kleine Nymphaline, deren Flügel oberseits auf schwarzemGrund eine goldgrüne Binde führen, indessen die Unter-seite zum Theil prachtvoll roth, zum Theil weiß mitschwarzen Streifen merkwürdig gezeichnet ist. Fernererjagte ich einige der durch ihr buntes Kleid ausgezeich-neten Ontagrarning, Oru. und eine Rurema,
^lliula, 6rg.ua. vnr. Linas 6oät., eine kleine Pierine,die, bis auf den Saum und die Vorderflügelspitzcu, welcheschwarz sind, ein durchaus weißes Gewand trägt.
Bon den in dieser Gegend häufigen Tapiren (la-pirns arnsriognns 6.) bekamen wir bisher leider keinezu Gesicht, doch waren in den verschiedenen Kolonisten-häusern Felle zu sehen, von denen wir ihres Umfangesund ihrer Steifheit wegen leider keine mituehmen konnten.Speziell hier, in der Nähe der Wälschtirolcr Ansicdlung,in welcher wir Mittag machten, waren schon siebzehndieser größten Landthiere Brasiliens erlegt worden. Manjagt sie ihres schmackhaften Fleisches, namentlich aberihres geschätzten Leders wegen, welch letzteres allerleiVerwendungen findet.
Erst am Spätnachmittag wal der Maulthicrtanschbeendet und konnten wir unseren Ritt wieder aufnehmen.Bis zum nächstmöglichen Nachtquartier, der Fazenda desBrasilianers Senhor Fortunato Barboza de Menezcs,lagen noch drei Stunden Weges vor uns. Der Saum-pfad führte meistens durch Urwald, welchen nur seltenRodungen unterbrachen. Auf letzteren erhoben sich fastnirgends Häuser, die hier übrigens richtiger als Lehm-hütten zu bezeichnen wären. Wir vermutheten deßhalbin diesen Rodungen solche, welche die Ansiedler, oft fernvon ihren Wohnplätzen, zur Prüfung der Güte des Wald-bodens anzulegen pflegen.
Wieder wechselten Araras über unseren Weg. EineSchaar grüner Periquitos (wohl Lrotogorz's tirion Om.)zog mit wildem Geschrei vorbei, auf Suche nach demPlatz, wo sie aufbäumen konnte. Aus dein Waldes-dickicht schlug das Girren einer Taube 1 °) und das lauteBrummen eines Mntnms (Orax carunoulata, l'smm.)an unser Ohr. Noch andere Vogel waren hörbar undsichtbar. Namentlich die Araponga ließ ihren metallischklingenden Ruf unermüdlich durch die Waldeinsamkeit er-tönen, das Nahen der Dunkelheit verkündend. Viel Z)ri-palmen (lf.8trooLrzmm ä.zri LInrt.) standen zerstreut imDickicht. Eine Copaiveira (Ooxnivsrn trapsmiolia.Hnxns), ein Urwaldriese mit Hellem Stamm und HellemLaub, ragte beherrschend über seine Umgebung heraus.Lianengewinde hingen aus der Höhe herunter. Hochoben auf der schirmförmig gebreiteten Krone eines dunkel-belaubten Baumes lag, gleich einer Riesenmiitze, ein ganzhellgrüner, vielverzweigtcr Busch mit zart gefiedertenBlättern breit hingegossen. In der Kraut- und Halb-strauchvegetation des Urwaldes leuchteten durch Farben-pracht schön rothe, als giftig geltende Blumen(Lrzckirrina,? ?)") hervor. Die gleiche Waldregionschmückten der Blüthe unseres Immergrüns (Vinoa,
") Es könnte die Stimme der von Prinz Wied inden Wäldern Mittelbrasiliens oft gehörten Oolumbarntmn ll'smm. gewesen fein. Siehe Wied : Beiträge zurNaturgeschichte Brasiliens , IV, 455.
") Wied (Reise nach Brasilien, I. 44) erwähnt imKüstenwald niedrig wachsende, rothblühende Erythrina,indessen in LIartii k'Ioia brssilisnsis. XV I, S. 172 ff.für Brasilien überhaupt keine kraut- und halbstrauchartigenErythrinaarten angeführt sind. Die Erythrina enthalten,L. OoraUocksnäron 6. etwa ausgenommen, auch keinegiftigen Stoffe
Winor) ähnliche, nur etwas größere lila Blüthen, welcheich für diejenigen einer Vincaspecies gehalten hätte, wennin Brasilien schon irgendwo lilablühende gefunden-wordenwären. r2) Inmitten des Wnldgestrüpps überraschten unsein paar Termitenhügel aus Lehm, die wohl den Haufenbildenden Termiten (1'srmo8 eumnlnno XoU.) zuzu-schreiben waren, da diese weitverbreitete Art auch inWäldern anzutreffen sein soll.
Nach und nach war die Nacht herabgesunken undhatte Alles in ihre schwarze Fittichen gehüllt. Wie aufeinen Zanbcrschlag begann nun die nächtliche Thier-symphonie des Urwaldes, jenes Tongemälde, dessenseelencrgreifendc Mächtigkeit sich in Worten nicht wieder-geben läßt. Es setzten Vogel, Cicaden, Grillen ein unddie Schmiedenden Laubfrösche (klzln k'ndsr )Viock),deren Glockenstimmcn durch die hehre Banmhalleläuteten.
Doch bald wurden unsere Sinne von der Poesie derUrwaldmelodien unbarmherzig in die Prosa einer uner-quicklichen Lage zurückgerufen. Wir hatten nicht, wiezwei Tage vorher, eine Laterne bei uns, welche uns denWeg wenigstens nothdürftig hätte erkennen lassen können.Unsere Beleuchtungsapparate lagen zutiefst in einemSack verpackt und, momentan unerreichbar, einem derTragthiere aufgeschnürt. Auf unserer Picada aber wares so finster, daß man nicht einmal den Kopf seineseigenen Manlthieres, geschweige denn den Boden unter-scheiden konnte. Als Richtschnur diente nur die weißeKopfbedeckung des jeweiligen Vordermannes, welche imallgemeinen Schwarz wie ein etwas lichterer Punkt er-schien. Und der vorderste Reiter heftete sein Augekrampfhaft auf den nicht ganz so tiefschwarzen Streifen,als welchen der Saumpfad sich aus dem WaldesdunkelHerausahnen ließ. So ging es in der undurchdringlichenFinsterniß manchmal steil hinab in die Tiefe, ohne daßman nur wußte wohin. Doch unsere Maulthiere warenwunderbar, was die Sicherheit des Trittes betraf. Wirritten durch den keineswegs seichten Rio Santa Joauna,einen Parallelflnß des Vormittags gesehenen Rio SantaMaria . Dann vertieften wir uns neuerdings in dieUrwaldnacht. Hierbei gcrieth ein Bügel in Verlust,welcher jedoch mittelst Zündholzbeleuchtung mühsam ge-sucht und endlich wieder gefunden wurde.
Inzwischen hatte unser Führer Frank uns verlassenund war nach der Fazenda vorausgeeilt, Quartier zumachen. Der Fazendciro soll nämlich ein schwer zu be-handelnder Herr sein, und wenn man nicht sehr uuter-thänig um Aufnahme bittet, läuft man Gefahr, imWalde übernachten zu müssen. Es galt nun, ihn aufeine Einquartierung von sieben Personen, Führer undKnechte mit eingerechnet, und von zehn Maulthieren vor-zubereiten und für dieselbe günstig zu stimmen.
Wir klebrigen setzten auf Gerathewohl den unbe-kannten Weg im stockfinsteren Walde fort. Plötzlich, aufeiner lichteren Stelle, verloren wir die Richtung und ge- .riethen in einen Sumpf. Unsere Thiere schnaubten ausAngst, und wie festgewurzelt stemmten sie ihre Beinemit eiserner Gewalt gegen jeden Versuch, sie vorwärtszu treiben. Diese instinktive Weigerung war begreiflich,jeder weitere Schritt konnte uns Verderben bringen. Esfolgten einige peinliche Minuten der Rathlosigkeit und^des Angenageltseins an der Stelle. Da endlich fand
") Jedenfalls scheinen es Apocyneen gewesen zu sein»vielleicht ^mdliavrusra leptoxllMa Null. XiA., doch istl dies eine Kletterpflanze der Catingawälder.