453
wissenschaftliche Forschung von atomistischen Täuschungenfreimacht."
Wir fürchten nur, daß sich der Autor in dieserHinsicht „okkultistischen" Täuschungen hingibt. Die ver-worrenen mediumistischen Produkte der sonderbaren Pro-phetin würden wahrscheinlich auch in „antiromanischen"Kreisen keinen Eingang finden, wenn der „lateinischeEinfluß" und damit die praktische Bethätigung christlicherMystik schwinden könnte, von welcher unser sonderbarer„Okkultist", wie er so häufig in seinem Werke beweist,nichts versteht.
Auch in den Erinnerungen von H. P. Blavatsky,die „von der Gräfin Wachtmeister und andern" heraus-gegeben wurden (liewinisaeiiLW ob 8. k.
Cvuutsss IVaesttinaistsr and otbsrs), wird die An-sicht ausgesprochen, daß sie durch verschiedene Personenzu verschiedenen Zeiten ausgebeutet wurde. Die Gräfin(S. 57) erzählt, wie sie in einem kleinen Büchlein mit ver-blichener Schrift, von 1851 datirt, einige auf die ersteZusammenkunft mit dem „Meister" bezügliche Zeilen inder Handschrift der Mine. Blavatsky sah. Sie lauteten:8uit msnwrastla oortaiirs nuit xur un olsir 6s Irma,hin 86 oouedait n liuuwArrts (vicisliast 8)äs karlr)12ltz 1851, — IvrsHus ze roncoutrai ls LIaitreäo mes reves.
Nach Gräfin Wachtmeister scheint dieser „Llrntrsäes rvv68" ein „unendlich langer" Inder gewesen zusein, von dem sie sich erinnert gehört zu haben, daß erin diesem Jahre einige indische Fürsten auf einer „wicht-igen Mission" nach England begleitet habe, vermuthlichzum Besuche der großen Ausstellung. Derselbe forderteihre Mitwirkung zu einem Werke, das er zu unternehmenini Begriffe war, und suggestionirte sie, die Theosophisch»Gesellschaft zu gründen. „Er sagte zu ihr, daß sie dreiJahre in Thibet verbringen müsse, um sich für ihre be-deutende Ausgabe vorzubereiten, und H. P. Blavatskyentschloß sich, das ihr gemachte Anerbieten anzunehmen,und verließ kurz darauf London , um nach Indien zugehen, offenbar, um in die Geheimnisse der „alten Weis-heitsreligion" eingeweiht zu werden."
Ob es „Koot-Hoomi" oder der Mahatma M ...,aus der „Oeoult IVorlä«, den man angeblich inzwischenals Namensvetter der alten Kindsfrau der Blavatskyidentifizirt hat, war, wird nicht berichtet. Merkwürdiger-weise behauptete Oberst Olcott , der Präsident der indischenTheosophischcn Gesellschaft, in seinem Buche »keoplo iromtsts otiivr VVvrlä", daß im Jahre 1874 der „Meister"der Blavatsky sich dazu bekannte, der „Spirit" eineskühnen Seeräubers, John King genannt, zu sein, der im17. Jahrhunderte in Ansehen stand und sich im neun-zehnten die Zeit damit vertrieb, Briefe zu präcipitircn"und „Ehrenmedaillen aus dem Sarge" des Vaters derBlavatsky herbeizubringen (S. 355). Das ist um sowichtiger, da ja ein „John King" so häufig in spiritist-ischen Sitzungen als controllirender Geist genannt wird.
Olcott glaubt übrigens, daß dieser „John King"kein verstorbener Seeräuber, sondern das Geschöpf eines„Ordens sei, der, während er in Betreff seiner Erfolgevon unsichtbar Wirkenden abhängig sei, aus Erden unterden Menschen existire" (?) (S. 454).
(Schluß folgt.)
Cardinal Manniugs letzte Schrift: „NennHindernisse u. s. w." übersetzt nnd ergänzt vonGerhart Wahrmut.
—oft. Wenn Jemand kein Talent zum Baumeisterhat, so kann er vielleicht doch ein guter Schreiner werden.Das aber können wir von dem Verfasser obigerBroschüre nicht sagen; denn indem er sich als Gcschichts-baumeister anfthun will, vermag er nicht einmal alsSchreinerlehrling so zu leimen nnd zu fügen, daß dieeinzelnen Bretter zusammenhalten.
Wer so kühn an die Oeffcntlichkeit tritt, der mußsich auch begründete Kritik gefallen lassen:
1. Was den Leim bildet für sein Werk, das erschaffen wollte, so ist das doch wohl vor Allem dieGlaubwürdigkeit seiner Gewährsmänner. Aber Pseud-onym Wahrmut leistet Alles, um dieselbe zu Grunde zurichten. Purccll, die Hauptgnelle, wird uns vorgeführtals ein Biograph, der nicht nur „Widersprüche, Zwei-deutigkeiten, Unbestimmtheiten" sich muß vorwerfen lassen,sondern der auch wider besseres Wissen die Hauptschulddem unschuldigeren Theile zuschiebt; als ein Bericht-erstatter, der die Hauptfrage der Broschüre in geheimniß-volles Dunkel hüllt, indem er nach dem Sprichwort:„Im Dunkeln ist gut munkeln," nach beiden Seiten hinzu ungerechten Vermuthungen Anlaß gibt; als einGehcimnißkrämer, der aber vor Scrnpeln über seineHandlungsweise bald so, bald so schreibt und doch nichtsgesagt haben will! Von dem Spectator der „Allgcm.Zeitung", der dazu herhalten muß, das Bißchen Leim-kraft noch zu verderben, wollen wir lieber schweigen.Wo liegt die Kraft ihrer Autorität? Und doch solldas Publikum denselben Alles glauben?
2. Und wie hat der Herr die Bretter, das Ma-terial seines Werkes, jämmerlich verschnitten! und dasist das Lebens- und Charakterbild des Kardinals, dessenSchrift ja durch dasselbe recht in Kraft gesetzt werdensoll! O armer Cardinal! Nachdem Purcell denselbenrecht unglücklich auf dem Paradebette für das Publikumausgestellt hatte, wird er nun von dem Uebersetzcr seinerletzten Schrift mit Hilfe seiner Assistenten noch öffentlichsecirt. Schon jener Act hat ihm die Glieder verrenkt inlauter Widersprüchen: „Mangel historischer Kenntniß,starkes Vornrtheil, gewisse Eifersucht, Uebertreibung derbischöflichen Machtbefugnisse, Irrthum, Mschließung gegenjeden Rath, den er sogleich als Tadel und Eingriff be-trachtet, Mißtrauen, Machinationen hinter dem Rückenseines Vorgängers, hartnäckiger Eigensinn" u. s. w. leitenihn bei seinem abweisenden Verhalten besonders gegendie Jesuiten, so daß darunter eher die geplante kathol.Universität scheitern mag, — und doch wird er nur vonhohen Ideen geleitet! Ein sonderbarer Heiliger!Aber, um die Widersprüche zu lösen, wird er secirt unddabei so böse versähest, daß die Theile beim Zusammen-fügen vollends zerbrechen: „anglikanische Vornrtheile,Einfluß von Ordensfeiudcu, sogar Ideen Rosminis"werden zugestanden; dabei gewinnt man den Eindruck,daß er die wichtigsten Fragen überspannt und gerngreift, so in seinem Glauben, in seinen Anforderungenan Klerus und Volk, in seiner Ascese, in seinem Tn-tiorismus; aber Gott sei Dank, er „lernt um", bekommtanders Anschauungen, besonders bezüglich der weltlichenMacht des Papstes, die er nun für ein Verderben be-trachtet, bezüglich der römischen Curie, bezüglich derGrenzen der päpstlichen Unfehlbarkeit: und zwar ganz