Ausgabe 
(2.10.1897) 57
 
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Literarisches zur Canisins-Feier.

8 Die Canisius-Fcier hat schon eine stattliche Zahlliterarischer Erscheinungen zu Tage gefördert. Sie allebringen Schilderungen über das Leben und die Tugendendes Seligen und leisten hierin recht Erfreuliches. Wenn siejedoch daran gehen, das berühmteste und segensreichsteWerk unseres Helden zu besprechen, nämlich seinen imJahre 1554 zum ersten Male erschienenen großen Kate-chismus (Summa ciootrinas vkrtstirmas), so beschränkensie sich darauf, das Lob Leo's XIII. über denselben zuwiederholen, seine Gediegenheit und theologische Reinheit,seine Zeitgemäßheit und Nothwendigkeit im 16. Jahr-hundert, seme schnelle und weitgehende Verbreitung u. dgl.zu ermähnen. Ist aber schon jemand mit dem Gedankenoder Vorschlag aufgetreten, den inneren (materiellen) Werthder Canisischen Summa, wie für alle Zeiten, so besondersfür die unsrige, zu untersuchen und den Gründennachzuspüren, aus welchen der Canisische Katechismusdem Gebrauch zurückgegeben werden soll? Kaum! DieserGedanke ist in einer Schrift angeregt, welche uns soebenzu Gesichte kommt, nämlich in der Schrift: Die Wieder-belebung der Canisischen Katechese. I. Theil:Die Fundamentirung des Glaubens in Ver-stand und Willen, von vr. Stephan Lederer, Pfarrer in Rodalben (bayer. Pfalz). (Selbstverlagdes Verfassers sVII. 202 Sch Preis 2.20 M.)

Was bietet diese Schrift? Nach dem Vorwort ver-folgt sie als Hauptziel, das in der Canisischen Summagebotene ausgezeichnete Lehrmaterial in neue,den Formen der Einfachheit und Kürze mehr ent-gegenkommende Formen zu gießen". (S. I.) Sie trittnun im ersten Artikel des 1. Abschnittes sofort mit demBeweis hervor, daß die katholische Gelehrienwelt im Un-recht war, den Katechismus des sei. Canisius als für dieZukunft unbrauchbar zu bezeichnen, weil er in seiner aller-ersten Aufstellung als Fundamentobjeet, mit dessen Er-fassung und bereitwilliger Annahme alles übernatürlicheErkennen und Wollen beginnt, statt der Wahrhaftig-keit Gottes und der Offenbarungsthatsache die über-natürliche Vorstellung des ewigen Heiles undweiter die Vorstellungen von Gott als dem Ur-heber des Heiles und der Heilsmittel und vonder Kirche als der Führerin zu diesem Zieleaufgestellt habe. Weiter geht nun die Untersuchungunserer Schrift zur Frage über. weßhalb diese über-natürlichen Vorstellungen zur Annahme in einem über-natüriichen und unmittelbar-freien Erkenntnißakt ge-langen. Die Antwort lautet: Wegen der unendlich-vollkommenen und himmlischen Zweckmäßigkeit ihresdurch die Kirche vorgelegten Inhaltes für das voll-kommene Glück des Menschen. Das oberste Principder Katechese ist nach dem Verfasser deßhalb im Wortedes göttlichen Heilandes ausgesprochen:Predigt dasEvangelium aller Kreatur" (Mark. 16,15), oder auchinr Worte des hl. Paulus:Der Glaube kommt aus demHören, das Hören aber durch das Wort Christi"(Röm. 10,17). Und durch eine Katechese, bei welcher dieGlaubensgeheimnisse von der Kirche als Botschaften desewigen Heiles stets in erster Linie aufgefaßt und darge-stellt werden, wird nach demselben gerade auch dem Willendes Menschen genügt, indem er in den Heilsbotschaften diezu allererst nothwendigen Heilsgüter (zur Herstellung derHeilserkenntniß) erwirbt, gemäß dem Worte des heil.Paulus :Mit dem Herzen glaubt man" (Röm. 10, 10).Das eigentliche Glaubensmotw besteht also dem Verfassernicht in der Wahrhaftigkeit Gottes und in der Offen-barungsthatsache, sondern in dem Merkmal der abso-luten Vollkommenheit (vsrtt»8 prima), welches demhimmlisch heilsamen Inhalt der Glaubensobjecte eigen istund den Menschen durch Predigt und Katechese wahr-nehmbar gemacht werden soll.

Es würde zu weit führen, hier noch eine Skizzirungaller in das Problem des Glaubensmotives einschlagendenNebenfragen und ihrer von Dr. Lederer gegebenen Lösungenmittheilen zu wollen. Bemerkt möge nur noch werden, daßder Verfasser nicht wie so viele Autoren auf dem Gebietedes Glaubensprocesses den Schwierigkeiten aus dem Wegegeht, sondern sie aufsucht, um sie dann auf.'einfache,nüchterne Weise zu lösen, wobei ihm Schrift, Thomas

von Aguin, Lehre der Concilien mit dem Wortlautihrer Aussprüche oft in schlagender Weise zn Hilfe kommen.Hier ist kein unsicheres Tasten und Suchen, keine dunkle,den Wortlaut drehende und mühsam pressende Erklärungder Autoritäten, sondern kurze, einfache, nüchterne Beweis-führung, die überrascht und befriedigt. Dabei ist diegegnerische Anschauung (die neufcholastische Lehre vomGlaubensmotiv) mit Ernst und Ruhe behandelt, nicht umvöllig abgethan zu werden, sondern um das Urtheil zuerfahren: Die Wahrhaftigkeit Gottes und die Offenbar-ungsthatfache haben im Glaubensakt zwar nicht die Stel-lung des primären oder eigentlichen, sondern die dessekundären Glaubensmotivs, d. h. sie kommen imGlaubensleben des Christen besonders dann zur Verwerth-ung, wenn es sich bei diesem darum handelt, die schon ge-glaubten Heilsgeheimnisse gegen den Vorwurf der Jrr-thümlichkeit oder Lügenhaftigkeit, der meistensseine Wnrzel.in einem verdorbenen Willen hat, in Schutzzu nehmen.

Wir zweifeln nicht, daß das Werk Lederer's in allenkirchlichen und pädagogischen Kreisen große Aufmerksam-keit erregen wird. Ein kräftiger Anstoß zur Wiederbeleb-ung der Katechese mit dem Geiste des sei. Canisius istes jedenfalls und verdient deßhalb die Aufmerksamkeitder katholischen Welt.

Recensionen nnd Notizen.

Dr. zur. Albrecht, Der Inhalt giltiger Testa-mente. Verlag von Curt Stäglich in Leipzig .Preis 2 Mark.

Es ist mit Freuden zu begrüßen, daß sich der Ver-leger entschlossen hat, im Anschluß an Albrecht,Formen der Testamente, auch den Inhalt der-selben nach gemeinem, preußischem, französischem, sächsi-schem und zukünftigem deutschem Recht bearbeiten zukassen. Dem Autor ist es mit großem Geschick gelungen,das Buch in einer Weise abzufassen, daß es von Jeder-mann verstanden und benutzt werden kann. Gewinntdasselbe schon dadurch an großem Werth, so wird der-selbe noch durch die angeführten Beispiele wesentlich er-höht. Mit dem 1. Januar 1900 tritt das zukünftigedeutsche Recht in Kraft, auch diesem trägt der Verfasserreichlich Rechnung, indem er sehr eingehend in Bezug aufden Inhalt der Testamente berichtet und diesen durchBeispiele ergänzt. Die Errichtung eines Testaments ge-hört zu den wichtigsten Rechtshandlungen im menschlichenLeben und empfiehlt sich deßhalb obiges Buch von selbst.

HaKsn ck o. 6 o. (s. ll.), H-tlas stsllarum variabiliuw-Lsrolini, Lsl. Oamso 1697 sgg.

/U Lsv. ?. USASN, oovistatis lls8u, gMS rs8 matüs-matioas st astrouomioas ssmpsr psouliari stuäio st 8uo-oossu kovsbat, sockalis tsbulas stsllarum sckituru8 est,gualss in bao intsArttats uuuguam s xrsla prockisrnnt.Os groxosito autor ipss clisssruit in vonArsssu S8tro-nomivo anno suxsriors LambsrAso kabtto. 6k.Visrtsl-zs,bi88obrikt kür ^.strouomis" XXXI, 4 (p. 278283), ubiplura. ütlas oomprsboncket omns8 stsllas variabilso U8-gus ack 25. Araäum insr. äsolin., i. s. numsro viroiter250 stollas. Atlantis pars prima e»8 sxbibsbit 50 U8gns60 variabile8 otsllao, guas nuäo ooulo bons obssrvartpv88nnt st zam apuä D. Hsia (^.tlas oosls8ti8. Lonnae1872) st Listn (Ltsrnatlao. I>ip8ias 1888) cks8oribuntur;opsris osouncka st tsrtia xars stsllas ooutinsbit ksrs 200vartabtlso, guas nonnim ooulo tslseooxio armato oon-8piotuntur. Opu8 8uo awbitu intsZrum guingus 8srÜ8ckwtributum eckstur; incksx oomttano uotas dabsbit ns-os88aria8 ooinxutations8 astronomioao.

Jugendlaube. Bibliothek für die Jugend. Heraus-gegeben von Hermine Proschko. Wien 1897.VerlagsbuchhandlungSt. Norbertus'V Preis desBündchens 70 Pf.

Bei der Ueberfülle des Lesestoffes, der heutzutage denKindern geboten wird, aber mitunter sehr wurmstichig ist,ist eine Gabe von tadelloser Gediegenheit wie dieJugend-laube" von Herrn. Proschko mit Freuden zu begrüßen.

Verantw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .