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dieser lohnenden Arbeit sich unterzieht, wird viel, sehrviel lernen können für die praktische Bethätigung wissen-schaftlichen Forschens, besonders für die wissenschaftlicheSystematik.
Die diesbezüglichen, für den Mann der Wissenschaftbeachtenswerthen Vorzüge der Werke des hl. Thomashat Alexander Piny, 0. kraoä./) in präciser Form alsozusammengefaßt: M snmrnnin xsrvcmitz esns Lumina,uk>1 irr äoasnäo snktüljs, in äioonäv toevnnäus, insuaäoncko eonvineentissirnns, ndi in rosvlvenäo aoutns,in xrovanäo vsrvosus, in vivoenciv xorxetnns, ndivräv rnelivr in vptimis, porsxieuitas wa.jvr in wa-xiwis, prokunckitas summa in summis. lind derselbespätscholastische Philosoph fügt hinzu: udi äoaont äootorosatqus äoeontui-, sock intoi- tot cwnsorcs sine oon-sura. Ja von der milden und bescheidenen Kritik undPolemik des hl. Thomas könnten manche moderne Ge-lehrte und Schriftsteller viel lernen.")
Von den Gedanken des Aguinatcn über Methodik rc.der Wissenschaften, von diesen praktischen Richt- und Licht-punkten für den Mann der Wissenschaft sei nur einerangefügt, der für die moderne Philosophie eine beachtens-werthe Fundamcntalwahrheit ausspricht: „Ltuäium xllilo-soxstiao von esk acl üoc: ^uoci soiatnr, gnici kiomirwskenssriub, seä c^nalitor so habend veritas rerum."(6omm. in bristet, äs uuiv. I. 1, leot. 2.)
Eine Zusammenstellung und Darstellung der thomist-ischcn Wissenschaftslehre wäre ein literarisches Ver-dienst und würde dein Manne der Wissenschaft mancheschätzenswcrthe Winke an die Hand geben.
Wenn nun das Thomasstudinm für den Mann derWissenschaft in formeller Beziehung hohen praktischenWerth hat, so gewinnen ferner manche mehr praktischeWissenszweige in materieller Hinsicht aus den Werkendes Aquinaten außerordentlich viel. Es kommen hierPädagogik, ascetische Theologie, Rechts- und Social-wissenschast in Betracht.
St. Thomas und die Pädagogik. Es isthier eine direkte und indirekte Beeinflussung der Er-zichungslehre durch die Schriften des Aquinaten zuunterscheiden. In ersterer Hinsicht wird der Erzieher beiThomas sowohl klare wahre Principien, welche denschwierigen Pfad der Erziehungskunst beleuchten, wie aucheine Fülle vorzüglicher praktischer Winke und Anweisungenfinden.
Die tiefste principielle Grundlage für Erziehung undUnterricht, die Darlegung, wie der aktuell die Wahrheitbesitzende Mensch auf den anderen, der dieselbe nur po-tentiell besitzt, einwirken kann, dies alles ist ausgeführtin der theologischen Summe (I. Hu. 117) und besonderstief in der Huaostüv äisp. äe verit. 11 cie maZistro.
Praktische Anleitungen und interessante pädagogischeExkurse finden sich im Commentar zur Ethik und Politikdes Aristoteles . In Lolit. 1. VII leot. 12 wird vonder somalischen Erziehung des Staatsbürgers gehandelt,ibiä. I. VIII leet. 1, 2 u. 3 wird von ideeller Bildungdesselben einläßlich gesprochen; besonders der musikalischenAusbildung ist ein längeres Referat gewidmet. Bekanntlichhat ja der Aquinate auch eine von Uccclli wiedergefundeneMonographie: „äs musica" geschrieben.
b Alex. Piny, Orcl. ?r.: Oursus pbilosopliious tbo-mistieus 1870, 2 Bde. okr. Commer'sches Jahrbuch 1894,S. 380.
') Man vergleiche: Zöllner F. R., Das deutsche Volkund ferne Professoren. Eine Sammlung von Citaten ohneCommentar. Lpz. 80.
Indirekt kommt für den Pädagogen die thomist-ische Philosophie, zunächst die Ethik und Psychologie, inFrage. In seiner Tngendlchre und vornehmlich in seinerTheorie der Affekte hat der heilige Lehrer gezeigt, daßer nicht bloß der scharfsinnige Metaphysiker, der Manndes abstrakten Denkens ist, nein, er hat eine Fülle con-kreter praktischer Einzelbeobachtungen in feinsinnigsterWeise in diese herrlichen Traktate eingeflochten. Werdas viclbewegte Meer menschlichen Gemüthslebcns studirenwill und wer dieses Gemüth in rechter Weise bilden will,der studire die herrlichen Exkurse des Aquinaten überLiebe, Haß, Freude, Schmerz, Zorn u. s. w. Er wirdhier die Quellen, die Aeußerungen, die Ausartungen, dieGegenmittel dieser Gemüthsbewegungen klar wiedergegebenfinden. Es ist dies eine der schönsten und originellstenPartien in den Werken des Aquinaten. Psychologischund pädagogisch nicht uninteressant sind die Auslassungenüber die Freundschaft im Commentar zur Ethik desStagiriten (üb. 8 u. 9). Die ganze thomistische Päda-gogik ist getragen und gehoben dnrch die dem hl. Lehrerso geläufige Auffassung des Menschen als Gotteskindes.Eine systematische Darstellung der thomistischen Erziehnngs-grnndsätze mit Bezugnahme auf des Aquinaten Gnaden-lehre und übernatürliche Tugendlehre wäre ein Lehrmittelund Heilmittel für die moderne Pädagogik, welche, durchdas Irrlicht moderner Philosopheme getäuscht, so vielfachnicht mehr die Wege des Christenthums einschlägt.
(Schluß folgt.)
Theosophie nnd katholischer Glaube.
Von Charles Saint-Paul.
Der Congrcß deutscher Theosophen und die Gründungder „International. TheosophischenBrüderschaft" hat neuer-dings die Aufmerksamkeit auf die Frage nach dem Wesender modernen Theosophie gelenkt, die seit einer Reihe vonJahren so vielfach umstritten wurde.
Es gewinnt deßhalb ein vor kurzem erschienenesWerk von C. G. Harrison, betitelt „Das transcendentaleWeltenall", in welchem nicht nur der Werth des theo-sophischen Systems, sondern auch die Person der Gründerinder Theosophischen Gesellschaft und ihre „Mahatmas",sowie das Verhältniß der neuen „Offenbarung" zum ka-tholischen Glauben beleuchtet werden sollen, an Interesse.Dasselbe, von Carl Graf zu Leiningen-Billighcim über-setzt, Z besteht aus sechs Vortrügen über „Geheimwissen,Theosophie und den katholischen Glauben", die der Ver-fasser vor der „Bereun Society" gehalten hat. Letztereist ein „Verein von Forschern in theoretischem Okkultis-mus, der seinen Namen von Apostelgeschichte XVII, 10und 11 ableitete, welcher angemessen erachtet wurde,nicht so sehr die Wesenheit, als die Richtung ihrer Forsch-ungen zu bezeichnen". Der Verfasser bestimmt in derVorrede den Zweck der Vortrüge noch genauer, indemer sagt, er habe Materialien zur Unterscheidung derwahren Gnosis von den Einreden der fälschlich soge-nannten Wissenschaft -/vchoecu;) an die Hand
geben wollen und habe sie mit besonderer Bezugnahmeauf die Schwierigkeiten veranstaltet, welche Viele darinfinden, die von der Theosophischen Gesellschaft aus Lichtgebrachten „Wahrheiten" mit der christlichen Grundlchre