Ausgabe 
(16.10.1897) 60
 
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mäßigem Wissen und an Wißbegierde mit wirth-schaftlichem Niedergang. Es gibt ja auch da Ausnahmen,und zwar nach beiden Richtungen, aber die Regel wirddadurch nur bestätigt.

Wie kann es auch anders sein? Wo das katholischeVolk in der Kirche Jesu Christi nicht mehr die frer-geborne Tochter Gottes, sondern die willfährigeDienstmagd dcS Staates vor sich sieht, kann seine-Hochachtung vor ihr und ihren Organen wahrlich nichtsteigen:'auch ist da nicht zu verwundern, wenn die Leisteihrem Seelsorger nur noch insoweit Gehorsam entgegen-bringe», als sie die Staatsgewalt hinter ihm aufgepflanztsehen, und wenn sie dann in ihrem Pfarrer mehr einenVoltsbedrücker als Volksbeglücker zu erblickenanfangen.

Ich gebe also gerne zu, verehrter Freund, daß eseinen verdorbenen Katholizismus ich meineja damit nur das äußere Leben der Katholiken imLande gibt; aber daran ist der Seelsorgeklerns wahrlichnicht schuld: er leidet gerade am schwersten darunter.Wie da zu helfen, fragst Du mich? Meine Ansicht darfich offen aussprcchen: Vielleicht könnte durch zeitgemäßeErneuerung einer ächt kirchlichen, aber längst einge-schlafencnInstitution, nämlich der Diöcesansy-roden,die nenestens bereits in einigen auswärtigen Bisthümernmit glänzendem Erfolg und zur größten Freude desHeiligen Vaters wieder eingeführt wurden, eine Wendungzum 'Besseren hervorgerufen werden. Das Hirtenamtder Kirche muß meines Erachteus in das Volks-leben wieder mehr eingreifen und das geschiehtdadurch, daß die geistliche Regicruug mit demkatholischen Volke durch das Mittel gemein-samer Srinodalthätigkeit wieder den erforder-lichen Contakt gewinnt. Doch weiteres gehört inpraktisch-theologische Fachschriften. Ich spreche hier nureine Meinung aus. ohne den zuständigen Faktoren vor-greifen zu -vollen.

Hicnach glaube ick) aber, daß Du Deine Vorwürfegegen den katholischen Seelsorgeklerns -licht mehr aufrechterhalten kannst.

In treuer Freundschaft

Necensiouen rmd Notizen.

Nürnberger A. I., Dr., Papstthum und Kirchen-staat. 1. Vorn Tode Pins VI. bis zum Regierungs-antritt Pius IX. (18001846). Mainz 1897, FranzKirchheim. (X und 259 SS.) M. 3,00.

Wie die Kirche, so hat auch das Papstthum unter demZeichen des Kreuzes begonnen. Mit dem Titel einesPatriarchen von Rom war Jahrhunderte lang die Ehreder Martprerkrone verbunden. Unter dem Zeichen desKreuzes verlaufen auch die Pontificate des XIX. Jahr-hunderts. Die ehrwürdigen Greise Pins VI. und Pins VII.wurden in strenge Gefangenschaft abgeführt. In der Mittedes Jahrhunderts reicht eine revolutionäre Erhebung imKirchenstaat der andern die Hand. Puls IX. muß vorder Revolution von nuten die Flucht ergreifen und wirdvon der Revolution von oben feiner weltlichen Herrschaftberaubt. In seinem päpstlichen Palast auf dem Quirinal hat ein anderer Fürst seinen Thron aufgeschlagen, undseitdem betrachtet sich Pins IX. und nach feinein Beispielesein Nachfolger Leo XIII. als Gefangener, der den Vati-kan nicht verlassen darf. Diese mannigfaltigen Geschickeder Inhaber des päpstlichen Stuhles voll 18001846schildert der Professor der Kirchengcschrchte an der Uni-versität zu Breslau in obiger Schrift an der Hand derbestell Quellen sehr objektiv und in geschickter Gruppirung.Die Fortführung dieser Geschichte bis auf die Gegenwartsoll noch ili diesem Jahre erscheinen und den ersten, auchseparat käuflichen Band eines größeren WerkesZurKirchengeschichte des XIX. Jahrhunderts" abschließen.Die folgenden Bände der sehr zeitgemäßen, gemeinverständ-lichen Geschichtsdarstellungen sollen dann folgende Themenbehandeln: Säkularisation und Reorganisation der Kirchein Deutschland. Restauration und Revolution in Frank-reich . Das Waticannni und seine religiösen Opponenten. Die katholische Kirche in Preußen . Mit Spannungverfolgt der Le ser die in vorliegendem Band geschilderten

Wechselfälle, die für die Katholiken unserer Tage vonaktueller Bedeutung sind, da sie im Zusammenhang stehenmit derrömischen Frage", die für die katholische Weltnoch immer eine ungelöste Frage ist. Wir empfehlendaher diese verdienstvolle, nobel ausgestattete Schrift allen,welche einen tieferen Einblick in das revolutionäre, anti-christliche Treiben unserer Zeit gewinnen wolle». Dr. R,

Saladln, ^ehova's gesammelte Werke: Eine kritischeUntersuchung des jüdisch-christlichen Neligions-Ge-bäudes auf Grund der Bibelforschung. 8", XIV u.348 SS. Zürich , W. Schanmburg, 1897.s. Eine gewisse Presse hat dieses Buch mit höchsten!Entzücken begrüßt: es ist nichts mehr und nichts ivemger.als eine mit frivolstem Paukeewitz losgelassene Schimpfiadeauf jede positive Religion, besonders das Christenthum,und das in einem Tone von verblüffender Roheit.Der Verfasser dieses erbärmlichen Machwerkes heißteigentlich W. Stewart Roß und leistet sich hicmit dasheldenhafte Kraftstück, das, ivas den Christen das Heiligsteist und auch vorn Ungläubigen, soweit er nämlich etwasAnstand hat, wenigstens geschont wird, in den Koth zuziehen: das geschieht in einer Weise, die alles übertrifft,was uns je voll antichristlicher Literatur zu Gesicht ge-kommen; Alles, ivas je unter dem Namen Gotteslästerungin Gerichtssälen zur Verhandlung gekommen, erscheintdagegen als harmlose Ungezogenheit. Aus jeder Zeileblitzt wahnsinniger, teuflischer Haß gegen christliche Lehreund Cultur . Die Argumente, mit denen dieserDenker"operirt, sind so einfältiger und oberflächlicher Natur, daßsie auch dem blödesten Leser nicht impomren können. Nurdie Gewandtheit des Stiles ist im Stande, die Aufmerk-samkeit etwas in Allspruch zu nehmen. Die maßlosenVerhöhnungen jeden religiösen Gedankens müssen selbstden Leser anekeln, der den Standpunkt des Verfasserstheilen sollte. Das ist ein wohlfeiler Ruhm, ernsthafteDinge damit abzuthun, daß man sie lächerlich macht undjeden Funken des Forschens nach wahrer Erkenntniß inunverschämtem giftgeschivollenem Spotte zu ersticken sucht.Die Meinung, daß dieses Geschreibe den Ehrennamenkritische Untersuchung" undBibelforschung" führen kann,überlassen wir neidlos den geistig verkommenen Lebe-männern der blasirten Salonwelt, die da nichts gelernthaben und es vielleicht zuwege bringen, Saladins Un-glaubensbekenntnisse geistreich zu finden. Der Geschmacklst eben zu verschieden. 'Aber nur Dummköpfe könnenvon einem Possenreißer sich am Narrenseil führen lassen.

Itiuers-rium, d. i. christlicher Reisesegen, über-setzt aus dein Lateinischen des Breviers und miteinem Vorwort und Allhang versehen von L. Cölestin,Kapuziner, München . Verlag der I. I. Lcntner'schenBuchhandlung. 1898.

Den Priestern wird von der Kirche an's Herz gelegt,daß sie, so oft sie eine Reise antreten, das Reisegebet desBreviers verrichten sollen. Aber auch Laien ist es dringendzu rathen, diesen schönen Gebrauch der Kirche zu befolgen.Dennschon manche", wie der Herausgeber mahnend be-merkt,sind gesund zur Eisenbahn gegangen und habennicht geahllt, daß diese Reize die letzte ihres Lebens seiund sie am gleichen Tage noch antreten würden die großeReise in die andere Welt". Obige Uebersetzung auf 32Seiten iu Taschenformat bietet auch noch 10 köstliche Reise-Regeln für die Eisenbahnfahrt und kann darum allenReisenden anf's beste empfohlen werden. Dr. A.

Hettinger Fr., Timotheus: Briefe an einen jungenTheologen. II. Auflage von Alb. Ehrhard. 8",vv. XX u. 610. Freiburg i. Br., Herder, 1897.M. 4.50; geb. M. 6,30.

Diese beliebtenBriefe" befinden sich wohl in denHänden jedes jungen Theologen, nur werden die darinniedergelegten Ermahnungen nicht immer befolgt. Einwohlthuender Hauch der Begeisterung durchweht dieseskostbare Buch, das eine Neuauflage vollauf verdient hat,an der man überall die bessernde Hand des gelehrtenPros. Ehrhard erkennt, der keine Zeit und Mühe gescheuthat, die vielen Citate nachzuprüfen, zu vervollständigenund noch weitere einzufügen. Der gefeierte Name Het-tingers genügt, um den Leserkreis des Buches immergrößer zu machen.

Verautw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .