Ausgabe 
(2.10.1897) 57
 
Einzelbild herunterladen

öl,-. 57,

8. M. 1897.

Der moderne Darwinismus und seine Gegner.*)

Von Dr. O. Sp.

Woher das erste Menschenpaar?

Diese hochwichtige Frage findet in den verschiedenenZeiten von den verschiedenen Gelehrten verschiedene Be-antwortung. Viele wollen den Menschen zunächst ausden niedrigeren Organismen entstanden wissen, also ausdem Thiere; andere halten fest an einem ursprünglichen,bereits in der Bibel berichteten, speciellen Schöpferaktebezüglich des Menschen.

Dies die sich gegenüberstehenden modernen Hanpt-theorien! Ihnen gelte unsere Betrachtung!

Wollen wir untersuchen, worauf sich erstere Ansichtgründet, so haben wir die moderneEntwicklungslehre"(Evoiutions- und Descendenztheorie) einer näheren Wür-digung zu unterziehen.

Zuerst ihre geschichtliche Entwicklung!

Als die ersten Vertreter dieser wissenschaftlichenRichtung erscheinen wohl zunächst Bnffon und derältere Geoffroy, mehr Aufsehen erregte schon Lamarck mit seiner 2 ocüoAi<iu 6 " (1809). Der

Ruhm aber, eine vollständige, von allen Materialistenmit Hellem Jubel begrüßte Theorie aufgestellt zu haben,gehört dem englischen Naturforscher Darwin um dieMitte unseres Jahrhunderts.

Dieser Forscher wußte die in Frage stehende Theorieso geschickt zu stützen mit neuen Behauptungen, daß manfortan ihn als den Träger derAbstammungstheorie"bezeichnete. Der moderne BegriffDarwinismus" decktsich aber wenig mehr mit den Lehren Darwins , da esDarwin in wohlbegründeter Absicht unterließ, seineAb-stammungstheorie" ausdrücklich auf denMenschen" aus-zudehnen. Erst seine übereifrigen Schüler, von denenwir namentlich Huxley und Häckel anführen, dehnten inweniger kluger Zurückhaltung seine mit einigen Modifi-kationen in gewisser Beziehung vielleicht noch haltbareTheorie auch auf den Menschen aus. EinestarreArtenconstanz", wie sie Couvrier vertritt, ist nämlich nachDr. Güttlcrs Urtheil ebenso unberechtigt wie dieunbe-grenzte Variabilität" Darwins .

Auch der Mensch, behaupten also die Vertreter desmodernen Darwinismus, und nur in diesem Sinne seiweiterhin dieser Ausdruck verstanden, sei nicht aus derHand des Schöpfers, er sei vielmehr auf dem Wege derallmähligen Umbildung und Fortentwicklung aus der ihmzunächststehenden Thierform hervorgegangen. Mit Darwin selbst hat der heutige Darwinismus nur folgende dreiGrundthesen gemeinsam:

1. Alle organischen Wesen stammen von einemhöchst einfachen Urwesen ab die moderneDescendenz-theorie".

2. Die verschiedenen Arten gründen sich lediglich aufForterbung gewisser individueller Eigenthümlichkeiten, aller-dings sind vorausgesetzt ungeheure Zeiträume ----Trans-mutationshypothese".

So fordert Darwin selbst zu seinem Umgestaltungs-prozeß 300,000,000 Jahre. Häckel, der hierin wiederumzu weit geht, verlangt gleich Milliarden von Jahres-millionen für manche Entwicklungsperiode.

3. Der hauptsächlichste Grund der Umwandlung,

') Unter Benützung des Jacob'schen Werkes:DerMensch und sem Geschlecht".

wenn auch nicht der einzige, ist nach Darwin dieuatural soleotion (die natürliche Züchtung)Zucht-Wahltheorie".

Die natürliche Zuchtwahl wäre also das Zauber-mittel, mittels welchem Darwin und seine Anhänger dieRäthsel des organischen Lebens zu lösen versucht haben.

Um auf den ersten Sah des Darwinismus einzu-gehen, so ist vor allem zu sagen:Die Anhänger derDcscendenzlehre müssen wenigstens eineerste" organ-ische Urform, eine Urzelle, von welcher die Arten durchAbänderung stammen konnten, als gegeben annehmen."

Redet ja doch der Altmeister Darwin selbst von derUrform,welcher das Leben zuerst vom Schöpfer einge-haucht wurde"; es ist bezeichnend, daß Darwin auf An-drängen seiner Freunde diesen Satz in späteren Auflagenan erster Stelle strich.

Woher nun dieses erste lebendige Urwesen?

Der moderne Darwinismus steht nicht an zu be-haupten: dieses erste organische Wesen ist höchst einfachdurchUrzeugung"Zonoiatio uociuivocm" einschön klingender, uns stets aber räthselhaft gebliebenerAusdruck entstanden. Lamarck , der sich obige Frageconsequent fortgcstellt denkt, ließ noch einfacher das ersteLebewesen aus der leblosen Materie, also Leben ausLeblosem, Vollkommenes aus Unvollkommenem entstehen.

Wahrlich, nur instinktive Abneigung gegen die ge-offenbarte Wahrheit, gegen jedes Zeugniß, gegen jedeLehre, welche mit dem Glauben in einiger Beziehungsteht, konnte jeneNaturforscher" dazu bringen, sich dergewagtesten Hypothese in die Arme zu werfen, welcheden Schöpfer überflüssig macht, jeglicher Logik und Kau-salität widerstreitet.

Ihnen ist entgegenzuhalten:

Mit einer Berufung auf eine Urzeugung ist nichtsgedient und nichts erklärt. Wo existirt denn die That-sache, daß der leblose Stoff aus sich selbst Leben an-nehmen, aus sich selbst einen Organismus gewinnen könne -Durch die sorgfältigsten Experimente und Beobachtungenvon Männern wie Schulze, Schwann, Pasteur , Tyndallist der altehrwürdige Satz aufs neue glänzend bewiesen:nOmns vivuva ax vvc>"Aus dem Eie alles Leben". ,

Ja Darwin selbst schreibt im Jahre 1870:Wasauch die Zukunft noch enthüllen mag, die Wissenschaft aufihrem gegenwärtigen Standpunkt begünstigt nicht dieMeinung, daß lebende Wesen jetzt aus organischer Materieneu entstehen."

Erfolglos sind bisher alle Bemühungen der Natur- ^forscher, einer Urzeugung auf die Spur zu kommen.

In dieser Hinsicht macht Bischofs ein ihn als Forschernur ehrendes Zugeständniß:Bei unseren Forschungennach dem Anfang der Dinge kommen wir immer wiederauf ein letztes Glied, über das wir nicht hinaus können.Wie die ersten organischen Wesen auf die Erde gekommensind, ist uns ebenso unbekannt, wie der Uranfang derDinge überhaupt."

Gerade die Vernunft also fordert, wenn man sieaufrichtig sein läßt, den Schöpfer. ,j

Was den allmähligen, fast unmerklichen Uebergangder einen Art organischen Lebens in die andere betrifft,so findet für's erste diese Uebergangslehre keine Stützedurch die aus den Schichten der Erdrinde zu Tage ge-förderten Reste organischen Lebens. ImArchiv derGeologie" finden wir die Arten und Gattungen scharf