Ausgabe 
(23.10.1897) 62
 
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schrieb er am 8. August 1873/mein lieber Schneider,und habe es nöthig, daß mau für mich bete, besondersauch für das rechte Gedeihen meiner Arbeit, der deutschen Geschichte seit der Kirchenspaltung, die unter Gottesgnädigem Beistand gute Fortschritte macht. Ich finde dieherrlichste Auswahl manch ungebrauchter Materialien,und es wäre für mich ein wirkliches Labsal, mich mitIhnen darüber etwas ausführlicher zu besprechen. Mitwelcher Oberflächlichkeit ich will nicht sagen, mitwelcher Untreue gegen die Wahrheit ist doch vonProtestanten, auch von solchen katholischen Be-kenntnisses diese Periode behandelt worden."

Ueber seinen ursprünglichen Plan seines Lebcns-werkes gibt eine Stelle im Briefe vom 30. April 1874näheren Aufschluß. Es heißt darin:

Ich fand Ihren lieben Brief und Glückwunsch beimeiner Rückkehr von Frcibnrg vor, wo ich mit Herderden Verlagscoutrakt über meine deutsche Geschichte (seitAusgang des Mittelalters bis 1806 in sechsBünden) abgeschlossen habe. Beten Sie für mich, daßich in rechter Weise und im rechten Geiste arbeitenmöge, wie es wirklich zu thun mein Wille ist. So Gott

will, hoffe ich, um Ostern den Druck des ersten Bandes

beginnen zu können, vielleicht schon etwas früher. Wiegerne läse ich Ihnen einiges bereits Ausgearbeitete vor."

Unter der Arbeit jedoch wurde Janssens Plan einanderer, das Material war zu groß, um es bei der Ge-nauigkeit Janssens in 6 Bänden, wie ursprünglich ge-plant, unterzubringen. Bekanntlich sind für den Zeit-raum bis zum Jahre 1618 bereits 7 Bände nöthig

geworden.

Ich habe tüchtig gearbeitet", theilte er am 22. April1875 seinem Freunde mit.Hoffentlich kommt im Spät-herbst der erste Theil des ersten Bandes meiner deutschen Geschichte. In wenigen Wochen erscheinen ,Zeit- undLebensbilder' von mir, eine Umarbeitung und Erweiterungbisheriger Aufsätze in den Histor.-pol. Blättern, die Siehoffentlich interessiren werden."

Im Jahre 1876 konnte er ihm den ersten Bandschicken, 1878 die Fortsetzung mit der Bitte, recht f!Uihn und seine Arbeit zu beten. 1879, am 8. April,theilte er freudig mit, daß er mit der Corrcctnr desletzten Bogens seines zweiten Bandes zu Ende sei. Am29. Nov. 1882 sandte er ihm ein Exemplar der SchriftAn meine Kritiker" und schrieb ihm:Mit der Eor-recturrcvision meiner drei früheren Bände bin ich ganzin Anspruch genommen." Bis Ende 1884 wollte er denvierten Band fertig bringen, aber bis Ostern 1885 nahmihm derselbe alle Zeit weg und kostete ihm noch einschweres Stück Arbeit.

Von Freibnrg aus schrieb er 1888, daß er denganzen Winter über recht tüchtig habe arbeiten können.Schon im nächsten Jahr wurden die Mittheilungen, daßer wiederholt leidend gewesen, häufig. Um diese Zeitbetrieb er auch Kneippkur, die ihm sehr wohl bekam.Der Mann von Wörishofen ist auch mir ein Wohl-thäter geworden", schrieb er 1889.

Mittlerweile hatte er auch seinen 6. Band beendigt.Nun ging es mit all seiner Kraft au den 7.Sehrwahrscheinlich, meinte er am 1. Juni 1890, werde ichden Sommer und Herbst fernweg von Frankfurt aufeiner großen volkswirthschaftlichen Bibliothek für meinen7. Band arbeiten müssen und erst im Spätherbste nachFrankfurt zurückkehren." Leider sollte es ihm nicht mehrbeschieden sein, ihn ganz zur Vollendung zu bringen.

Der Tod machte seinem kostbaren Wirken ein Ende.Am 12. Juni 1891 schrieb er seinen letzten Brief anSchneider.

Lieber Freund! Ich weiß gar nicht mehr, ob ichIhnen schon geschrieben und für Ihren so lieben Briefund die Gaben zum Besten der armen Kinder meinenDank ausgesprochen habe. Seit langer Zeit bin ich garnicht Wohl; gottlob geht es in den letzten Tagen etwasbesser, aber frisch fühle ich mich noch keineswegs und zurArbeit nicht befähigt. Was im Sommer bis jetztherrscht Kälte mit mir geschehen wird, weiß ich nochnicht. Beten Sie, bitte, recht oft für mich."

Am 24. Dezember desselben Jahres starb er, be-trauert vom ganzen katholischen Deutschland und weitüber dessen Grenzen hinaus. Wo holte sich dieser großeMann trotz seines leidenden, vielfach kränklichen Zustandesdie Kraft zu seinen vielfachen, anstrengenden Arbeiten,so müssen wir unwillkürlich fragen? Doch die Antwortkann nicht schwer fallen. Eine recht innige Frömmigkeitund ein großes Vertrauen auf den Schutz Gottes unddie Hilfe von oben bei seinem Lebenswerk liehen ihmjene Kräfte. Zahlreich sind die Bitten nm ein frommesMoments bei der heiligen Messe und um das Gebetseines Freundes für sich und seine Arbeit. Eine be-sondere Wohlthat war es für ihn, daß er seit Beginnder Fastenzeit des Jahres 1871 eine eigene Kapelle besaß.Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie erhebend und wohl-thuend es für mich ist, daß ich eine eigene Kapelle habeund nun jeden Tag celebriren kann. Seitdem bin ichviel Wühler," schrieb er kurze Zeit später.

Wer Janssen von diesem Gesichtspunkt betrachtet,wird seinen großartigen Erfolg begreifen oder ihn sichwenigstens erklären können. Er betrachtete die Abfassungseiner deutschen Geschichte als ein ihm von Gott auf-erlegtes Lebenswerk, das er gewissenhaft zu vollendenstrebte.Für mich ist es jedenfalls am besten, in Frank-furt zu bleiben und dort ruhig, so lange Gott will, anmeinen Werken zu arbeiten," schrieb er am 9. August1884 an seinen Freund Schneider.

Darum Ehre seinem Andenken! Wir Katholikenjedoch schulden ihm auch unsere Dankbarkeit und unserGebet, nm das er in seinem Leben so oft gefleht hat;wollen wir es also ihm nicht versagen! k. I. k.

Tanzbär, Papagei nnd Pithekanthropuö.

LsZ Aus der Pfalz . Der Artikel über den mo-dernen Darwinismus nnd seine Gegner in Beilage Nr. 57derAngsb. Postzeitung" hat uns an zwei andereAufsätze über den gleichen Gegenstand erinnert. Es isteine Auslassung überKatholicismus nnd Freisinn alsGegner der Entwicklungslehre" von Professor Leh-mann-Hohenberg, der auf dem vorjährigen Lehrer-tage zu Hamburg die bekannte Rede überVolkserziehnngnach entwicklungsgeschichtlichen Grundsätzen als Staats-knnst der Zukunft" gehalten hat (sieheDer Volkscrzieher".Organ für Familie, Schule und öffentliches Leben.Herausgegeben von Wilhelm Schwaner in Berlin . Nr. 2vom 15. Juli 1897), und dann ein Feuilleton derWienerNeuen Freien Presse " vom 9. Juli 1897Gorilla und Schimpanse", das uns von einemFreunde derPostzeitung" übersendet worden ist, wohldamit wir darüber einkräftig Wörtlein" sagen.

Bekannt ist die Anekdote von der Beschreibung desKamcels, die einen: Deutschen und einem Engländer auf-.