Ausgabe 
(23.10.1897) 62
 
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aus was immer für einer Autorität oder Vorwandwissentlich oder unwissentlich dagegen unternommenwerden mag: dem soll nichts entgegenstehen, mag es auchspecieller Erwähnung bedürfen, dem Wir allem aus derFülle Unserer Macht, in sicherer Kenntnis; und auseigenem Antrieb bezüglich des Vorerwähnten hiemit aus-drücklich dcrogiren.

Wir wollen aber, daß den Exemplaren dieses Schreibens,auch den gedruckten, wenn sie die Unterschrift eines Notarstragen und mit dem Siegel eines kirchlichen Würdenträgersversehen sind, derselbe Glaube bcigemesscn werde, wie erUnserer Willensbezeigung nach Vorweisung des Gegen-wärtigen beigemessen würde.

Es sei also keinem Menschen gestattet, diese UrkundeUnserer Constitution, Anordnung, Vereinigung, Be-schränkung, Derogation und Willens zu übertreten oderihr freventlich entgegenzutreten. Sollte aber Jemanddies zu thun wagen, so wisse er, daß er den Zorn desallmächtigen Gottes und der Heiligen Petrus und Paulus ,seiner Apostel, sich zugezogen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am vierten Tage vordem Namen des Oktober im Jahre der Menschwerdungdes Herrn 1897, in; zwanzigsten Jahre Unseres Pontificats.

C. Card. Aloisi-Masella.

Pro-Datarius.

A. Card. Macchi.

Visa

ve vuria. I. Dell' Aguila Visconti.

Stelle des Bleisiegels.

Reg. im Secret. der Brcven.

I. Cugroni.

Aus den Briefen JanssenS an Pfarrer AndreasSchneider in Berngau .

(Schluß.)

G Jansscn ist bekanntlich auch eine Zeit lang Mit-glied des preußischen Abgeordnetenhauses gewesen. Seineparlamentarische Thätigkeit war jedoch keine hervorragende,da er sich die meiste Zeit mit Studien für seine deutscheGeschichte beschäftigte, was ihm anfangs verschiedene Malden Tadel Windthorsts eintrug. Er hatte die Wahl auchnur seiner Geschichte wegen angenommen. Ein Briefvom 22. April 1875 gibt hierüber näheren Ausschluß.Er schreibt in demselben:

Es besteht im Wahlkreis Malmedy-Schleidcn-Montjoie die Absicht, mich nächsten Montag an Stelledes verstorbenen Herrn v. Savigny ins Abgeordnetenhauszu wählen, und es ist höchst wahrscheinlich, daß ich ge-wählt werde und dann gleich nach Berlin abreisen muß.Vorher noch meine herzlichsten Grüße an. Sie mit vielemDank für Ihren lieben Brief und mit der Bitte, michdurch ein öfteres frommes Memento und mit gutenWünschen nach Berlin zu begleiten. Nach langer Ueber-lcgnng habe ich mich entschlossen, die mir angetrageneCandidatnr nicht zurückzuweisen, nicht, um mich überhauptaus meinen wissenschaftlichen Arbeiten in's parlamentar-ische Leben zu stürzen, sondern vielmehr, um für meinehistorischen Arbeiten durch Verkehr mit so vielenausgezeichneten Männern bei einem ein- oder zweimaligenAufenthalt in Berlin zu gewinnen und mir auch einigepraktische Kenntnisse anzueignen, die dem Historikerznm Verständniß der Vergangenheit so sehr nothwendigsind."

Seinen geschichtlichen Arbeiten, namentlich seinerdeutschen Geschichte, galten ja alle seine Sorgen, dies seinLcbcnswerk beschäftigte ihn früh und spät, und er be-klagte jede Stunde, die er nicht zur Arbeit bcnützenkonnte. Entnehmen wir seinem Briefwechsel mit Schneidereinige bemcrkenswcrthe Angaben über seine Arbeiten.

Ich bin fast den ganzen Tag über im Wald undbeschäftige mich dann vorzüglich mit Büchern für deutscheGeschichte", schrieb er von Nicderrad am 1. Juni 1870.Mit meiner Rcichscorrespondenz geht es langsam vor-wärts, aber doch vorwärts. Sonntags kommt gewöhnlichMeister aus Mainz herüber; ich fürchte aber sehr, daßich bis Ostern nicht mit der Arbeit, auch abgesehen vomDrucke, fertig werde; es wird wohl Juli werden. Abends,wo ich nicht correspondiren kann, lese ich mancherlei, soim Laufe des letzten Monats: ,Aus Schellings Lcbeist,in Briefen; . . . ferner das neue Buch über FriedrichLeopold von Stolberg von Pros. Heimes in Mainz , denneu hcrausgekommenen Briefwechsel Lavaters n. s. w."Brief vom 7. Jan. 1871.

Auch wenn Sie praktisch noch so viel zu tpunhaben, sollten Sie doch täglich regelmäßig nach strikterOrdnung wenigstens zwei Stunden sich ernsten historischenStudien widmen, man muß in regelmäßiger Uebungbleiben, sonst verliert man allmählich Kapital nebst Zins",mahnt er im nämlichen Schreiben seinen Freund.

Ich bin noch immer an der Reichscorrespondenz,die mich den ganzen Winter viel beschäftigte und vielgute Laune geraubt hat. Die Arbeit ist viel» vielschwieriger als ich erwartet, und es wird wohl auch dernächste Winter ganz vorübergehen, bevor ich das Opusgedruckt vor mir habe."

Was haben Sie wohl von mir gedacht, daß Ihnennicht zu Ihrem Namenstag geschrieben. Aber Sie müssenNachsicht mit mir haben, es war keine Nachlässigkeitich war gerade für jene Zeit etwas unwohl und zudemso mit Arbeiten überladen, daß ich auch nicht eineruhige Stunde finden konnte. Mit dem Druck der Neichs-correspondenz habe ich begonnen, er macht eine furchtbareLast, da ich keinen rechten Setzer auftreiben kann. DieArbeit ist bezüglich des Manuskriptes zum allergrößtenTheil vollendet, und ich hoffe zu Gott, vom 2. Januaran mich täglich wenigstens einige Stunden mit meinerdeutschen Geschichte beschäftigen zu können. Ich empfehlesie sehr Ihrem Gebet." (Brief vom 23. Dez. 1871.)

Am 7. Juli 1872 meldet er seinem Freund:

Von der Reichscorrespondenz sind 20 Bogen derneuen Abtheilung gedruckt, bleiben noch etwa 12 Bogen.Inzwischen habe ich die deutsche Geschichte nicht ruhenlassen und freue mich wie ein Kind darauf, daß ich michetwa vom November an, so Gott will, ausschließlich damitbeschäftigen kann."

Die Arbeitslast ward ihm oft erdrückend, zumal erwiederholt recht leidend war, doch er arbeitete weiter, solange Gott ihm Kraft und Gesundheit gab.

Daß meine Reichscorrespondenz fertig, sehen Siean beifolgendem Exemplar, das ich Ihnen für IhreLiebe anzubieten mir die Freude mache. Da stecktschwere Arbeit, denn gottlob ist sie fertig. Inst geht'smit aller Arbeitskraft, die mir der liebe Gott schenkenwird, ganz ausschließlich an die neuere deutsche Geschichte;ich habe schon lustig geschafft. Ein Glück ist es, daß ichvorläufig bloß noch zu sammeln und zu notiren habe,denn viel schreiben könnte ich nicht wegen des Hand-übels."

Er litt nämlich um diese Zeit (20. Jan. 73) aneinem Uebel an der rechten Hand so arg, daß er nachseinen eigenen Worten kaum schreiben konnte. Doch jmVertrauen auf Gottes Beistand und das Gebet seinerFreunde arbeitete er ruhig weiter.

Ich habe ein rechtes Vertrauen auf Ihr Gebet",