 1897. 4°,54 Seiten. Preis 1 M. 50 Pfg.

-> Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß in dieserakademischen Rede das Andenken eines Mannes derdrohenden Vergessenheit entrissen wurde, den wir Bayern mit Stolz zu den unsrigcn zählen dürfen: es ist der be-rühmte Verfasser derListoris, ^risivZ-snÄs", ein Mitgliedder Benediktbeurer Kongregation, des um die historischeWissenschaft hochverdienten Benediktinerordens. Nacheiner Zeit des Verfalles, bedingt durch die schrecklichenHeimsuchungen, die der 30jährige Krieg über Bayern ge-bracht hatte, trat Meichelbeck auf historischem Gebieteals Stern erster Größe auf, ihn; gebührt das Verdienst,im südlichen Deutschland das erste Geschichtswerk ver-faßt zu haben, das den Anforderungen der Kritik Standhält; dasselbe machte (1. Band 1724) seinen Namen inganz Europa mit Recht berühmt. Nur in Freising. dasm der Historiographie doch eine so große Vergangenheithatte, wußte allein der Fürstbischof den Mann zu schätzen,nicht aber die Herren des Capitels. Ueberhaupt hatteMeichelbeck gerade genug zu kämpfen gegen Anfeindungen,Verdächtigung und Stumpfsinn im eigenen Lager. DaßMeichelbeck auch ein Schalk sein konnte, zeigt ein Vorfall,den Baumann (S. 45) aus Meichelbeck's Schriften mit-theilt: Die Kanoniker von St. Andreas in Freising wolltenihren Gründer, den Bischof Ellenhard, zu einemHeiligen"machen und öffneten 1723 sein Grab, um etwa Anzeichender Heiligkeit zu entdecken, von der nun Meichelbeck ganzund gar nicht überzeugt war: da öffnete unser Historikerheimlich ein Büchschcu mit scharfriechendem Balsam, unddie Kanoniker sogen mit Entzücken den paradiesischenWohlgeruch der Heiligkeit" ein, bis ihnen Meichelbeckhohnlachend das Balsamgefäß vor die Nase hielt und derFreude ein jähes Ende bereitete. Meichelbeck war voneiner staunenswertsten Arbeitskraft; seine Hauptwerkeschrieb er lateinisch, und sein Latein ist einfach, klar undelegant, so daß man wirklich mit Genuß seine Schriftenin die Hand nimmt, die sich leicht und angenehm lesen.Weiteres wollen wir über Meichelbeck aus Baumanu'sverdienstvoller Rede, die überall in unserem VaterlandeInteresse wecken wird. nicht anführen, nachdem diePost-zeitung" bereits in Beilage Nr. 33 ausführlicher überMeichelbeck gehandelt hat.

VIachos Ang., viotionnairo Aroc-tranoais. 8". XIV -j-1000 pp. ^töünss, LakollariM 1897. 1?r. 25..v Für die heutige hochgriechische Sprache der Bücherund Zeitungen reicht ein altgriechisches gutes Wörterbuchzur Noth aus; sobald es sich aber um das gesprochene Griech-isch (und auch die Gebildeten gebrauchen dre Volkssprache)oder um vulgäre Texte handelt, da versagen selbstdie wenigen neugriechischen Wörterbücher, die wir haben,nue Contopulos oder Legrand. Obiges Werk ist, wenngleich nicht absolut lückenlos, doch weitaus das beste und

ausführlichste dieser Gattung; es enthält nicht nur etwaeinen doppelt so großen Wortschatz, wie die erwähntenanderen, sondern namentlich eine ausgedehnte Phraseologieder Schrift- und Umgangssprache, woran es die bisherigenLexika fast gänzlich fehlen ließen. Die Ausstattung istsehr gut, die Anordnung und Ausarbeitung zufrieden-stellend; solang man noch nichts Vollkommenes hat, mußman auch für das relativ Beste dankbar sein, mögen ihmauch noch Mangel anhaften. Grammatische Angaben(z. B. über Genetivbildung u. s. w.), so wie wir es beiunsern klassischen Wörterbüchern gewohnt sind, wären er-wünscht;, es scheinen aber alle derartigen Handbücher mehrfür den Griechen berechnet, der eine fremde Sprache lernt,als für den, der nach dem Griechischen forscht. Es wärejedoch leicht, beide Theile vollkommen zu befriedigen; viel-leicht geschieht es bei einer zweiten Auflage oder deutschen Bearbeitung. Zur Beschaffung des Werkes bedient mansich am besten der Buchhandlung von M. Spirgatis inLeipzig, die auch sonst für Lieferung griechischer Bücherempfohlen sei.

Hertkeus I., Die Reliquien von den Sandalen JesuChristi in Prüm . Pilgerbüchlein nebst Andachtenund Gebeten. 12°. 72 Seiten. Prüm , I. Schuth,1896. Preis 25 Pfg.

s In der kleinen Eifelstadt Prüm waren im vorigenJahre (vom 11. bis 25. Oktober) die angeblichen Sandalender Herrn zur Verehrung ausgestellt und von überauszahlreichen Wallfahrtszügen aus Nah und Fern besucht.Das veranlaßte vorliegende Schrift, welche der frommenSage bis auf den Frankenkönig Pipin nachgeht, der dieSandalen von Papst Zacharias zum Geschenk erhaltenhaben soll. Die Echtheit läßt sich nicht darthun, da sospäte Quellen keine Beweiskraft haben, und frühereQuellen, die von Werth wären, eben nicht angeführtwerden können. Solche Literatur-Erzeugnisse beweisennur zu deutlich, wie berechtigt Schell's Klagen über dieexquisiten Culte" der modernen Frömmigkeit sind. An-gesichts derartiger Andachtsformen fragt man sich unwill-kürlich, ob der Glaube an die sakramentale Gegenwartdes Herrn in allen unseren Pfarrkirchen in den Gläubigenunseres Jahrhunderts so schwach ist, daß neben ihn: ganzzweifelhafte Reliquien einen solchen Anziehungspunktbilden können. Die Verantwortung jener, die solche Ten-denzen unterstützen, obwohl sie der: Trieb des Volkes aufgesündere Bahnen lenken könnten, ist keine kleine.

Petraris K., Taschenwörterbuch der neugriechischen unddeutschen Sprache. 16° 2 voll. 430 und 554 Seiten.Preis 6 Mark. Leipzig , Otto Holtze, 1897.k Dieses billige, hübsch ausgestattete und reichhaltigeWörterbuch wird gewiß von allen Freunden der neu-griechischen Sprache mit umso größerer Freude willkommengeheißen werden, als ein derartiges, unentbehrliches Hilfs-mittel auf dem deutschen Büchermarkt bisher gänzlichfehlte, denn das im gleichen Verlag früher (1841, zu-letzt 1881) erschienene Wörterbuch von Theodor Kind istvollständig werthlos und von Fehlern, sowie willkürlichgebildeten Wörtern wimmelnd (vgl. darüber Jeanarakis,Neugriech. Gramm. S. V), und die neueren brauchbarenLexika von Contopulos, Legrand, Vlachos sind in fran-zösischer Sprache abgefaßt oder enthalten, wie das treff-liche von Jeanarakis, nur den deutsch -griechischen Theil.Der Verfasser, ein Grieche, dem wir bereits eine ganztüchtige neugriechische Grammatik (Heidelberg . Groos,1895) verdanken, gibt uns Gewähr dafür, daß wir in vor-liegendem Buch keine selbst erfundenen Vokabeln (wie beiKind), sondern den echt griechischen Sprachschatz dermodernen Sprache in ziemlicher Vollständigkeit haben,und zwar enthält das Buch neben der Schriftsprache auchdie (mit Stern bezeichneten) Wörter der Umgangssprache,deren sich in Griechenland auch der Gebildete bedient unddie der Reisende kennen muß. Wir können das Buchnur empfehlen.

v. Steichele-Schröder, Das Bisthum Augs-burg historisch und statistisch beschrieben.44. Heft. Augsburg , Schmid, 1897.

-s. Während die beiden vorausgehenden Hefte wahr-scheinlich für manchen Abonnenten ein wahres Aergerniß