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Dir den Wcg zeigen. Bei Dir ist es umgekehrt. Nimmmich daher auf Deinen Rücken und trage mich, ich willDir dann den Weg zeigen, und so kommen wir beideaus dieser Verlegenheit." Der Blinde willigte ein, undauf diese Weise kamen beide wieder glücklich aus derWüste heraus. Die Jndier betrachten nämlich die Seelenicht als das handelnde, sondern nur als das belebendeElement. Die Seele wird nach ihrer Ansicht wiederdurch die Intelligenz geleitet, die ihr von Gott einge-flößt wird und mit welcher man die Wirklichkeit derDinge erfaßt, die den Weg zur Erkenntniß Gotteszeigen. —
(Fortsetzung folgt.)
Theososthie und katholischer Glaube.
Von Charles Saint-Paul.
(Fortsetzung.)
Einer der stärksten Verdachtgründe der Gegner derBlavatskh war bekanntlich der sogenannte „Kiddle-Vor-fall". Ein Brief, den angeblich Koot-Hoomi geschriebenhatte, enthielt „Lehren", die einem 1880 von Mr. Kiddlevor amerikanischen Spiritualistcn bei Lake Pleasant ge-haltenen Vortrage entnommen waren. Diese Begebenheitnun soll der Theosophic , wie der Gewährsmann Harrisonsweiterhin erklärt, „zuerst die Augen über den Streich ge-öffnet haben, der ihr gespielt worden war".
Dagegen soll Koot-Hoomi sich später in Adyar mitden Coulombs eingelassen haben, „aus Rache über dieAbwehr seiner Ränke". Dieses Ehepaar Coulomb, dasim Hause der Blavatskh angestellt war, soll dem Dele-girten der „Looiatx kor I^otiicai ÜWoaroü" in London ,Mr. Hodgson, aus Rache Enthüllungen über den Schwindelder Blavatskh gemacht haben und ihm im Hanse ange-brachte Vorrichtungen zur Hervorbringnng der „Phäno-mene" gezeigt haben. Graf Leiningen allerdings sagt ineiner Anmerkung im Anschlüsse an die Behauptungen inSinnett's „Oooult IVoilä", Herr Coulomb habe dieFallthüren und Apparate selbst herstellen lassen.
Abschließend behauptet Harrisons „Okkultist", daßdie Blavatskh sich zum zweitenmale nach ihrer Rückkehrnach England von einem abtrünnigen Juden täuschenließ, der von einer Brüderschaft des Coutinents wegenAusübung böser Künste ausgestoßen worden war. „Eswurde beschlossen, sie nicht vor diesem Individuum zuwarnen, weil es sie am Leben erhielt. In ihrem elendenGesundheitszustände wäre der Entzug seines stimulirendenEinflusses verhängnißvoll gewesen. (!) Der Mann wartete,bis sie den zweiten Band ihrer „Geheimlehre" voll-endet hatte, und überließ sie dann ihrem Schicksal.Sie unterlag dem nächsten Anfalle und starb imJahre 1891, ohne Argwohn (soweit bekannt), bis zumEnde heiter, dessen unbewußt, daß sie ihr ganzes Lebenlang ein Werkzeug in den Händen hinterlistiger Personenwar, von denen Wenige intellektuell auf ihrer Höhestanden, (?) und welche schändlichen Mißbrauch von ihreraußerordentlichen geistigen Thätigkeit und ihren einzig inihrer Art dastehenden Gaben machten."
Wenn Harrison meint, daß „dies beträchtliches Lichtauf eine bisher in Geheimniß gehüllte Sache werfe", in-sofern Frau Blavatskh gegen die Anklage gemeinen Be-truges gerechtfertigt und zu gleicher Zeit die Mahatma-theorie abgeschafft werde» so müssen wir mir bedauern,daß sein Gewährsmann selbst, indem er sich in mystisches^Dunkel hüllte und auch seine Mittheilungen mitunter in
bedenklicher Weise verschleierte, die Beweiskraft derselbenabgeschwächt hat. Sie wären von großem Werthe nichtnur für die Erkenntniß moderner Theosophie, sondernauch des Treibens geheimer mystischer Gesellschaften,L vn sie in anderer Form gegeben worden wären.
Wenn übrigens der Verfasser behauptet, daß dieBlavatsky ein Medium ganz außergewöhnlicher Art war,daß sie schon frühzeitig das „zweite Gesicht" besaß, sowollen wir das gar nicht in Frage stellen, anderseits ihmaber auch in der Annahme beistimmen, daß sie keiner'„hohen" Intellekt und keine logische Befähigung besaß,dagegen neben ihrer ungewöhnlichen Fähigkeit, sich Kennt-nisse anzueignen, auch noch „die Gewandtheit hatte, die-selben zu verdrehen, um sie ihren eigenen Zwecken an-zupassen".
Das Wiederaustanchen der Frau Blavatsky alsThibctaner Buddhistin und Prophetin einer neuen Re-ligion hatte, wie Harrison behauptet, einen gänzlichenUmschwung in der seither befolgten Politik der Geheim-haltung nothwendig gemacht. „Ob es gut oder schlimmwar, sie hat eine ungeheure Menge von Mittheilungenin Betreff von Gegenständen veröffentlicht, von welchenbis vor ganz Kurzem niemals außerhalb gewisser Gesell-schaften gesprochen wurde, die aber solcher Art sind, daßsie sich denkenden Personen durch ihren eigenen Werth em-pfehlen, sie mögen aus welcher Quelle immer kommen. (?)Denn es ist der größte Irrthum der Welt, anzunehmen,daß die Theosophie vom Beweise für die Acchtheit der„Wunder" der Frau Blavatsky oder der Existenz derMahatmas abhängig fei.(?) Seit dem Tode der FrauBlavatsky im Jahre 1891 ist es in der That die Politikder leitenden Theosophen gewesen, die „Mahatmas" soviel als möglich im Hintergründe zu halten." . . .
. . . Der Autor übersieht gänzlich, daß die Lehreneiner Persönlichkeit, die nur ein Werkzeug zweifelhafterPersonen war, schwerlich als wahre Gottweisheit undReligion Anerkennung finden können. Und er weist dochnoch wiederholt auf diese vernichtende Thatsache hin,z. B. wenn er abschließend schreibt: „Es steht außerFrage, daß Frau Blavatsky ihr umfassendes Wissen aufdem gewöhnlichen Wege des Studiums nicht erlangt hat.Ich glaube, sie sprach die Wahrheit, als sie sagte, es seiihr in außergewöhnlicher Weise mitgetheilt worden. Siswar thatsächlich das Medium in der Hand einer unbe-kannten Person, oder mehrerer solcher, welche aus per-sönlichen Gründen vorgezogen haben, sich hinter ihr zuverbergen. Es kommt wirklich sehr wenig darauf au,woher sie ihr fast encyklopädisches Wissen erlangt hat.Was wir zu thun haben, ist, es sorgfältig im Lichte derErkenntniß, die wir bereits besitzen, zu prüfen. Denn eskann nicht geleugnet werden, daß, während die „Ent-schleierte Isis" wenig enthält, was nicht vorher bekanntwar, die „Gehcimlehre" sehr werthvolle Nachrichten überprähistorische Civilisationen und Religionen bringt (ananderer Stelle hat der Autor die „Enthüllungen" desWerkes sehr abfällig beurtheilt!) und auf gewisse Ge-heimnisse anspielt, deren Dasein selbst nicht vermuthetwurde. Einige derselben sind durch einen den Okkultistenbekannten Vorgang geprüft und richtig befunden worden.(Wie „mystisch" l) Und wenn gleich außerhalb der Theo-sophischen Gesellschaft vielleicht nicht Einer von Tausenddie „Geheimlehre" liest nnd Einer von Zehntausend fähigist, den Weizen von der Spreu zu sondern, wird mansie mehr und mehr beachten, wenn sich der religiöse Ge-danke allmählich vom lateinischen Einflüsse nnd die