394
begrenzt nebeneinander. Und „wo wir ein und dieselbeSpecies sowohl in historischer Zeit (Mumienthiere) oderin geologischer bis vor die Eiszeit, ja Muscheln selbstbis in die „oligocäue" Zeit verfolgen können, denSpecicscharaktcr finde» wir unverändert und nur in ganzbestimmten Graden schwankend".
Diesen Mangel der von seiner Theorie unbedingtgeforderten Ucbcrgangsforincn fühlte auch Darwin rechtwohl, nicht aber seine weniger „feinfühlenden" Schüler.Wenn er aber meinte, gerade die Uebergangsformenkönnten durch Zufälligkeiten geologischer Prozesse zuGrunde gegangen sein, so ist dies nach dem Zeugnisse vonGeologen eine Annahme von immenser Unwahrscheinlich-keit. Ebenso ist die vielfach gehegte Hoffnung unbe-gründet, man werde die Ilebergänge schon noch finden.Wenn auch nur Bruchstücke jedes geologischen Terrainsbekannt sind, so besitzt man doch solche Brnchtheile aufallen Contincntcn und Inseln der Erde, und es wäreein höchst launenhaftes Spiel des Zufalles, wenn diebekannten Fragmente gar überall fertige Speciesformenund gar nirgends werdende oder Uebergangsformen auf-bewahrt hätten. Jenen „Hoffnnngsseligcn" gegenüberist nur die Präcision des Spatens zu bedauern, der, sooft sie ihn ansetzen und umwenden, ihnen stets ein gleiches,vernichtendes Urtheil spricht.
Paläontologie, Geschichte, Erfahrung stehen alsogegen diese „Theoretiker". Wie bereits angedeutet,haben sich Darwin und- noch mehr seine Anhänger aufungeheure Zeiträume berufen, welche ihr System ermög-lichen sollen. Jenen „Zeitmillionärcn" halten wir abernur entgegen, ihre Forderungen sind höchst willkürlichund nicht auf cxpcrimcntcller Basis fnndirt; denn dieneuesten Ergebnisse der Physik, wonach seit Uranfang desorganischen Lebens auf der Erde kaum mehr als hundertMillionen Jahre verflossen wären, widersprechen der An-nahme so ungeheurer Zeiträume.
Das Urtheil Kant's , „die Evolutionstheorie sei- eingewagtes Abenteuer der Vernunft," ist auch das nnsrige.Weit eher ist anzunehmen, der „Schöpfer" habe eineZahl Urtypen organischer Wesen ins Leben gerufen undihnen die Kraft der Wcitcrzengnng gegeben.
Und nun zur Stammbanmsfrage!
Zu stützen suchte man diese Hypothese bezüglich derAbstammung des Menschen von einer Affenart mit demHinweis anst eine angeblich ganz außerordentliche Ueber-einstimmung des menschlichen Körpers und seiner Ent-wicklung mit der körperlichen Organisation meuschcn-iihnlichcr Affen.
Dagegen führen wir nur an die Worte I. Nanke's:„Wir brauche!» nicht zu bcstrciten, daß höher stehendeWirbelthicre und der Mensch mit Organen leben undsich bewegen, die einander ähnlich sind. Wir geben zu,baß ein neues, im Thierreich unerhörtes Organ beimMenschen nicht auftritt und daß im letzteren alle wesent-lichen im Thicrreich vertheilten Organe und Einricht-ungen vereinigt erscheinen." So Ranke.
Ucbrigcus legt die Thatsache , daß Mensch und Thieraus derselben chemischen Materie, aus der Mutter Erdesich zusammensetzen, von vornherein klar, daß Menschund Thier die gewöhnlichen niederen Lebensbedürfnisseund die Physische Lebensart gemeinsam haben.müssen.Aber berechtigt diese Thatsache schon znm Schlüsse, daßder Mensch einfach aus einer anthropoidischen Thierformhervorging? Ist die altehrwürdige Lehre von der Er-schaffung des Menschen durch Gott, ist ein specieller
Schöpfungsakt wirklich durch unumstößliche Resultateexakter Forschungen znm Märchen gestempelt? Das istdie Frage!
Für die rein „Wissenschaftlichen " existirt dieselbefreilich nicht. Es gehört ja heutzutage zur „wahren"Wissenschaft die unbedingte Lengnnng des Schöpfers,und erst sie macht den, der wissenschaftlich so viel wiegar nichts leistet, in gewissen Kreisen zum „geistreichen,auf der Höhe der Zeit stehenden, aufgeklärten Mann".
Es wird sich aber zeigen, daß die Lehre von derAbstammung des Menschen vom Affen nichts weniger alsbewiesen ist.
Voraus schicken wir das Urtheil Darwins , daßzwischen dem Menschen und den Anthropoiden „einegroße Unterbrechung in der organischen Stnfenrcihe be-stehe, die von keiner ausgestorbenen oder lebenden Speciesüberbrückt werden könne".
Und nun znr Vergleichnng selbst!
Der hagere, behaarte, faßförmige Affenlcib ohneGesäß, die bis an die Kniegelenke herabreichcndcn Arme,die kurzen, wadenlosen Beine desselben, der bei vielenArten vorkommende Schwanz .und nun vor allem derscheußliche, fratzcnartige Thierschädel, der in seiner ge-wöhnlichen Lage. nach vorne überhängt und zur Erdestarrt, das ranhthicrartige Gebiß, die fast fehlendenLippen, die plattgedrückte Nase, die boshaft blickenden,tief liegenden Augen, die hervorstehenden Augenwnlsten,die gänzlich fehlende Stirne: all diese Merkmale müssenals gegensätzlich znm Körperbau des Menschen aufgefaßtwerden. Und während der Mensch „mit erhobenem Augeden Blick zu den Sternen richtet, ist dem Affen der auf-rechte Gang nicht eigen". Seine Hinterfüße, oder eigentlichbesser gesagt, seine Hinterhand befähigt ihn nicht zumaufrechten Gang.
Fehlen bei- ihr ja doch, wie bereits erwähnt, dieWaden und die zum aufrechten Gang erforderlichenSohlen. Auch ist das schmale Becken absolut nicht ge-eignet, beim aufrechten Gang den schweren Körper nurunvollkommen zu tragen, und wie Brehm sagt, ist esdem Affen nur möglich, mit eingeknickten Knien mühsamdahinznwanken.
Außerordentlich treffend ist bezüglich dieses Punktesdie Aeußerung I. Rankc's: „Die Anthropoiden werdenin Beziehung auf den aufrechten Gang vom ,Tanzbärc>stweit übertrofsen," — für einen findigen Darwinistenvielleicht ein Anhaltspnnkt, den Menschen sür's XX. Jahr>hundert vom „Tanzbären" abstammen zu lassen.
Wie bereits angedeutet, ist der GcsammtcindrNck„menschenähnlicher" Affen im Gegensatze zum „EbenbildcGottes" der des Thierischen, oder, wie O. Hermes sichausdrückt über den „Stammvater" Orang-Utan, gibtalles an diesem Thiere demselben so etwas Diabolisches,daß die kühnste Phantasie Mühe hätte, sich ein größeresScheusal vorzustellen. Auch wir schließen uns gernediesem Urtheil au bei dem uns znr Zeit gebotenen An-blick von den 300 Orailg-Utan-Schädclii, welche durchdie Güte des Herrn Professors Dr. Selenka dem anthro-pologischen Seminar „München " , zur Verfügung gestelltsind. Sehr bezeichnend für den Bau des Schädels istder sogenannte Eampcr'sche Gesichtswinkel. Während der-selbe beim Menschen zwischen 70" und 85" schwankt, sinkt erbeim erwachsenen Schimpanse aus 35°, beim Orang-Utanauf 30° herab. Eine Vergleichnng der Gchirnmasscn be-gründet, ebenfalls einen nicht zu hebenden und mit allemDarwinismus und Lamarclismus nie zu vermittelnden