Ausgabe 
(2.10.1897) 57
 
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Unterschied zwischen Menschen und Affen. I. Rauke hatden Jnnenraum von 100 männlichen Schädeln in Alt-bayern auf durchschnittlich 1503 oain berechnet, bei weib-lichen auf 1335 ccm. Nach Tropinard ist der mittlereInhalt der europäischen Schädel 1410 ccm. Und nunznm Affen!

Schon der Anblick des Schädels selbst zeigt unseinen ungleich kleineren Gchirnranm, und denken wiruns das Gesicht, das fast nur durch ein riesiges Gebitzgebildet wird, weg, so bleibt uns ein Köpfchen, wie daseines neugeborenen Kindes, mist seine Kapacität ist be-rechnet auf ein Mittel von 498 oom beim männlichenGorilla, für Weibchen auf 458 ccm.

Eine von uns. selbst vorgenommene Untersuchung andem größten Oraug-Utan-Schädel, stammend von einemmännlichen..Exemplar, aus Berantau, und an einem ver-hältnißmäßig kleinen menschlichen Kopf ergab folgendeResultate: für den Affcnschädel fanden sich 440 ccm,für den Kopf des Menschen 1343 ccm; wir haben mit-hin nicht weniger als 903 ccm Capacitätsuntcrschied;für den größten uns bei unsern Untersuchungen unter-gekommenen Kopf fanden sich 1719 ccm, mithin einUnterschied von nicht weniger als 1279 ccm!

Bilde und arbeite also Natur und überbrücke solcheDifferenzen'.

Gerland hat recht, wenn er behauptet, daß einmenschliches Gehirn von so mächtiger Größe aus einemäffischen nicht entstehen konnte.

Wir selbst aber sagen:Auf Grund dieser Dif-ferenzen liegt der Schluß weit näher, der Affe stammevom Menschen, als jener des modernen Darwinismus,der Mensch stamme vom Affen." Selbst Pros. Schaaff-hauscn, ein eifriger Verfechter der Desceudenzlehre, er-klärt:Der wesentlichste Unterschied zwischen Mensch undThier liegt in der Größe des Gehirns."

Wir könnten nun noch betonen die Verschiedenheitder inneren Gehirnstrnktur, die Lage des Schädels, dieVerschiedenheit der Dornfortsätze, die verschiedene Stellungdes Ohres, die Platyknemie u. a. m.

Wir glauben jedoch, daß das bereits angeführteMaterial genügen wird, um ein Urtheil über die Be-rechtigung oder Nichtberechtigung des modernen Darwinis-mus zu ermöglichen.

Unser persönliches Urtheil geht dahin: Der moderneDarwinismus ist eine wissenschaftlich erscheinen wollendeModethorheit, welcher besonders die Atheisten huldigen,um ungestraft vom Gewissen Atheisten fein zu können. Mögen sie stolz auf ihren Stammbanm sein!

Martin Greifs religiöse Lyrik.

Ich all dem tollen Getriebe der jungen, jüngerenund jüngsten Dichterschnlen ist mit wenigen andern seinenruhigen Weg seitab gegangen unser engerer LandsmannMartin Greif . Und die einen klatschten den auf-prasselnden Rakctengeistern überschwenglich Beifall undträumten schon, zumeist in gegenseitiger Selbstbeweih-räucherung, von einem Neuland der Poesie die andernwandten sich, angeekelt von dem widerlichen Tamtam-schlagen der Gegenwart, ab und versenkten sich mit desto hin-gehenderem Eifer wieder in die alten, junggebliebenen Geisterder großen Epochen. Und nur ganz wenige verfolgtenden Lauf der Gegenwart mit Besonnenheit und schiedendie Spreu vom Weizen: so kam es, daß ein Bayers-dorfcr, Bodenstedt, Meißner denunbekannten" Greifauf den Schild hoben, daß Victor Hehn begeistert aus-

rief:Jetzt ersehe ich, daß ich eiu Genie ersten Ranges,dessen Werke noch die Bewunderung künftiger Jahr-hunderte finden werden, verkannt oder übersehen habe."Da wurde es denn allmählich so manchem Professor aufseinem Unfchlbarkcitsgcstühle bang, und es kam jenesfamoseVertrauliche Rundschreiben" zu stände, in deinder Literaturbonze W. Scherer seine Freunde zur Unter-drückung des,aufdringlichen Martiu-Greis-Cultus" auf-rief der wichtigste Beleg, für das literarische Cliqucn-nnwcsen unserer Tage. Und nun suchte man den litcrar-ischen Einsiedler entweder lächerlich zu machen odertodtzn schweigen und warum? Wir finden nureinen Grund: Greif huldigt nicht dem materialistischenZeitgeist; er macht in seiner Poesie der jüdisch-liberalenRichtung keine Zugeständnisse; er folgt nicht der reltgton-nnd sittcnzersetzenden Schaar der Jungen: er ist einpositiv gläubiger Christ, der auch mit seinemGlauben nicht hinter den Bergen hält. Das zeigt eruns in seiner ganzen Dichtung, besonders in seiner re»ligiöseu Lyrik.

Die deutsche Literatur besitzt allerdings religiöse Ge-dichte genug, auch von ganz Ungläubigen. Aber wenndieselben nur einer künstlich erzeugten Stimmung ent-springen, lassen sie kalt wie jede nüchterne Reflexion.Greif ist wahrhaft religiös: kein Wunder; bittere Er-!fahrungen hatten ihn gar früh zu einem ernsten, stillen ^Denker geschaffen; zu dem kommt sein angebornes, sin-^ntges, in sich gekehrtes Wesen: im Wechsel der flüchtigenErscheinungen, in der Einsamkeit der Wälder, der Wild-niß der Berge, im Umlauf der Gezeiten lernte er baldzu dem die Blicke lenken, der alles lenkt und leitet. DemWirken der Natur spürt Greif mit wundersamer Fein-fühligkcit nach: das zitternde Laub, die einsame Föhre,/das dunstige Moor Blühen und Welken, alles erwecktin ihm die alten Gefühle der Menschheit: aber sie er-scheinen uns durch ihn in immer neuen, tiefsinnigen Ge-dankenreihen. Aber nicht in verschwommenem Pantheismusbetet er die Mutter Natur an, sondern zu ihm schaut erauf, der da schufder Ordnungen Sinn". Mit wenigerRhetorik als Klopstock, mit der seelischen Begeisterung desPsalmistcn lobpreist er den Herrn, der danahet inGewittern". (S. 67.)')

Wer wohl ruft mir im Gewittersturm?

Seine Stimme kenn' ich,

Nicht erbeb' ich vor ihr.

Er ist's, der mein Schicksal lenkt,

Der den Lebenshauch mir gabUnd mir setzt die Todesstunde.

Ihm vertrauen will ich, wie immer.

So auch jetzund.

Da mit berstendem Krach

Fährt ein prasselnder Blitz hernieder.

Jählings neben mirSchlägt er ins bange Gehölze.

Taumelnd steh' ich da.

Doch im nächsten Augenblick schonKnie' gefaßt ich.

Stammelnd,

Deiner Allmacht. Vater,

Kindliche Laute."

Mit gleichem Schwung, mit den Tönen eines Jesaiasbesingt unser Dichter Gott als Lenker der Schlachten im'Lobgesang auf den Sieg von Sedan". (S. 293.)

Kämen sie zahllos wie die Wogen des Meeres.Ihre Rosse zerstampften alle Halme des Feldes,Ihre Gespanne tränken die Fluth aus den Bächen,Es ständen auf die Krieger dreier Samen,

') Gesammelte Werke, Leipz., Amelangs Vcrl. 1695.