Ausgabe 
(6.11.1897) 64
 
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eminenter Bedeutung. Auf ihr bafiren die klassische»Werke von Rodriguez und Scaramelli .

Stellen von ascetischem Werthe finden sich in reicherAuswahl in den Schristerklärungen des hl. Thomas,vornehmlich in seinem Commentar zu Matthäus 19, 21 ff.,Coloss. 3, 14, I. Joh. 18, 1; auch in vielen Artikelnder Hnocilistskalss und in der Lumina, contra.Osntss III. Das OMsonlnm äs xsrksckions vikaskpiritunlis (ox. 18) n. a. bieten dem Asceten undPrediger eine Fülle der anregendsten Gedanken. Diegesammte matsria, uscstica, in den Schriften des hl.Thomas ist im Laufe der Zeiten ausgehobcn und syste-matisch zusammengestellt worden: so in der mit Eleganzund Wärme geschriebenen N^stica. tsteologia, O. Pstomasdes spanischen Dominikaners Thomas a Valgornera/)in der freilich mitunter etwas polcmisirenden kstsoio^ia.msntis st coräis des Vincentius Contenson, in derkstsoloZis astsctivs des Dr. Louis Bail und anderenWerken. Ueberhaupt basiren die späteren Darstellungender mystischen Theologie durch die Carmeliten Joannesa Jesu Maria und besonders Philippus a Trinitate,durch den Benediktiner Schräm auf den Principien deshl. Thomas.

Der asketische Werth der Werke des hl. Thomasgeht auch daraus hervor, daß gerade die größten Kennerder Werke des Aqninaten, wie Seraphinus Capponi undBanez vorzügliche Lehrer des geistlichen Lebens gewesensind und auch aus dem Umstände, daß im Prediger-orden die christliche Mystik ein besonderes Heim ge-funden hat.

Die großen Prediger innerhalb und außerhalb desPredigerordens haben sich gebildet an den Schriften deshl. Thomas, der selbst ein großer Prediger gewesen ist,gui tam rsvsrsntsr anclisstakur a poxulo yuasi sna,xraeäioLkio xroäirst s, Oso. (Bolland.)') Hat er jaselbst ssrmonss und opsra, eoncronatoria, uns hinter-lassen. 2) Der Prediger braucht große Gedanken; erfindet sie beim heil. Thomas. Dr. Ceslaus MariaSchneider bemerkt deßhalb mit Rechts)Niemand wirdes gereuen, Thomas in allem zum Leitstern genommenzu haben. Manche Geldausgabe für Predigt- undasketische Werke wird jener nicht zu machen haben, dergelernt hat, aus Thomas zu schöpfen."

Die Werke des hl. Thomas sind von besonderempraktischen Werthe in den Händen des Priesters undPredigers, aber auch der Jurist und Social-

°) Neue Ausgabe durch k. Berthier bei Marietti,Turin 1891.

') Die homiletischen Schriftsteller des PredigerordenZ,wie Bromiard, Holkot, Perazzo, Ludwig v. Granada,Petrus de Palude , Brienza u. a. schöpfen durchgehendsaus Tbomas.

°) Neue Ausgabe: O. Idowas Lermones

st opsra coueioiurtoria kansiis axnä Lloucl st Lara!.Hier kommt auch in Betracht der sogenannte Katechismusdes hl. Thomas, welcher zunächst das dem vecretum proH-rwerüs des b'Iorentinums zu Grunde liegende opusenlumäs artieulis 6äei st saeramentis, dann auch die Com-mentare zum katsr nostsr, Lkaria und Orsäo in sichschließt. Das von Nikolaus v. Cusa besuchte Provinzial-concil von Mainz 1451 bestimmte dieses libsllns utilis stinstrustivus als Grundlage des katcchctischcn Unterrichtes.

°) Schneider, Einleitung zum Werke: Die christlicheWahrheit, pa§. I,XXIII. lieber das Verhältniß des hl.Thomas zur christlichen Mystik ctr. Dr. Pfeifer, Psycho-logische Lehren der Scholastik, bestätiget und beleuchtetdurch Thatsachen der katholisch-religiösen Mystik. Jahr-buch v. Commer, V S. 468.

Politiker kann viel lernen aus den Werken desDoctor Angelicus.

O. 'I'stomns contra Instsralismum catcholicasvsritatis invictus asssrtor." Als solchen hat Con-stantin v. Schätzler in einer 1874 erschienenen wahrhaftgoldenen Schrift den hl. Thomas gefeiert. Ja in denSchriften des hl. Thomas ist die im BegriffLiberalis-mus" beschlossene Reihe von kirchenpolitischen und social»politischen Irrthümern rmticipanäo gerichtet und zurück-gewiesen, wenigstens ihrer Wurzel nach. Ja auch in dieserBeziehung ist der hl. Thomas, wie ihn sein großerKommentator Sylvestris von Ferrara nennt, der stomooirmium storarum. Der Jurist findet in der theolog-ischen Summa die beste Grundlage seiner Wissenschaft,einen eingehend entwickelten Rechtsbegriff und eine aus-führliche Gesetzeslehre. Das H-äSo; moderner

Rechtsphilosophie, d. i. die Negation eines Naturrechtes,findet hier eine glänzende Widerlegung. (8. Mr. 1 II,SO 8M.)

Der Staatsmann und Nationalökonom findet in demschönen Opnscnlum äs rs^imins priucipum vor-treffliche Maximen und Belehrungen. Es sind diesHcrzensgedanken, die einer der größten Denker allerZeiten einem befreundeten Fürsten, dem Könige vonCypern, innig und gutuicinend nahelegt. Es ist hierdie Stellung des Papstes charakterisirt (I. I eax. 14ckr. tu II. Lsnk. ässk. 44 <zu. 11 a. 4), es ist hiereine reichhaltige Staats- und Gescllschaftslchre unshinterlassen.")

Welch erhabene Auffassung der Würde des Königs.

Die Regierung des christlichen Fürsten soll eine imi-tativ der ciivina, pruäsirtia bei der Weltregiernng sein(I. II cap. 8).

Im zweiten Buch finden sich interessante wirthschaft-liche Excurse über Münzwescn und Kriegswesen u. s. w.Derlei Fragen sind einläßlich besprochen im Commeiitarzur aristotelischen Politik. Im dritten Buch findet sichder Begriff der civitas und ihr Verhältniß zur Re-gierung erörtert, im vierten Buch (Isct. 4) kommt diebürgerliche Wohlfahrt (status xopularis) zur Sprache.In der Isctio 6 desselben Buches werden die Vorzügedes AckerbaustandeS betont, alles im Anschluß an Aristo-teles. . Es findet sich hier ausgeführt der GedankeLgrieultica. mnlkiknäo est vptima, yuia. von sstmavstinativa, coneuxivitiva, a-mbikiosa. Im siebenienBuch (Isct. 4) ist die Rede äs moäo aZri, äs nrstissitu stc., in der elften Lektion kommt die Militärfragezur Erörterung.

In wirthschaftlicher Beziehung dringt der hl. Thomasauf Hebung des Mittelstandes; denn der Mittelstandliefert dem Staate die besten Bürger. Lxtremi vonsunt oprimi cives, ssä meciii roter oxtremos.Livitns, ^uas 68k sx msäiis, sst optiwa (in kolitio.1. IV. Isct. 10). Die dem Mittelstände Angehörigengehorchen am leichtesten der Verminst und deßhalb auchdem Regenten des Stacktcs. Nicht so die Großkapitalistcn

'°) Von diesem opnso. 20 sind sicher echt das 1. Buchund vom 2. Buch cap. 14 incl. Von osp. 4 bis Schlußvon Ptoleniäus de Lncca bearbeitet. Buch 3 und 4 un-echt. 6kr. 1). Iboiuas opusoula seleeta. k. Lliebnela Narr». Bd. II, pnp:. 1.

") In dieser Hinsicht ist der hl. Thomas verwerthet.V. 6. I-ombaräo äst 1'reäicalori. Ua Lspaiarious äslla8tato äalla ebissa. ^olrssls. Öouriuso 1880. Ferner:De leer van den heiligen Thomas von Aanino over hetr c ch t." Hubert Nolcns, Utrecht 1890.