Ausgabe 
(23.10.1897) 62
 
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Recensionen nnd Notizen.

* Mitte nächsten Monats erscheint im Verlag vonDietrich Reimer in Berlin ein Werk, dessen AutorinI. K. Hobest Prinzessin Tberese von Bayern,Tochter S. K. Hoheit des Prinzregenten, ist, und daseine Reise in den brasilianischen Tropen be-handelt. Das Werk wird ohne Zweifel Aufsehen erregennicht bloß der hoben Verfasserin wegen, sondern auchwegen der Tüchtigkeit des Inhalts, wovon uns die vor-liegenden Aushängebogen eine Probe geben. PrinzessinThercse ist bereits mehrfach schriftstellerisch thätig ge-wesen. Mit ungewöhnlichen Kenntnissen ausgestattet,hat sie sich nicht darauf beschränkt, lediglich anregendauf die Entstehung des Buches zu wirken, sondern siehat sich persönlich während 8 Jahre auf das Eingehendstemit ihrem Gegenstände beschäftigt und neben der Schil-derung ihrer persönlichen Erlebnisse mit wahrhaft uner-müdlichem Fleiß das umfassendste wissenschaftliche Ma-terial zusammengetragen und durchgearbeitet. Gleich be-schlagen in Zoologie, Geologie und Botanik, berücksichtigtdie hohe Verfasserin besonders die letzte Wissenschaft,die sie um zwei Species bereichert hat. Von der großenSorgfalt und Gewissenhaftigkeit, mit der alle einschlägigenAutoren in Betracht gezogen sind, zeugt das umfangreicheLsteraturverzcichuiß. Das Werk ist mit zahlreichen Illu-strationen, zum Theil mit eigenhändigen Skizzen aus-gestattet.

st er Katholik. Nedigirtv.Joh.Mich.Raich. 12HefteM. 12. Mainz, Kirchhcim.

Jnhaltvon 1897, Heft X. Oktober: Dr. A. Kirstein,Hermann Rudolf Lohe, ein Repräsentant der modernendeutschen Philosophie. Dr. Nirschl, Panagia Capulibei Ephesus. Dr. Martin Luther's Freundschaft mitUlrich von Hütten. Wilh. Schmilz, 8. ck.. Das christ-liche Element in den Unterhaltungen und bei den Festendes Mittelalters. Thomas Esser, Orck. vrasck., Bei-trag zur Geschichte des Rosenkranzes. Dr. M. Spähn,Bockspiel Martin Luther's . Literatur: v. lAvatiuo

ckoilor, Orck. Llin>, 8. Laimvsnturns prineixia cks oon-vursu Del Kvnorali ack aetiones oausarum ssounäarum.v. 9. vorrmann, Institutionss ibsoloZias ckoKinatieao.

Miscellen.

* Professor Vr. Pastor. In Nr. 60 der BeilageS. 418 war Professor vr. Pastor den Historikern geist-lichen Standes zugerechnet: daß er dem geistlichen Standnicht angehört, ist uns wohlbekannt und ist es nur einemU ^ersehen in der Durchsicht des betreffenden Manuskripteszuzuschreiben, daß die nöthige Correctur unterlassen wurde.Dieses Ueberschen hat uns übrigens eine mit Humor ge-schriebene Berichtigung eines Freundes vr. Pastors ein-gebracht, die einige interessante Notizen persönlicher Naturüber den großen Historiker gibt. Er wird es uns wohlnicht übelnehmen, wenn wir die Zuschrift abdrucken:DaßProfessor vr. Pastor geistlichen Standes ist, ist ein aller-liebster, aber bereits alter und weitverbreiteter Irrthum,für den es fast schade ist, daß er richtiggestellt werdenmuß. Es mag verzeihlich erscheinen, wenn man angesichtsder immerhin kleinen Zahl katholischer gelehrter Laienunter einem correct katholischen Professor, der noch dazumit emem so geistlich klingenden Namen versehen ist, sichsofort einen Geistlichen denkt. Zur Erhaltung diesesIrrthums mag auch der Umstand beitragen, daß manden Pros. Pastor nirgends zu sehen bekommt. Er ist nochnie auf einer kathol. Generalversammlung erschienen, undwir wissen zufällig, daß er absichtlich allen persönlichenDemonstrationen aus dem Wege geht. Auch sein Bild ist,außer dem Literaturkalender, kaum da oder dort einmalerschienen, vr. Pastor ist Frankfurter Bürgers- undKaufmannssohn. war zuerst für den Kanfmannsstand be-stimmt, kam durch glückliche Fügung zum Studium nndbildete sich unter Janssens Leitung zum Historiker aus.Zum geistlichen, Stande hat er keinen Beruf gefühlt, unddamit nicht später ein solcher Beruf in ihm erwachenkonnte, hat er sich rechtzeitig eine Frau geholt, jene be-rühmte Constanze, die als einzige Tochter des Ober-bürgermeisters von Bonn es meisterhaft verstanden hat,ihre schwesterlichen Rechte sieben Brüdern gegenüber stets

siegreich zu vertheidigen, und die dann, namentlich als diehäuslichen Sorgen noch nicht allzu groß waren, an demTriumphe des Historikers nicht ganz unbetheiligt war.Wenn sie auch nicht an der Abfassung seiner Werke be-theiligt war, so war sie doch bei der Herausgabe der-selben nicht ohne Einfluß: um so mehr, als sie durch dievorausgegangene Hcrzcnscorrespondenz gelernt hat, diewunderbar räthselhafte und bodenlos schlechte Handschriftdes gelehrten Professors mit einiger Leichtigkeit zu ent-ziffern. Ihr macht es immer besonderen Spaß, wenn derHerr Gemahl irgendwo alsgeistlicher Herr" angeführtwird. lind es geschieht immer mit besonderer Grazie undeinem ganz eigenartigen Lächeln, wenn sie ihm Briefeüberweist, die an denhochwüroigen Herrn Professorvr. Pastor" adressirt sind. Auch die Kinderschaar essind deren fünf ist bei der Abfassung der historischenWerke nicht unbetheiligt. Das Studirznnmer des Pro-fessors, ein wahres Arsenal von Gelehrsamkeit, ist dasgrößere Zimmer des Hauses, so daß die Kinder es nichtbegreifen wollen, daß gerade dieses Zimmer ihnen nichtfür ihre Spiele zur Verfügung stehen soll. So gelingt esrhnen manchmal, aus der Studirstube die Kinderstube zumachen, und dann müssen die gelehrtesten Folianten dazudienen, eine Ritterburg zu bauen, die unter Ludi'sFührung im Sturme eingenommen wird, bis der erzürntePapa mit einem tzuoo «so die ganze Räuberbande hinaus-jagt, wo dann der Räuberhanvtmann mit Thränen imAuge sich bei Mama beklagt, daß Papa sie nicht einmalin seinem Zimmer Räuber spielen läßt. Nicht bloß zuden katholischen Geistlichen ist vr. Pastor gezählt worden.Es war schon zweimal der Fall, daß durchreisende pro-testantische Geistliche sich nach dem Pastor des Ortes er-kundigten und man hat sie zum Professor Pastor geschickt,wo sich die Sache in gegenseitiger Heiterkeit aufklärte.Gott sei Dank, daß er uns gehört, wenn er auch mcht imschwarzen Rocke geht! _

* Ei» Niesenlexikon der lateinischen Sprache-Bereits in früheren Jahrhunderten, sowie auch zu Anfangdes unseligen ist mit mehr oder weniger Glück der Ver-such unternommen worden, den Sprachschatz der Lateinerzu sammeln. Ein solches phänomenales und kostspieligesUnternehmen ist auch jetzt im Werke. Daß es aber über-haupt möglich war, daran zu denken, es in dem großenStile durchzuführen, in dein es geplant ist, ist die ersteFrucht eines Eartells der ersten fünf deutschen Akademiender Wissenschaften in Berlin, Göttinnen, Leipzig, München und Wren, wozu auf Vorschlag des Sectionschefs Hofrathvr. Ritter v. Harte! im Jahre 1892 von der WienerAkademie die Anregung gegeben wurde. Zur Herstellungdes llAosaurus livAnas latinas dies der Name desWerkes wurde eine Commission eingesetzt. Diese be-steht aus je einem Mitgliede der fünf cartellirten Aka-demien, ferner aus drei zur Leitung des Unternehmensbestellten Directoren, und zwar den Herren ProfessorenBuechcler (Bonn), Lev (Göttingen) und Wölffler (Mün-chen ). Präsident der Commission ist der gefeierte Ge-lehrte Sectionschef von Harte!. Das ganze Unternehmenwurde auf 20 Jahre mit einem Gesammtaufwande von650,000 Mark veranschlagt. Von dieser Summe hofftman 100,000 Mark, im günstigsten Falle 150,000 Markdurch Buchhändlerhonorare zu decken. Die somit ver-bleibende Summe von rund 500,000 Mark vertheilt sichgleichmäßig auf die fünf Akademien, so daß auf jede inden zwanzig Jahren 100,000 Mark, also jährlich 5000 Markfallen. Der Plan für den TAssam-us bezeichnet die Auf-gabe desselben als eine psychologisch-historische. DerIbosauruo will die Geschichte der lateinischen Spracheschreiben, die Lebensgeschichte der einzelnen Wörter, ihreEntstehung, Verbindung, Vermehrung, Abänderung inForm und Bedeutung, ihre gegenseitige Vertretung undErsetzung, soivie ihr Absterben, kurz, die tausendfacheBrechung, welche die Geschichte des nationalen Fühlensund Denkens zum Ausdrucke bringt, darstellen. DieSitzungen der Commission finden jährlich in der Pfingst -woche, nnd zwar der Reihe nach in Berlin , Göttmgen,Leipzig, München und Wien statt. Die Berichte der Kon-ferenzen geben Zeugniß von dem rastlosen Eifer, mit demdas Werk betrieben wird. Außer dem llAosaurus livAuaslatinas werden die cartellirten Akademien auch zugleicheinige große naturwissenschaftliche Aufgaben durchführen.

Verantw. Redacteur: Ad.Haas in Augsburg. - Druck». Verlag des Lit.Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .