Ausgabe 
(16.10.1897) 60
 
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bezahlt, nicht mehr Hosemcinncr gibt, als den Bim mitseiner Gesellschaft, ist wirklich so erfreulich, wie ich nichtsAehnlichcs aus der letzten Zeit kenne. Die Altkatholikenkönnen nichts gründen, das hat sich sattsam gezeigt. Gott helfe weiter. Sehr wichtig ist auch, daß die HerrenPreußen in ihrer Rechnung auf ihre aufrichtigen An-hänger unter den Katholiken jetzt gründlich sich enttäuschthaben, das; Dolle Klarheit in die Situation gekommen.

xosteriori geschlossen, ist nichts erfreulicher, als daßdie gewiß gut gemeinten Wünsche des deutschen Episkopatesauf dem Concil nicht dnrchgedrnngen sind. Sie wissen,früher habe ich anders gedacht, aber die Ereignissehaben mich gründlich eines Bessern belehrt. HabenSie Muth, lieber Freund, wirken Sie recht auch mit derFeder für die ächte Aufklärung des Volkes."

Janssens Zuversicht stieg immer mehr.

Die Dinge stehen gut, lieber Schneider, schreibt eram 7. Juli 1872, seien Sie nur ja nicht eutmuthigt; ichhoffe nur, daß der betrunkene Wagenlenker in immerrascherem Tempo weiter kntschire . . ., könnte ich nurmit Ihnen darüber Näheres sprechen. Sie kennen michschon, daß ich kein Optimist bin, aber zur Zeit, meine ich,stehen die Dinge besser wie je, weil das katholische Be-wußtsein, vor allem das katholische Leben so gewecktwerden, das wird auch in Bayern kommen. Wäre nurder Ton so vieler Blätter, wie ,Vaterland' n. s. w., einanderer. Eisern Sie auch Ihrerseits gegen den so ge-meinen Ton, der unserer Sache so viel Schaden bringt."

Il taut cias ovociusZ martz-rs, jetzt werden siekommen."Welche Gesetzentwürfe, ruft er unter dem Ein-drucke der Gesetzgebung des Jahres 1872 und 73 aus,aber besorgen Sie nichts, sie sind bald zu Ende." Esdauerte allerdings längere Zeit, bis sich seine Hoffnungerfüllte.

Seien Sie mnthig", mahnt er am 8. August 1873seinen Freund,auch unter den trüben Erscheinungen auskirchlichem Gebiet; soweit ich beobachten kann, macht derächt kirchliche Geist unter den Katholiken erfreuliche Fort-schritte, wenn sie auch nicht überall schon im äußernLeben sich zeigen was wächst, macht keinen Lärm.Im neuen deutschen Reiche gilt fast nichts mehr als Judeund Pickelhaube alle geistigen Kräfte sind erlahmt.Daran habe ich wahrhaftig keine Freude, aber die größteFreude habe ich an der Einheit unseres Episkopates, ander Energie, an der Treue des Klerus und des Volkes-während auf der gegnerischen Seite die Selbstanflösnngimmer raschere Fortschritte macht. Ich sage jetzt, ivasfrüher Thisscn zu sagen pflegte, .es geht gut'."LassenSie sich in Ihrem Muthe und Gottvcrirancn durch nichtsstören. Die Cnltnrkänipfer sind bald am Ende ihresLateins. Violontoo non ciurant." So schrieb er am30. April 1874, und er hatte recht.

Freilich, die Angriffe auf die Rechte der Kirchedauerten fort und nahmen an Heftigkeit zu, aber Janssenerlebte auch noch den Sieg der guten Sache, und dasmachte ihm die größte Freude.

Janssens Liebe zu seinem deutschen Vaterlande wartrotz dieser unseligen Zustände eine recht innige. Vater-landsliebe und kirchliche Treue bilden eben keine Gegen-sätze, und sie können auch keine solche bilden, da ja dieKirche die sicherste Stütze für die Staaten ist und denGehorsam gegen die staatliche Autorität in allen welt-lichen Sachen zur Pflicht macht. Auch Janssen hing mitvollem Herzen an seinem Vatcrlande, dessen ruhmvolleGeschichte er wie wenige zu würdigen verstand, und an

Anhänglichkeit an dasselbe hat den großen Geschicht-schreiber keiner seiner vielen Gegner übertroffen. Welchregen Antheil nahm er nicht an den deutschen Siegenvom Jahre 1870! Hören wir seine eigenen Worte,welche er am 9. August 1870 an seinen Freund schrieb:

Das soll Ihnen, lieber Freund, noch am Abendeder Verkündigung des Sieges von Nezonville zufliegenund Ihnen meine herzlichsten Grüße bringen und denAusdruck meiner Freude über den Erfolg unserer Waffen.Ich weiß, daß auch Sie als guter Patriot diese Freudetheilen. Gottlob, nun läßt sich wieder mit ganzandern; Muthe eine deutsche Geschichteschreiben. Auch das Bürgerblut von 1866 ist durchden gemeinsamen Patriotismus und die trotzig mnthigeTapferkeit aller deutschen Stämme gesühnt. Ich kannIhnen gar nicht sagen, wie ich mich über die Bayern freue. Ehre auch Ihrem Könige, .... der jetzt Mann ge-worden. Ich war gerade beschäftigt, eine neue Auflage meinesSchriftchens /Frankreichs Rheingelüste' zu veranstalten,als die ersten Nachrichten unserer Siege von Saarbrückenund Wörth einliefen, und nun ist das.Eiscnstechen wohlnicht mehr nothwendig. Hoffentlich wird mit Napoleon und seiner ganzen Catilinaricrbande gründlich aufgeräumt,und die Franzosen erhalten nun, ihren langen hundert-jährigen Wünschen gemäß, ihre ,natürlichen Grenzen',nämlich die Vogesen , zurück. Die schwierigste Frage wirdnur sein, mit wem in Frankreich bei den zerrütteten Zu-ständen des Landes ein dauernder Friede zu schließen ist.Aber Gott wird weiter helfen, und ihr Bayern be-kommt Deutsch-Loth ringen (!! was sich allerdingsnicht erfüllte), Metz wird Bundcsfestnng."

Die Krönung König Wilhelms zum Deutschen Kaiserkam Janssen, der die Entwicklung dieser Frage scharf ver-folgt hatte, gar nicht überraschend. Interessant sind seinediesbezüglichen Ausführungen in einem Brief von; 7.Januar 1871, also noch vor der vollendeten Thatsache:

Die Erhebung des Königs von Preußen zumKaiser liegt meiner Ansicht nach ganz in den realen Ver-hältnissen, >vie Gott deren Gestaltung zuließ, begründet»und ich stehe ganz auf dem Standpunkte der badischenAbgeordneten, und unterschreibe so jedes Wort in derIhnen gewiß bekannten Rede von Baumstark. Aber eineandere Frage ist's, ob es zeit- und zweckmäßig war,die Sache jetzt schon aufzuspielen, sie nach Versailles zuverlegen und damit -die Franzosen anf's Tiefste zu be-leidigen. Erst nach geschlossenem Frieden auf deutschen;Boden wäre, scheint mir, die Verwirklichung der Kaiser-idee recht an; Platze gewesen."

(Schluß folgt.)

Die Zerstörung Magdeburgs.")

In unserem AufsätzeDie Wahrheit in der Ge-schichte" (vgl. 1. Jahrg. S. 257) haben wir den Ge-danken ausgesprochen:Seitdem eine gründliche Geschichts-forschung ... so viele Irrthümer in der Geschichte auf-gedeckt hat, kann nur mehr böse Absicht angenommenwerden, wenn immerfort die alten Fabeln leichtgläubigenLesern und unerfahrenen Schülern als geschichtliche Wahr-heit vorgelegt werden. Und doch geschieht das leider soviel!" Zu den Unwahrheiten, welche mit Vorliebe inder Geschichte verbreitet werden, gehört auch die, imdreißigjährigen Kriege sei Magdebnrg durch den kaiser-

O Aus den; Oktoberhefte derWahrheit" (Heraus-geber Oe. Kaufen in München , Verlag von Rudolf Abi).