Ausgabe 
(13.11.1897) 65
 
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besonders dann, wenn ihm etwas nicht nach dem Kopfgeht; nnd zwar lernt er zum Glück soweit um, bis ermit seinem Geschichtsbaumeister zusammenstimmt! Zurvollen Harmonie aber darf er nur in Einem Punktenichtumlernen", nämlich in der Abwehr der Jesuiten .

3. Die Krone des ganzen Werkes ist aber gewißder fatale Umstand, daß zuletzt der Kopf verkehrt einge-setzt wurde: Nachdem dasUmlernen" geschildert ist, ruftder Cardinal sogarWehe" über einen Bischof, der vonirgend welcher Partei sich leiten läßt. Das klingt (gegendas Ende seines Lebens) wie ein Ausruf allzuspäter Er-kenntniß und der Neue. Was muß das wohl für einePartei gewesen sein, von der sich Manuing leiten ließ?Ach da hat der geniale Ergänzer und Corrigirer desBiographen es ganz vergessen, daß er bewiesen hat, wieManning schon unter seinem Vorgänger Wiscman undwährend seines ganzen Pontificatswie ein Cherub mitflammendem Schwerte" die Jesuiten abwehrte; fernerdaß er gerade in den Fragen, in denen er früher mitden Jesuiten übereinstimmend gedacht, nunumgelernt"hatte. Wenn er also zuletzt bereute, dann kann gewißnicht die Jcsnitenpartei Gegenstand dieser späten Erkennt-niß und Rene sein; aber ausgeschlossen wäre es nichtauf Grund der versuchten Beweisführung, daß er be-reute, der Partei der Gegner derselben zu viel Einflußgewährt und so gar Manches verdorben zu haben.

Zum Schluß mache ich nur noch aufmerksam aufdie Schärfe seiner Scctionsmcsscr. Wie gewandt er ist,an der Kirche Leib zu schneiden und zu scheiden, beweister auf Seite 88 oben, 89 unten. Aber die Erinnerungwird man bei Bewunderung dieser Kunstfertigkeit nichtlos, daß die heutigenAuchkatholiken" dieselbe Kunstverstehen, mit derselben, was sie nur »vollen, verneinen,und daß sie, indem sie auf den Sack schlagen, ettvasAnderes treffen »vollen.

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Einer weiteren Einsendung entnehmen wir nochfolgende Sätze:

Da es auch uns um die volle Wahrheit zu thunist, so ersuchen wir den Herrn Uebcrsctzer, uns bezüglichder durchschossen gedruckten Stellen seines Vorworts xa§. Xgenauer zu bezeichnen, was MarkeWahrmut" etwa,und was Marke Purcell ist? Sie sind so starke Kritik,daß der Leser ein Recht hat, seine Leute zu kennen. Inseiner Brochüre sind nämlich nach den Anführungszeichendie Schlußzeichen vergessen. Mag nun diese Nachahmungder Broschüre Schell von England oder von dem jungenGelehrten in Würzburg stammen, jedenfalls beweist sie,daß zur Ausbildung von Priestercandidaten noch etwasAnderes alsFreiheit der Wissenschaft " undUni-oersitätsbildung zu Würzburg , Oxford oder dgl." rechtnothweudig ist, und mögen darum die, welchen diese sehrnöthige Eigenschaft mangelt, das von Herrn Wahrmutlobend erwähnte Büchlein:Das ewige Priesterthum"von Cardinal Manning , recht betrachten, uin wahre Priester,und nicht bloße Räsounirer zu sein, besonders in ihrem sowichtigen Berufe! ....

Aber selbst dann, wenn die Jesuiten absolut ge-troffen werden mußte»», wozu kamen denn dieNeunHindernisse" in die Debatte? Mit Ausnahme von IX8. sind die Verhältnisse so verschieden, daß es dieLösung einer unlösbaren Preisaufgabe bedeutet, dieselbenauf Deutschland und auf den deutschen Klerus anzu-wenden. Dadurch aber wurde der deutsche Klerus in der

ungerechtesten Weise verdächtigt. Was bleibt dennmu-tntia rnutnuäis" davon übrig?

Erklärung.

Herr Lycealdirektor Dr. Diendorfer in Passau hat inNr. 64 der Augsburger Postzeitungsbeilage eine Anspracheveröffentlicht, »n der er mit Entrüstung dieMißkennunaund Verdächtigung" zurückweist, welche ichöffentlichden kgl. bayerischen Lyceen (nnd Lehrscminarien)ent-gegengeschleudert" haben soll, und zwar in meiner SchriftDer Katholizismus als Princip des Fortschritts". 2. Anst.13-21: 6. Allst. 28-33.

1. Jilsbesondere sagt der Herr Lycealdirektor Dr. Dien-dorfer folgendes:

In der That wird es dein gelehrten Herrn Rektorund Professor schwer fallen, den Nachweis zu liefern,daß die an den bayerischen Lyceen . . . gebildetenTheologen hinter den an den Universitäten gebildetenin wissenschaftlicher oder in religiös-sittlicher Be-ziehung oder in ihrer späteren Bernfswirksamkeitirgendwie zurückstehen."

Eine derartige Behauptung habe ich in obiger Schriftüberhaupt nicht aufgestellt, insbesondere »licht indein näher bezeichneten Abschnitt: folglich brauche ich auchkeinen Beweis dafür zu liefern.

2. Ferner erklärt der Herr Lycealdirektor von Passau:

Angesichts dieses Thatbestandes kann man esden Vertretern der bayerischen Lyceen nicht ver-denken, wenn sie den in der Schell'schen Schriftunverblümt enthaltenen (wenn auch »licht nutnackten Worten ausgesprochenen) Vorwnrf. alswürden dieselben an der von deren Verfasser be-haupteten Jnferiorität der Katholiken inDeutschland mit Schuld sein. als gänzlich un-begründet entschieden zurückweisen."

Ich erwidere hierauf: Einen derartigen Vor-wurs habe ich in meiner Schrift gegen die bayerischenLyceen nicht erhoben; auch nicht in der Weise, daßerunverblümt darin enthalten" wäre.

3. Der Herr Lycealdirektor spricht außerdem nochvonall den schiefen, theils übertriebenen, theils unwahren unddeßhalb gänzlich unberechtigten Behauptungen", welche ichin genannter Schriftohne Beweise" über die Lyceen (undLehrseminarien) aufgestellt habe.

Ich ersuche den Herrn Lycealdirektor vr. Dien-dorfer eindringlich, mir dieseunwahren Be-hauptungen" über die Lyceen zu nennen: dennwas er mir nicht namentlich als unwahr bezeichnet,könnte ich beim besten Willen nicht zurücknehmen, da mirselber solche Behauptungen völlig unbekannt sind.

. 4. Der Zusatz zu xa§. 96 der 6. Anst. bedeutet wedereinen Rückzug noch denrein platonischen" Ausdruck meinerWerthschätzung für die Lyceen und Seminarien.

Dieser Zusatz soll vielmehr das Mißverständinß fern-halten, als hätte ich durch meine Ausführungen die Mono-polisirung der Theologie zu Gunsten der Universitäts -facultäten gefordert, mit Allsschluß der Lyceen nnd Lehr-seminarien, und n»it Verkennung der Gründe, welche sienothwendig machen.

Was ich bekäinpfte, war die in neuerer Zeit nicht un-deutlich hervortretende Hinneigung zum französischen Seminarsystem mit all seinen bedenklichen Folgen,nicht bloß für die theologischen Universitätsfacultäten.

Würzburg , 7. November 1897.

Dr. Schell,Universitätsprofessor.

Recensionen und Notizen.

Dichterstimmen der Gegenwart." Poetisches Or-gan für das kathol. Deutschland . Herausgegebenvon Leo Tepe van Heemstede. Verlag vonPeter Weber in Baden-Baden . Jährlich 12 Hefte.Mit 12 Kunstbeilagen (Portraits und Biographienzeitgenössischer Dichter und Dichterinnen). Preishalbjährlich 2 M- 25 Pfg.

3. L. llh Von Zeit zu Zeit steigt die goldene Loreley vom weithinschauenden Rheinfelsen herab und gleitet imblumengeschmückten Nachen auf den grünen Fluthen desrauschenden Rheins. Allmonatlich, wenn von den reden-